„Der Opernball“: Käsekrainer und Schlüpfriges

Gehen wir ins Chambre séparée! Regisseur Axel Köhler und Sängerin Kristiane Kaiser über Richard Heubergers „Opernball“ in der Volksoper.

Frivol am Ball. Axel Köhler und Kristiane Kaiser in Okarina Peters Bühnenbild zu Heubergers „Opernball“.
Frivol am Ball. Axel Köhler und Kristiane Kaiser in Okarina Peters Bühnenbild zu Heubergers „Opernball“.
Frivol am Ball. Axel Köhler und Kristiane Kaiser in Okarina Peters Bühnenbild zu Heubergers „Opernball“. – (c) Carolina Frank

Auf jeden Fall etwas Schlüpfriges würden Sopranistin Kristiane Kaiser und Regisseur Axel Köhler im Chambre séparée verzehren. Heubergers „Opernball“ spielt in der Volksoper im Pratercottage und ist auch sonst modernisiert. „Die Operette beginnt bei neureichen Wienern in einem Loft“, erzählt Regisseur Axel Köhler, der früher Countertenor war. Der Seitensprung bzw. der Traum davon ist Hauptthema des Werks, das an „Die Fledermaus“ von Johann Strauss und an Feydeau erinnert. Bälle kennen Kaiser und Köhler vor allem, weil sie öfter als Sänger dort aufgetreten sind.

Was servieren oder was verzehren Sie zum Souper? Austern?
Axel Köhler: Es kommt auf den Appetit an und mit wem man da ist. Was Schlüpfriges. Austern sind eine gute Idee.
Kristiane Kaiser: Käsekrainer!


Im Chambre séparée muss man sich heute nicht mehr verstecken.
Köhler: Vielleicht doch. Die Erregung öffentlichen Ärgernisses sollte man auch heute vermeiden. Besser, man zieht sich zurück.


„Der Opernball“, 1898 uraufgeführt, hat einiges von Feydeau.
Köhler: Ja, das stimmt. Die Operette spielt ursprünglich in Paris. Bei uns ist der Schauplatz die Volksoper. Wir haben uns folgende Geschichte ausgedacht: Wir setzen die „Ente“ in die Welt, dass die Staatsoper, die ja den berühmtesten Opernball der Welt hat, diesen nicht mehr finanzieren kann. Die Volksoper springt ein und findet einen Sponsor. Das Ballmotto lautet: „Frei, ja frei sei die Liebe.“ Das Motto entspricht der Unternehmensphilosophie des Sponsors, der aber nicht genannt werden möchte.


Palmers ist der Sponsor.
Köhler: Der Sponsor ist fiktiv. Aber man sieht, welche Branche es ist, ein schlüpfriger Sponsor sozusagen.


In welcher Zeit spielt die Operette?
Köhler: In der Gegenwart. Es gibt zum Beispiel keine Depeschen, sondern E-Mails und SMS. So viel hat sich aber auch wieder nicht verändert seit dem 19. Jahrhundert. Die Liebesprobleme sind dieselben. Die Inszenierung muss Witz haben, es soll ein vergnüglicher Abend werden, kein Blick ins Museum.


Haben Sie Erfahrung mit Operetten?
Köhler: Viel. Vergangenes Jahr habe ich in Mörbisch Carl Zellers „Vogelhändler“ herausgebracht. Ich habe 100 Mal Prinz Orlofsky in der „Fledermaus“ gesungen, die ich auch inszeniert habe, ferner „Gräfin Mariza“ oder „Die Blume von Hawaii“.


„Der Opernball“ handelt im Wesentlichen von zwei Paaren. Die Frauen beschließen, auf dem Ball die eheliche Treue ihrer Männer zu testen. Ist Treue etwas Volatiles?
Kaiser: Das werden wir herausfinden. Wir sind drei identisch kostümierte Frauen und verwirren die Herren beim Ball, damit die Verwechslungskomödie stattfinden kann. Ich spiele Angelika aus der Provinz und komme ins verruchte Wien, falls es das noch gibt. Das Verruchte ist ja eine Kommerzsache geworden. Ich tauche in ein Mysterium ein, der Opernball ist für mich die große Unbekannte. Man muss sich frivol kostümieren, einen Domino tragen. Ich habe Angst, meine Freundin stößt mich ins Abenteuer hinein, und auch mein Mann will jemanden anderen kennenlernen.


Geht man nicht auf Bälle, um sich jemanden aufzureißen?
Kaiser: Ich habe mir noch nie auf einem Ball jemanden aufgerissen. Ich war dort meistens zum Singen bei der Eröffnung, zum Beispiel auf dem Wiener Kaffeesiederball. Da sind wir dann dort geblieben. Ich tanze sehr gern.
Köhler: Das Lustige an dieser Operette ist, es geht um den Ball, aber der Ball ist nicht zu sehen. Man sieht, wie die Leute zum Ball kommen, die Logen, und wie sie dann wieder zurückkehren.
Kaiser: Der Ball ist die Kulisse für das, was sich in den Logen abspielt, das ist ja auch bei unserem Opernball so.


Gehen Sie gern auf Bälle?
Köhler: Ich bin kein Ballgeher und ich tanze auch nicht so gern. Wie Frau Kaiser habe ich aber öfter bei den Eröffnungen gesungen, bei Opernbällen in Berlin und Karlsruhe.


Was können Sie sonst noch von Ihrer Inszenierung verraten?
Köhler: Nicht zu viel. Die Operette spielt bei neureichen Wienern im Pratercottage. Das Loft ist sehr teuer gewesen, es hat einen eigenen Lift und das Dienstmädchen wohnt in der Wohnung. Der zweite Akt zeigt die Bühne der Volksoper, wie sie ist, man wird keine nackten Menschen oder Unanständiges sehen. Trotzdem kann man sich vorstellen, wie diese Chambres séparéés sind und wozu man dorthin gebeten ist. Unter der Vornehmheit gibt es ja immer auch eine dunkle Seite – und die bedient der Ball.


Die Pratergegend ist ja auch so gemischt, einerseits elegant, viel grün, Kindervergnügungen, andererseits ein Ort der Sünde.
Kaiser: Der Prater wird mit verschiedenen Arten von Anbandeln verbunden. Ich war oft dort, ich bin im Karmeliterviertel aufgewachsen. Schnitzler hat über den Corso im Prater geschrieben. Der Prater kommt in „Arabella“ vor, sie sagt: „Wir fahren die Hauptallee entlang.“ Die Marschallin, die auch noch auf meinem Programm steht, fährt ebenfalls mit ihrem Wagen durch den Prater, und Octavian darf neben ihr herreiten.


Wie wird man Countertenor?
Köhler: Ich war Bariton in Halle an der Saale, wo ja auch die Händel-Festspiele sind, Händel wurde in Halle geboren. Von der Hochschule wusste ich, dass ich ein gutes Falsett habe, dort habe ich im Männerquartett à la Comedian Harmonists die oberen Stimmen gegeben. So hat meine Karriere begonnen, über die ich mich sehr freue. 2012 habe ich allerdings den Schlussstrich gezogen, seither habe ich keine Counterpartien mehr gesungen.


Wie steht das Opern- oder Operettenpublikum zu modernen Inszenierungen?
Köhler: Modern oder historisch, beides kann gut oder schlecht sein. Es muss sinnfällig wirken, nicht an den Haaren herbeigezogen. „Rigoletto“ modern zu inszenieren oder „Die sizilianische Vesper“ oder den „Vogelhändler“, das ist schwer. „Der Opernball“ ist ein Stück wie gemacht für die Gegenwart, und wir werden es beweisen.


Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Kaiser: Ich komme aus einer Familie, in der Musik immer als Hobby betrieben wurde. Ich bin die Erste, die Musik zum Beruf gemacht hat. Ich habe in Salzburg und Wien studiert und bin hier im Ensemble der Volksoper. Ich habe zum Beispiel die Antonia in „Hoffmanns Erzählungen“ und die Donna Anna in „Don Giovanni“ gesungen oder gerade die Gräfin Almaviva in „Die Hochzeit des Figaro“. Als Nächstes kommt zum ersten Mal „La Wally“. Ich glaube, es ist gut, dass man verschiedenste Fächer macht – und einige Stars singen auch quer durch die Fächer. Ich finde, es hält einen lebendig und vielseitig.

Tipp

Richard Heubergers „Der Opernball“. Mit Helga Papouschek, Kurt Schreib­mayer, Boris Eder, Amira Elmadfa u. a., Dirigent: Alfred Eschwé, ab 17. 2., Volksoper.

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