„Saul“ im Theater an der Wien: Macht und Wahn gehen Hand in Hand

KritikGroßer Jubel für Händels Oratorium mit Florian Boesch in der Titelpartie und Jake Arditti als David: Regisseur Claus Guth erzählt das zeitlose Drama vom Herrscher, der nicht weichen will, und seinem allzu jungen Nachfolger.

++ HANDOUT ++ FOTOPROBE 'SAUL'
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Bilder einer schmerzlichen Familienaufstellung: Marcel Beekman als Abner/High Priest, Giulia Semenzato als Michal, Andrew Staples als Jonathan, Ray Chenez als Witch of Endor, Anna Prohaska als Merab und Florian Boesch als Saul. – APA/MONIKA RITTERSHAUS

Saul sinniert. Das heißt, anfangs sonnt er sich noch im Lichte seiner glorreichen Vergangenheit, wie Textprojektionen über seinem Kopf klar machen. Denn als siegreicher Feldherr und von Gottes Gnaden erster König der Israeliten hat er nichts zu fürchten als – die Zukunft. Nach außen kann er das nicht tragen, denn die Krone macht einsam. Zum Nachdenken zieht er sich aus großbürgerlichem Ambiente ins Badezimmer zurück. Und in diesem weiß gekachelten Elend hockt er nun, den Speer an die Wand gelehnt.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2018)

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