Feine Komödie ohne Klamauk: "Don Pasquale" an der Staatsoper

In Donizettis "Don Pasquale" ist Roberto De Candia ein köstlicher hochzeitswütiger Titelheld, Adam Plachetka als Malatesta ist ihm ein souveräner Partner mit viel Spielwitz.

"Don Pasquale" an der Staatsoper
"Don Pasquale" an der Staatsoper
"Don Pasquale" an der Staatsoper – (c) Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Pink ist Don Pasquales Welt, nachdem er auf seine alten Tage geheiratet hat. Der Hagestolz ist in eine Intrige geraten, die in Wahrheit seinen Neffen mit der vom Onkel abgelehnten Geliebten zusammen bringen soll. Norina, die ihm als Klosterzögling Sofronia präsentiert wurde, entpuppt sich gleich nach der Hochzeit als Furie, wirft seinen Reichtum beim Fenster hinaus und stattet die heruntergekommene Bar, die hier Don Pasquales Haus ist, mit pinkfarbenen Überzügen und Zebrafellen aus. Dem Geprellten stehen dabei nur deshalb nicht die Haare zu Berge, weil diese von einem Toupet ersetzt werden, das oft vom Kopf fällt.

Die 20. Aufführung der Inszenierung von Irina Brook von 2015 brachte unter dem geschmeidigen Dirigat Frédéric Chaslins einen neuen Don Pasquale in diese heutig angelegte Interpretation von Donizettis Dramma buffo. Rollendebütant Roberto De Candia ist dabei ein köstlicher Darsteller des hochzeitswütigen Titelhelden, auch wenn man sich anfangs wünscht, seine Stimme wäre durchsetzungskräftiger, und wenn das Parlando im Duett mit Malatesta seinerseits noch flinkere Zunge vertragen könnte. Jedenfalls agiert er stark als liebestoller Gockel, über den sich das Publikum sichtlich amüsiert.

Luxuriöser Bariton: Adam Plachetka

In Adam Plachetka in der Rolle des mehr als Heiler denn als Arzt angelegten Malatesta findet er einen souveränen Partner mit viel Spielwitz. Dieser massiert und schröpft Don Pasquale und erweist sich als großer Komödiant, beispielsweise, wenn er Norina tänzelnd vormacht, wie man den Alten zu narren plant. Zudem ist sein warm timbrierter Bassbariton durchaus ein Luxus für diese Partie.

Danielle de Niese ließ sich ansagen, war jedoch nach Startschwierigkeiten eine höchst eloquente Norina mit gewandtem Sopran. Einfach hinreißend, wie sie mit ihrem Charme nicht nur Don Pasquale um den Finger wickelt – und ihn gleichzeitig in eine rosa Decke. Überzeugend schwankt sie zwischen Koketterie und nachdenklichen Momenten, wenn sie überlegt, ob ihre Ohrfeige nicht doch zu weit ging.

Und schließlich doch bei Antonino Siragusa als Ernesto landen darf. Mit seinem hellen, reinen Tenor und eleganten Phrasierungen buhlt er um sie. Vokal ansprechend und durchaus witzig die Serenade in Mariachi-Begleitung, von einer kleinen Unfeinheit am Ende abgesehen. Was alle Darsteller eint und was über den Erfolg dieser teils hart am Überzeichneten entlang schrammenden Inszenierung entscheidet, ist, dass sie alle fein auf der Klaviatur der Komödie spielen ohne je in den Klamauk abzugleiten.

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