Studie: Klassik-Publikum "stirbt einfach aus"

In 30 Jahren werden Opernhäuser zu einem guten Teil leer bleiben: Das Klassik-Publikum gehe bis dahin um ein Drittel zurück, besagt eine deutsche Studie. Jungen Menschen fehle der Bezug zu klassischer Musik.

Studie: Klassik-Publikum stirbt aus
Studie: Klassik-Publikum stirbt aus
(c) REUTERS (Fabrizio Bensch / Reuters)

Vor einem dramatischer Niedergang stehen einer Studie zufolge Opern- und Konzerthäuser in Deutschland.
Der Kulturwissenschafter Martin Tröndle von der Zeppelin Universität Friedrichshafen schreibt in einer am Dienstag veröffentlichten Studie, dass das Klassik-Publikum in den nächsten 30 Jahren um mehr als ein Drittel zurückgehen wird: "Es stirbt einfach aus", meint er.

Denn das Klassik-Publikum wird immer älter: Dessen Durchschnittsalter sei fast dreimal so schnell gestiegen sei wie das der Gesamtbevölkerung, heißt es in Tröndles Forschungsarbeit. Das Durchschnittsalter des Konzertpublikums wuchs demnach in den vergangenen 20 Jahren um elf Jahre an, das der Bevölkerung insgesamt nur um rund 3,4 Jahre.

Zu wenig Nachwuchs

Das große Problem der Konzert- und Opernhäuser sei der mangelnde Nachwuchs in jüngeren Altersgruppen. Viele Jüngere hätten eine völlig andere musikalische Sozialisation erlebt, in der Rock- und Popmusik die Hauptrolle spiele und der Bezug zu klassischer Musik tendenziell immer geringer werde.

Tröndle wirft der öffentlichen Kulturförderung vor, nur ein Prozent der Gelder für die Musikförderung (insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro) für Innovationen auszugeben. Das standardisierte bürgerliche Konzertwesen, das seinen Höhepunkt zwischen 1870 und 1910 hatte, dominiere bis in die Gegenwart den Musikbetrieb. Tröndle fordert, "die Kunstform Konzert als ästhetisch-soziale Präsentationsform zeitgemäß weiterzuentwickeln, um der Musealisierung des Konzerts und der steten Veralterung des Publikums entgegenzuwirken".

Die Studie

Martin Tröndle: "Das Konzert. Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form"

Mehr Info bei der Zeppelin Universität Friedrichshafen

(Ag.)

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