Salzburger Festspiele: Hormonstau und Koloraturenfluss

KritikCecilia Bartoli düpiert als gewitzte Italiana in Algeri diesmal den eitlen Mustafà von Ildar Abdrazakov: Komödienkaviar fürs jubelnde Festspielpublikum.

Scharfes Geschütz: Cecilia Bartoli als Isabella, mit Alessandro Corbelli als Taddeo.
Scharfes Geschütz: Cecilia Bartoli als Isabella, mit Alessandro Corbelli als Taddeo.
Scharfes Geschütz: Cecilia Bartoli als Isabella, mit Alessandro Corbelli als Taddeo. – (c) Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus

Ein Kamel müsste man sein! So suggeriert es zumindest Étienne Guiols witziger Trickfilm im Scherenschnittstil, in den sich das Schlafzimmerbild von Elvira und Mustafà verwandelt. Dann führte nämlich die Balz, nach kurzem Pro-forma-Einsatz der kalten Schulter, rasch zum erwünschten Erfolg – und man könnte küssen und kopulieren, dass die Palmwedel fliegen. Wenn frau aber einen rechten Esel zum Mann hat, der sich nach einer exotischen, aus algerischer Sicht also: italienischen Dame umsieht, weil sich bei ihm für die Angetraute nur noch Überdruss regt, müssen in der Opera buffa schärfere Geschütze aufgefahren werden als bloß die bemühten Verführungskünste der Gattin, um den Schwerenöter von erträumten Abwegen auf den Pfad ehelicher Tugend zurückzubringen. Ein solches scharfes Geschütz ist Cecilia Bartoli – und sorgt als Isabella in „L'Italiana in Algeri“ nebenbei noch dafür, dass auch der Rest der Männerwelt nach ihrer Pfeife tanzt und die ganze italienische Abordnung inklusive Fußballmannschaft (Philharmonia Chor Wien) aus der Gefangenschaft fliehen kann.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2018)

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