Salzburger Festspiele: Mozart mit dem Schalk im Nacken

KritikJubel für die vierte Mozartmatinee – mit Vilde Frang, Lawrence Power und Giovanni Antonini.

– (c) Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Haben jemals Solisten mit so divergierenden musikalischen Temperamenten dermaßen einträchtig Mozarts Sinfonia concertante für Violine und Viola interpretiert? Die Geigerin Vilde Frang und der Bratschist Lawrence Power sind längst ein eingespieltes Team, bewiesen aber dennoch, dass es gerade die kleinen, vielsagenden Unterschiede sein können, die eine Deutung unter ständiger Spannung halten und dem Publikum ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können.

Zum Beispiel dadurch, dass Power sich schon vor seinem eigentlichen Einsatz ein bisschen übermütig und doch diskret in die Orchesterbratschen einblendet, während Frang sich bis zum eigentlichen gemeinsamen Soloeintritt aufspart. Doch auch dieser sanfte Oktavaufschwung, der sich von einer Ziernote aus in die Höhe federt, trägt sogleich Gegensätze in sich und wird effektiv zu einem Arpeggio – durch seinen sofortigen Akzent unten und ihren erst mit Verzögerung darüber erblühenden Ton.

Und so geht das weiter: Power liebt Rubati, spielt Vorhaltsnoten expressiver und gestischer aus, während Frang sich weniger Abweichung von der klaren rhythmischen Linie gestattet; er kultiviert augenzwinkernde Rauheit im Ton, die dem Begriff Edelholz neue Bedeutung gibt; für sie sind Noblesse und Rundung im Klang das höchste Ziel.

Doch wirkte ihr Zusammenspiel in Summe so verschworen, als würde ein frecher großer Bruder die kleine brave Schwester allmählich zu mehr Schabernack anstiften, soll heißen: zu größerer musikalischer Freiheit. Diese graduelle Annäherung ergab eine höchst vergnügliche, erfüllte Lesart, die im Andante freilich auch von der nötigen Tristesse beseelt war: Großartig, in welch fahlem Pianissimo die Kadenz endete!

Am Profil hatten auch Giovanni Antonini und das Mozarteumorchester ihren Anteil, wobei Antonini die orchestralen Oberstimmen mehrfach herunterdimmte, um den reichen Mittelgrund und die Basslinien ins Rampenlicht treten zu lassen – immerhin führt Mozart die Bratschen hier durchwegs zweistimmig und bringt mit Pizzicati und wunderbaren Oboen- und Hornstellen eine verblüffende Farbigkeit ein. Entsprechend schalkhaft die Zugabe, Aleksey Igudesmans ironische Mozart-Hommage „Twinkle, Twinkle You Big Star“, bei der Power und Frang anfangs auch noch auf dem Instrument des anderen in Anfängermanier erbärmlich fiedelten – zum Gaudium des Publikums, wie zu erwarten war.

 

Fanfarenlärm und melodischer Samt

Zum ernsten, düsteren Beginn hatte Antonini das Mozarteumorchester angestachelt, die haarsträubende Dramatik der Zwischenaktmusiken und der Schlussnummer aus Mozarts viel zu selten gespielter Schauspielmusik zu „Thamos, König in Ägypten“ voll auszuschöpfen – mit packender Wirkung.

Nach der Pause dann der festliche Fanfarenlärm der „Lucio Silla“-Ouvertüre und Joseph Haydns Symphonie „mit dem Paukenwirbel“ (Hob. I:103), die mit einem improvisierten Paukensolo im Fortissimo begann: Ein überschäumendes, abwechslungsreiches Fest mit gleißendem Blech und melodischem Samt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2018)

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