Humorvolle Diva des Belcanto: Montserrat Caballé ist tot

Die Starsopranistin verstarb im Alter von 85 Jahren in Barcelona, von wo aus sie die Welt erobert hatte. Ihre Karriere begann als Einspringerin und führte sie als Star in die ganze Welt.

Die katalanische Sopranistin Montserrat Caballé bei einem Auftritt im Jahr 2006.
Die katalanische Sopranistin Montserrat Caballé bei einem Auftritt im Jahr 2006.
Die katalanische Sopranistin Montserrat Caballé bei einem Auftritt im Jahr 2006. – REUTERS

Sie war eine der großen Diven des 20. Jahrhunderts: Montserrat Caballé starb in der Nacht auf Samstag in ihrer Heimatstadt Barcelona, wo sie einst auch ihre musikalische Ausbildung erhalten hatte. Von Barcelona ging die junge Sopranistin ins Mutterland der Oper, perfektionierte sich in Mailand – um ihr Können zunächst auf kleineren Bühnen zu profilieren. In Basel feierte sie ihr Debüt als Mimi in Puccinis „Bohème“, weitere Engagements führten sich nach Saarbrücken und Bremen. Es war, wie so oft im Operngeschäft, ein Einspringen, das die Sängerin über Nacht bekannt machte: 1965 sagte Marilyn Horne in einer konzertanten Aufführung von Donizettis „Lucrezia Borgia“ ab. Die 29-jährige Katalanin war zur Stelle und feierte einen Triumph.

Es war kein Zufall, dass dieser Durchbruch im Belcanto-Repertoire gelang, dessen Wiedererweckung im Gefolge der sensationellen Auftritte der Maria Callas noch in den Kinderschuhen steckte: Montserrat Caballé wurde dank ihrer geschmeidigen Phrasierungskust und ihrer luftig-leichten Pianissimi zum Inbegriff der Belcanto-Primadonna – freilich ohne ihr breites Repertoire deshalb auf die italienische Frühromantik zu beschränken.

Ab den späten Sechzigerjahren war sie ständiger Gast auf den großen Bühnen der Welt, die Intendanten setzten Premieren eigens für sie aufs Programm. Nicht zuletzt auch in Wien, wo es Direktor Egon Seefehlner wagte, Bellinis als schwer realisierbar geltende „Norma“ neuinszenieren zu lassen.

Einen weiteren Meilenstein setzte sie 1992: Mit dem für die Olympischen Spiele geschriebenen Song "Barcelona" wurde sie einem breiten Publikum bekannt. Sie hatte das Stück mit Rockstar Freddie Mercury aufgenommen.

Entdeckerin von Carreras

Die Popularität der Caballé ermöglichte es der Sängerin bald, auch Starthilfe für junge Künstler zu leisten, von denen sie überzeugt war. Prominentestes Beispiel dafür war gewiss José Carreras, der seinen Aufstieg den regelmäßigen Auftritten und Schallplattenproduktionen an der Seite der Diva verdankte. Nicht zuletzt an der Seite von Carreras ging Caballé gern weit über die Grenzen des Belcantogesangs hinaus. Wien erlebte sie des Öfteren auch als Tosca – und allenthalben verzieh man der Künstlerin manche Schärfung, die sie der Stimme durch strapaziöse Ausflüge in den Verismo (ja, bis hin zur Salome!) zufügte, denn im entscheidenden Moment waren da ihre himmlischen leisen Töne und weit geschwungenen Phrasen, die sie berühmt gemacht hatten.

Vergessen seien nicht die Eskapaden, die sich die Primadonna leisten konnte, etwa mitten in einer „Norma“-Vorstellung zu unterbrechen und das Orchester wegen seiner für Sänger untragbar hohen Stimmung zurechtzuweisen oder Bühnenarbeiter hinter der Szene zur Ruhe anzuhalten. Die Caballé war einst auch die mutige Tosca, die ihren Mario Cavaradossi hinter die große Engelsskulptur führte, als an der Wiener Staatsoper das Erschießungskommando nicht in Erscheinung trat. Da war – post festum vor dem Vorhang – auch der Humor der Künstlerin zu bewundern, die sich vor Lachen kaum mehr halten konnte. Das war auch die Caballé: Eine Frau, die hinreißend Witze erzählen und sich auch über sich selbst lustig machen konnte. Den besten Beweis lieferte sie in der Staatsopernproduktion von Donizettis „Fille du régiment“ als Herzogin von Crakentorp: Da war sie wieder, die einstige Primadonna als komische Alte – und nicht nur ihr Publikums, auch sie selbst hatte daran ihren Spaß.

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