Joseph Haydns musikalischer Herbst im Musikverein

KritikStefan Gottfried und der Concentus Musicus Wien eröffneten ihren Konzertzyklus mit Wiener Klassik.

Stefan Gottfried.
Stefan Gottfried.
Stefan Gottfried. – (c) imago/SKATA

Joseph Haydns Symphonie Nr. 104 ist ein großes Werk in jedem Wortsinn. Doch hört man diese letzte der „Londoner“ im Konzertsaal nicht oft so, dass diese Größe fühlbar wird. Bei Stefan Gottfried und dem Concentus Musicus stellte sich dieser Eindruck fast von selbst ein, weil sie neben dem Frohsinn die dramatischen Herbststürme der Partitur ungeschönt hervorkehrten. Schon in der Einleitung mit der markanten Orchesterfanfare, die jedoch im Nu melancholischen Seufzern Platz macht, reizten sie diesen weiten expressiven Rahmen aus. Und wann hat man zuletzt im zweiten, stimmungsmäßig besonders labilen Satz die rätselhaft chromatische, in Des-Dur landende Passage vor der kurzen Bläserkadenz so plastisch gehört? Wie da die Sechzehnteltriolen der Sekundgeigen Geschäftigkeit mimen und dennoch festfrieren, das klang beklemmend – und rückte zugleich die Zukunft zum Greifen nah: Beethovens „Pastorale“, Franz Schubert.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2018)

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