Philharmonische Botschaften

Wiens Meisterorchester erinnert unter Franz Welser-Möst in Paris an das Ende des Ersten Weltkriegs - und reist danach nach Fernost.

Dirigieren wird  Franz Welser-Möst.
Dirigieren wird  Franz Welser-Möst.
Dirigieren wird Franz Welser-Möst. – Die Presse (Clemens Fabry)

Was für Wiener Musikfreunde ein wenig aussieht wie eine Festspielnachlese, stellt in Wahrheit die Probenphase für eine ausgiebige Gastspielreise der Wiener Philharmoniker in den kommenden Wochen dar. Bis 2. Dezember ist das Orchester unter der Leitung von Franz Welser-Möst unterwegs, man konzertiert in Japan und China, beginnt aber in Paris, genauer: im Schlosstheater von Versailles. Dort gedenkt man des Endes des Ersten Weltkriegs mit dem Waffenstillstand von Compiègne. Genau am 100. Jahrestag von dessen Unterzeichnung präsentieren die Gäste aus Wien ein gemischtes Programm mit Musik der einstigen Kriegs-Gegner und –Alliierten.

So steht Mozarts „Zauberflöten“-Ouvertüre neben den „Sirenen“ aus den drei „Nocturnes“ von Claude Debussy, der das Ende des Krieges nicht mehr erlebt hat.

Wagners Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“ folgt auf Gustav Holst kriegerischen „Mars“ aus der „Planeten“-Suite. Yuja Wang ist die Solistin in Maurice Ravels D—Dur-Klavierkonzert „für die linke Hand“, das der Wiener Pianist Paul Wittgenstein in Auftrag gegeben hat, der im Krieg seinen rechten Arm verloren hatte.

Es folgen das „Klagelied für zwei Veteranen“ von Ralph Vaughan Williams, das Agnus Dei aus Beethovens „Missa solemnis“ und schließlich Charles Ives „Unanswered Question“.

Beantworten können Wiener Musikfreunde schon die Frage, wie die Programm klingen, mit denen sich die Philharmoniker dann in Fernost präsentieren: Unter Welser-Möst haben sie soeben in Wien ihre Deutung der Fünften Bruckner wiederholt, die zuletzt in Grafenegg zu hören war. Außerdem die Fragmente aus der „Götterdämmerung“, die in Salzburg auf dem Programm standen. Diesmal waren sie gepaart mit einer effektvollen Wiedergabe von Dvoraks „Karneval“-Ouvertüre und dem Doppelkonzert von Johannes Brahms, in dem sich Konzertmeister Volkhard Steude und Solocellist Peter Somodari als Duo vorstellen konnten, das so recht nach Brahms’ Gusto agierte, zuweilen solistisch verträumt oder, je nachdem, auch forsch zupackend, dann wieder eines Sinnes in höchster Harmonie – wie sich’s im „Doppelkonzert“ gehört, klingt es dann, als ob ein Musikant auf einem Rieseninstrument musizierte. Darüber wird nicht nur das Publikum im Musikverein jubeln . . .

Morgen, Sonntag, ist das Konzert aus Versailles live, zeitversetzt, in 3Sat zu sehen (Beginn der Übertragung: 15.30 Uhr)

 

(sin)

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