Weihe und Pathos, Dämonie und Grimm für Bruckners Siebte

Kritik Im Musikverein wurden Muti und die Wiener Philharmoniker umjubelt.

Riccardo Muti
Riccardo Muti
Riccardo Muti – APA/HANS PUNZ

In den schönsten Momenten hatte man das Gefühl, die Philharmoniker würden eins mit der Architektur des großen Musikvereinssaals – so, als verschmelze der selbst in stärksten Fortissimo-Entladungen noch noble Klang mit Karyatiden, Samt, Kandelabern. Steht Riccardo Muti an ihrem Pult, dann regiert in Jahrzehnten gewachsenes Einverständnis über das enge Verhältnis von Ausdruck und Schönheit – und die Frage, wer da nun wem folgt, ob also das Orchester die Ziele des Dirigenten verwirklicht oder dieser die Musiker nur nicht bei ihren ureigenen Anliegen stört, wird zur Nebensache. Für Bruckners siebente Symphonie bedeutet das vor allem Weihe und edles Pathos bei unaufgeregter Tempodramaturgie, die selbst im dramatischen zweiten Teil der Durchführung des Stirnsatzes keine Eile kennt. Wundersam die Legatopracht nicht nur der Wagnertuben im Adagio.

Ab dem Scherzo wird Mutis Zugriff deutlicher: Die drängende Dämonie hält er auch dort streng durch, wo andere eine Prise Gemütlichkeit einstreuen. Im Finale schärft er die Kontraste, lässt das Hauptthema quecksilbrig, ja sogar mit einem Hauch von Eulenspiegel-Schalk intonieren, um dessen blechgepanzerte Variante, die als drittes Thema dient, noch einmal mit zyklopischem Grimm aufzuladen. Im Ganzen tönt das mehr himmelstürmend als tiefschürfend, aber es ist ein eminentes Versprechen für die Tournee. Vor der Pause: Mozarts Konzert KV 313 mit dem Soloflötisten Karl-Heinz Schütz, der mit sauberem, vollem Ton und eleganter Phrasierung jede Rokokogeste mit Bedeutung zu erfüllen trachtet. Honeggers bukolisch-kapriziöser „Danse de la chevre“ als Zugabe – und großer Jubel. (wawe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2018)

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