Seltener als Schnee im Mai? Schuberts Lieder, neu gehört

KritikMatthias Goerne sang beliebte Stücke erstmals mit Orchesterbegleitung.

Matthias Goerne (Archivbild).
Matthias Goerne (Archivbild).
Matthias Goerne (Archivbild). – (c) imago stock&people (imago stock&people)

Matthias Goerne war es offensichtlich ein Anliegen, einem seiner Steckenpferde ein neues Gewand zu verpassen: Er beauftragte den Pianisten und Liedbegleiter Alexander Schmalcz mit einer orchestrierten Fassung von sechs Klavierliedern Schuberts. Im Konzerthaus hinterfragten der Bassbariton und die Salzburger Camerata damit Hörgewohnheiten. Bei „Des Fischers Liebesglück“ gefiel das Wechselspiel von Oboe, Viola und Flöte. Gleichzeitig brachten die neuen Klangdimensionen aber auch die Gefahr mit sich, Goernes Interpretation in seiner Intensität zu mindern und die Intimität der Lieder zu untergraben.

Vor allem anfangs lenkten die zahlreichen Facetten, die dem Hörer nun präsentiert wurden, von der Singstimme ab. Goerne stellte, wie von ihm gewohnt, vokale Linienführung und melodische Entfaltung über das Textverständnis. Wenn der prägnanten Artikulation aber schon sonst nicht sein erster Fokus gilt, steigert sich dies im Dialog mit dem Orchester.

Auftrumpfen konnte Goerne andererseits – besonders bei „Pilgerweise“ und „Alinde“ – exzellent changierend: Nicht nur einmal begann er volltönend, um noch dasselbe Wort auf ein zartes Pianissimo zuzuspitzen. Summa summarum darf die Orchestrierung bei einigen, aber nicht bei allen Liedern als Zugewinn bezeichnet werden.

Im zweiten Teil demonstrierten die Camerata-Streicher anhand von Tschaikowskys C-Dur-Serenade, wie exzellent sie aufeinander eingespielt sind. Die Interpretation, differenziert und schwelgerisch, erreichte in den langen, subtil abgestuften Bögen des Walzers und des Finales besondere Höhepunkte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2019)

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