Eine "Oper" zum Niederlegen

Kritik „Penelope Sleeps“ bietet erzählte und gesungene Einschlafszenen zwischen Humor und Esoterik.

„Penelope Sleeps“ entpuppt sich als große Entspannungsübung.
„Penelope Sleeps“ entpuppt sich als große Entspannungsübung.
„Penelope Sleeps“ entpuppt sich als große Entspannungsübung. – (c) Wiener Festwochen / Werner Strouven

Die einleitende Arachnophobieszene hätte das Potenzial für Stand-up-Comedy: Wenn abends eine Spinne im Kinderzimmer der Protagonistin war, musste immer Dad kommen, das Tier lebend fangen und nach draußen bringen. Jetzt ist sie erwachsen und bei ihm zu Besuch. Und obwohl sie mittlerweile dasselbe für ihr eigenes Kind tut, wird der Vater gerufen. Die Spinne kriecht hinters Bett, Dad waltet umständlich seines Amtes – aber wird bald darauf überführt, die Rettung nur vorgetäuscht zu haben. Prompt hängt dadurch der Haussegen schief. Das gerät heiter.

Aber wir befinden uns nicht auf einer Kleinkunstbühne, sondern bei den Wiener Festwochen. Und dort wird das Ganze zur leise bekicherten Lie-down-Comedy. Mette Edvardsen, die diese und andere Storys in ruhigem Tonfall erzählt, liegt nämlich in Alltagskleidung mit dem Rücken auf dem Boden. Wie auch Angela Hicks, die sich als Sängerin mit jugendlich frischem, im besten Sinn naiv tönendem Sopran entpuppt. Und der Komponist-Musiker Matteo Fargion, der einem Tischharmonium Töne entlockt. So entpuppt sich „Penelope Sleeps“, nach den Angaben der Schöpfer Edvardsen und Fargion eine Oper, eher als große Entspannungsübung. Sind es Gedanken beim Einschlafen, die hier in anderthalb Stunden zwischen Wechseln der Liegeposition und Herumkriechen referiert werden? Auf Penelope, die standhaft ihren Odysseus erwartende Gattin, verwiese dann das nächtliche Auftrennen des bei Tag Gewebten – so ähnlich, wie manche Menschen im Bett noch den vergangenen Tag analysierend aufdröseln.

 

Nett im Nirgendwo

In den erzählten Szenen kann das fesseln: bei einem witzigen Dialog mit einem Buben im Flugzeug, beim Unfalltod einer Katze oder dem Wettlauf ums erste antarktische Baby. Doch zuweilen wird der mäandernde Text allzu esoterisch. Fargions tonale „Arien“ sind so simpel wie möglich gestaltet: hier mit Schlagseite zur Gregorianik, dort in Richtung Arvo Pärt, jedenfalls langsam und manchmal endlos. Sie mögen meditativ wirken; bewusst gehört, stellen sie die Aufmerksamkeit auf die Probe. Letztlich führt „Penelope Sleeps“ nirgendwohin. Zumindest teilweise war es dort aber recht nett. (wawe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2019)

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