Musik zwischen Fantasy und Science-Fiction

KritikDas Klangforum Wien spielt Iannis Xenakis' „Kraanerg“: ein wildes Hörabenteuer für Unermüdliche.

(c) SF/Marco Borrelli

Darf man sich dieser eruptiven Musik einfach so hingeben wie zum Beispiel der genüsslichen Betrachtung eines Fantasy-Monsters auf der Kinoleinwand? Oder muss man gleich mitbedenken, dass Iannis Xenakis beim pittoresk losknatternden Blech und hervorstechenden Holz nicht nur an den „Pariser Mai“ von 1968 mit seinen Demonstrationen, Streiks und Straßenschlachten gedacht hat, sondern auch an seine lebensgefährliche Jugend in Griechenland? Dort war er zunächst im Widerstand gegen die Nazis tätig, um schließlich im griechischen Bürgerkrieg gegen die britischen Truppen zu kämpfen. Das sollte ihn ein Auge kosten. Einem Todesurteil konnte er sich durch Flucht entziehen. Er kam 1947 nach Paris und wurde mit seinen speziellen Interessen für Architektur und Mathematik, deren Verfahren er auf die Musik angewendet hat, zu einem der originellsten Komponisten des 20. Jahrhunderts – abseits des damals dominierenden Serialismus.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2019)

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