Violinfunkenflug: Virtuoser Auftakt zur „Zeit mit Enescu“

Kritik Geiger Maxim Vengerov und Polina Osetinskaya (Klavier) eröffneten die Konzertreihe in Salzburg.

Im Pianissimo schlängelt sich ein chromatisches Unisono-Thema dahin, geheimnisvoll und ungreifbar: Die Grenzen der Tonalität sind in Hörweite. Die Klavierstimme verdichtet sich zu vollen Akkorden, um sich später in Arabesken aufzulösen – und findet im spannenden Dialog mit der Geige zu hymnischen Aufschwüngen. Der zweite Satz gibt sich melodiös, doch ist er zugleich gewürzt mit einer Prise rätselhafter, apart klagender Sperrigkeit: Ein Brahms-Anstrich imprägniert die Musik gegen Sentimentalität. Das Finale verwandelt sich in eine imaginäre Bühne, auf der sich Klangcharaktere ums Rampenlicht rangeln: burleske Unterhaltung mit lakonischer Schlusspointe. Nichts deutet darauf hin, dass der Komponist noch keine 20 war, im Gegenteil: So manch älterer Tonschöpfer hätte Musik von diesem Rang mit Stolz vorgewiesen. Für George Enescu aber war seine Violinsonate Nr. 2 f-Moll op. 6 nur ein prächtiger früher Mosaikstein in einem lange Zeit marginalisierten Schaffen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2019)

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