Barockoper, komplexer als manche TV-Serie

Jubelstürme gab es für Broschis „Merope“ unter Alessandro De Marchi und mit David Hansen in einer aberwitzigen Partie: Barockoper in mehr oder minder exakt historischem Erscheinungsbild.

Da wird scharwenzelt und stolziert: Barockgesten, nachgestellt von Sigrid T'Hooft.
Da wird scharwenzelt und stolziert: Barockgesten, nachgestellt von Sigrid T'Hooft.
Da wird scharwenzelt und stolziert: Barockgesten, nachgestellt von Sigrid T'Hooft. – (c) © Rupert Larl/ Innsbrucker Festwochen/Rupert Larl

Fünfeinhalb Stunden: Das wäre gar keine lange Spieldauer für eine Fantasy-Miniserie. Allein die Vorgeschichte von „Merope“ würde genügend Stoff für ein Prequel im Stil von „Game of Thrones“ hergeben. Da hat also der König von Messene einen Fiesling namens Polifonte in der Verwandtschaft, der ihn und alle seine Kinder ermorden lässt, Königin Merope als Anstifterin des Putsches in Verruf bringt und sich damit die Krone angelt. Alle seine Kinder? Nein, Epitide überlebt und wächst in der Fremde heran, wo er sich mit der ätiolischen Königstochter Argia verlobt. Polifonte entführt diese und will sogar Merope zur Ehe zwingen, um seinen Thronanspruch abzusichern. Ja, das ist alles noch Vorgeschichte – und nein, keineswegs die komplette. Insofern ist es kein Wunder, dass dann auch die Oper selbst fünfeinhalb Stunden braucht, um das komplexe Intrigennetz zu entwirren, wobei das Publikum – siehe TV-Serien-Dramaturgie! – beinah den halben dritten Akt lang bei ausdrucksvollen Trauerarien glauben muss, der eigentliche Held, Epitide, wäre tot. Erst dann stellt sich seine fingierte Hinrichtung als letzte List auf dem Weg zum „lieto fine“ heraus . . .

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2019)

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