Spaß mit der „Italiana in Algeri“ im Weinviertel

Kirchstetten. Die stimmige Rossini-Inszenierung profitiert von einem engagierten jungen Sängerteam.

Italiana in Algeri
Italiana in Algeri
Italiana in Algeri – (C) Schloss Kirchstetten

Man muss nicht nach Pesaro reisen – oder auf die Eröffnung der neuen Saison in den großen Opernhäusern warten, um eine stimmige Rossini-Aufführung erleben zu dürfen. Bis 17. August gibt man die „Italiana in Algeri“ in einer liebevoll gearbeiteten Regie Richard Panzenböcks in Schloss Kirchstetten im Weinviertel.

Mit minimalem szenischen Aufwand erzielt dort ein junges Sängerteam unter Hooman Khalatbaris musikalischer Leitung maximalen Opera-buffa-Spaß. Panzenböcks quirlige Personenführung animiert das Ensemble im kleinsten Operntheater (so die Eigendefinition der Intendanz) zu scheinbar ungehemmter, in Wahrheit aber wohldosierter Spielfreude. Drei Podeste und stimmungsvolle Schattenspiele genügen als „Dekoration“. Was in den Arien gedacht, erlebt und erlitten wird, deuten dezente Dialoge an, die die Sänger mit Puppen führen, die geschmeidig den Stil der oft surrealistisch anmutenden Rossini-Ensembles beschwören. Besonders das komplexe Finale des ersten Aufzugs wird dadurch zu einer Art von perfekt inszeniertem Chaos.

Dergleichen gelingt in der Opera buffa freilich nur, wenn die Protagonisten nicht nur darstellerisch, sondern auch vokal ein perfekt konzertiertes Ensemble bilden. In Kirchstetten servieren die Sänger, exzellent studiert, ihre Pointen optisch wie akustisch zur sichtlichen Freude des Publikums. Im kleinen Zuschauerraum lassen sich auch dank des minimal besetzten Orchesters (elf Instrumente) jegliche stimmliche Anstrengungen vermeiden.

 

Brillante Ensembleleistung

So erwies sich die Kroatin Sonja Runja als ideale Isabella, deren vokale Agilität strahlende Spitzentöne und makellose Koloraturen mit der in unteren Lagen dunkleren Färbung des Mezzosoprans harmonisierte. Gekonnt komödiantisch und mit trockenem Basstimbre überzeichnete Daniele Macciantelli den Testosteronüberschuss des Mustafa, während Jorge Juan Morata als Lindoro mit charmantem Tenor und unbeschwerter Komödiantik kokett das Publikum auf seine Seite brachte; punktuelle Unsicherheiten bei den Koloraturen waren da schnell vergessen. Dora Garciduenas klarem Sopran gelang eine Fallstudie der vorerst geschmähten, dann umso mehr siegreichen Elvira. Jorge Martinez gab stimmstark und endlich einmal gar nicht dümmlich den Taddeo. Pasquale Greco als Haly servierte nicht nur die Stichworte, sondern auch seine Arie über die italienischen Frauen solid.

Sevana Salmasi ließ Zulma, die Vertraute Elviras, einmal nicht nur im Hintergrund wirken, sondern agierte so aktiv wie die sechs Herren des Wiener Kammerchors, die auch als Puppenspieler herhalten mussten, von Hooman Khalatbari am Pult des Orchesters Virtuosi Brunenses schwungvoll befeuert. Jubel!

Reprisen: 14., 16. und 17. August (20 Uhr)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2019)

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