Neun Frauen werfen Opernstar Plácido Domingo sexuelle Belästigung vor

Der Opernsänger soll Frauen zu sexuellen Kontakten gedrängt haben. Ein „offenes Geheimnis“, sagten Brancheninsider zur Nachrichtenagentur AP. Domingo weist die Vorwürfe zurück.

Spanish opera singer Placido Domingo performs on the stage of the Ukraina Palace Kyiv capital of
Spanish opera singer Placido Domingo performs on the stage of the Ukraina Palace Kyiv capital of
imago images / Ukrinform

Mehrere Frauen werfen dem Opernstar Plácido Domingo vor, sie ab den späten 1980er Jahren belästigt zu haben: Er soll sie zu sexuellen Beziehungen gedrängt und ihnen dafür Jobs angeboten haben. Wer seine Avancen abwehrte, sei bestraft und im beruflichen Fortkommen behindert worden. Eine Frau erzählte, Domingo habe ihr in den Rock gegriffen, drei weitere berichteten von unerwünschten feuchten Küssen. Insgesamt neun Frauen - acht Sängerinnen und eine Tänzerin, die bis auf die Mezzosopranistin Patricia Wulf alle anonym bleiben wollen - meldeten sich bei der Nachrichtenagentur AP mit Vorwürfen. Zig weitere Menschen aus der Branche bezeugten unangemessenes sexuelles Verhalten.

Es handle sich in der Opernwelt um ein offenes Geheimnis, sagten Branchenkenner zu AP. „Es gibt eine mündliche Tradition, Frauen vor Plácido Domingo zu warnen“, wird eine Mezzosopranistin zitiert. Kollegen hätten Frauen immer wieder geraten, nicht mit Domingo alleine zu sein.

„Er hat dich immer irgendwie berührt"

Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Zeitraum von drei Jahrzehnten und hätten an Opernhäusern stattgefunden, an denen Domingo hohe Managementpositionen innehatte. Domingo, der auch als einer der „Drei Tenöre“ berühmt wurde, war etwa ab 1996 künstlerischer Direktor der Washington National Opera und ist seit 2003 Generaldirektor der Oper von Los Angeles.

Die Betroffenen berichten von Annäherungsversuchen in Garderoben, Hotelzimmern und bei geschäftlichen Mittagessen. „Er hat dich immer irgendwie berührt, und immer geküsst“, berichtet eine Sängerin. Domingos Verhalten sei den Berichten zufolge immer ähnlich ausgefallen: Er habe die Frauen wiederholt kontaktiert, oft mitten in der Nacht angerufen, Interesse an ihren Karrieren signalisiert und sie zu privaten Treffen eingeladen. Meist habe er berufliche Ratschläge angeboten, denen unerwünschte körperliche Annäherungsversuche folgten.

Eine Frau berichtet, Domingo sei unangekündigt in ihre Garderobe geplatzt, zu der er den Türcode kannte. Patricia Wulf habe er nach ihren Auftritten wiederholt aufgelauert, sie habe sich von einem männlichen Kollegen zu ihrem Auto begleiten lassen, weil sie nicht alleine auf Domingo treffen wollte, der sie stets gefragt habe, ob sie denn nach Hause gehen müsse. Die #MeToo-Bewegung habe die Frauen ermutigt, ihre Erlebnisse zu berichten - und damit einen der einflussreichsten Köpfe der Opernwelt öffentlich zu beschuldigen. „Nicht, weil ich will, dass er bestraft wird“, zitiert AP eine Betroffene. „Ich will, dass er Gelegenheit bekommt, zu erkennen, für welchen Schaden - emotionalen, psychologischen, professionellen und anderweitigen - er verantwortlich ist."

Domingo: „Würde niemandem Leid zufügen"

Domingo weist die Vorwürfe zurück. Auf konkrete Fragen von AP habe er nicht reagiert. In einer Stellungnahme erklärte er, die Vorwürfe seien, so wie sie geschildert werden, inakkurat. „Es ist schmerzhaft zu hören, dass sich durch mein Verhalten jemand unwohl gefühlt hat - egal, wie lange es her ist und trotz meiner besten Absichten.“ Er sei immer von willkommenen, einvernehmlichen Beziehungen ausgegangen. Wer ihn kenne, wüsste, dass er niemandem absichtlich Leid zufügen würde. Er erkenne an, dass die Standards heute andere sind als in der Vergangenheit.

Auftritt in Salzburg ist nicht gefährdet

Ungeachtet der aktuellen Vorwürfe soll der geplante Einsatz von Domingo in der konzertanten Fassung der "Luisa Miller" am 25. und 31. August bei den Salzburger Festspielen ungefährdet sein. Darüber sei sich das Direktorium einig, so Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einem der APA vorliegenden Statement. Sie kenne den Sänger seit mehr als 25 Jahren: "Zu seiner künstlerischen Kompetenz hat mich von Anfang an sein wertschätzender Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Festspiele beeindruckt." Als Juristin gelte für sie der Grundsatz "In dubio pro reo" (Im Zweifel für den Angeklagten, Anm.). "Ich fände es sachlich falsch und menschlich unverantwortlich, zum derzeitigen Zeitpunkt endgültige Urteile und darauf beruhende Entscheidungen zu fällen", so Rabl-Stadler.

>>> Bericht der Nachrichtenagentur AP

(kanu/APA)

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