Nachruf: Claus Helmut Drese ist tot

Wiens Staatsopernchef der Achtzigerjahre starb mit 88Jahren.

Claus Helmut Drese
Claus Helmut Drese
(c) APA (BTV-Zeiniger)

„Mit dem Hut in der Hand“, werde er durch die Lande ziehen, so verkündete Claus Helmut Drese, als bekannt wurde, dass die finanzielle Unterstützung der Wiener Staatsoper durch den Staat nicht mehr in gewohnt üppiger Weise sprudeln würde. Der aus Aachen gebürtige Theatermann und Kulturmanager hatte die Leitung des Hauses in einer schwierigen Zeit übernommen. 1986 – kurz zuvor war Lorin Maazel nach kurzer, aber bedeutungsschwerer Amtszeit abgegangen. Er hatte einen Paradigmenwechsel eingeleitet.

Ab sofort war die Staatsoper kein „Repertoirehaus“ im traditionellen Sinn mehr. Man spielte – und spielt bis heute – nur noch in Serie. Was unter Maazel „Blocksystem“ hieß und heftig attackiert wurde, nannte Drese „kleine Serien“ – und wurde akzeptiert. Problematisch an der von vielen Stargastspielen gekennzeichneten fünfjährigen Amtszeit des Direktors, der vom Opernhaus Zürich nach Wien kam, war der Mangel an Umsicht im Hinblick auf das Ensemble.

Und vielleicht auch die allzu willige Erfüllung sämtlicher Wünsche des damaligen Generalmusikdirektors, Claudio Abbado, für dessen Probengelüste Drese auch bereit war, prominente Dirigenten wieder auszuladen – wie es im Falle von Seiji Ozawa einmal geschah. Doch blieben aus jener Ära die Erinnerung an luxuriöse Premieren mit Stars von Domingo bis Pavarotti, an Sängerfeste, das teuerste – Rossinis „Viaggio a Reims“– brach mit einem ungeschriebenen Gesetz der Bühnenpraxis: Erstmals überstiegen die Sängerhonorare die Abendeinnahmen. Nicht zuletzt solche budgetären Überlegungen brachten die österreichische Kulturpolitik dazu, Dreses Vertrag nicht über das Jahr 1991 hinaus zu verlängern. Die Nachfolger Eberhard Waechter und Ioan Holender gelobten, auch wirtschaftlich wieder an die Tradition anzuknüpfen.

 

Zürich – Wien – Athen

Drese hat das dem Land und seiner Politik nie verziehen, war schlecht auf Wien zu sprechen und zog sich nach Athen zurück, wo er für den neuen Konzertsaal Megaron Programme entwarf. Seine langjährigen Erfahrungen nützten Drese auch dort.

Als studierter Germanist, Historiker und Theaterwissenschaftler war er zunächst Dramaturg und Schauspieler, bevor er Regie zu führen begann. Über Mannheim kam er als Intendant nach Heidelberg, Wiesbaden und Köln, bevor er 1975 zum Direktor der Zürcher Oper wurde. Dort markierte der legendäre Monteverdi-Zyklus Jean Pierre Ponnelles und Nikolaus Harnoncourts wohl den Höhepunkt seiner Karriere. sin

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2011)

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