Eine späte Feier für Vivaldi beim Festival Resonanzen

Fabio Biondi, Europa Galante und eine erlesene Sängerschar begeisterten im Konzerthaus in Vivaldis letzter Oper.

Eine spaete Feier fuer
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Fabio Biondi – (c) EPA (TOMASZ GZELL)

„In Wien“ heißt das Motto der diesjährigen Resonanzen, dem Wiener Festival der Alten Musik im Konzerthaus, das am Samstag eröffnete und noch bis 22.Jänner die Aficionados des historischen Instrumentenklangs mit Futter versorgt. In Wien findet sich auch ein Taferl am Hauptgebäude der TU, das vom Ableben des großen Antonio Vivaldi berichtet, der am 28.Juli 1741, eben in Wien, gestorben ist. Er hatte sich im Frühling 1740 von Venedig aus, wo sein Stern im Sinken war, aufgemacht, um noch einmal sein Glück in Wien zu versuchen.

Sein Pech: Im Herbst 1740 war Kaiser KarlVI. gestorben, und die daraufhin verhängte Trauer machte die Aufführung von Opern unmöglich. Dabei wollte Vivaldi gerade sein letztes Bühnenwerk, „L'oracolo in Messenia“, dem Wiener Hof andienen. Ein Stück, mit dem er schon davor, 1738, zur Karnevalszeit in Venedig Erfolg hatte. Der Plan ging nicht auf, Vivaldi starb und wurde im Wiener Armengrab verscharrt. Einige Monate nach seinem Tod sollte es dann doch noch zu einer Wiener Aufführung der Oper kommen, von der zwar wenig überliefert ist, man jedoch vermutet, dass Anna Girò, die Vivaldi nach Wien begleitet hatte und wahrscheinlich seine Lebensgefährtin war, eine der Hauptrollen sang.

 

Feuerwerk an farbenfroher Arienpracht

Wenn die „In Wien“-Resonanzen nun gerade dieses Werk an den Anfang ihres Festivals stellen, ist das eine feine Referenz an den einst hier so arg missachteten Komponisten. Fabio Biondi, begeisterter Sachwalter des Opernschaffens von Vivaldi, hat sich an eine Rekonstruktion gewagt. Er ist der Auffassung, dass es sich bei der Wiener Version um ein Pasticcio gehandelt haben muss, in dem auch Stücke des Vivaldi-Konkurrenten Geminiano Giacomelli u.a. verwendet wurden. Für seine Fassung hat Biondi auch auf Giacomelli zurückgegriffen.

Selbst wenn das Programmheft nicht gerade mit Details zur Rekonstruktion um sich wirft, der Eröffnungsabend wurde ein großes Wiener Fest für Vivaldi. Allen voran dank Biondi, der mit der Violine in der Hand seine erlesenen Musiker von Europa Galante zu farbigem, elastischem, vitalem und stets geschmeidigem Spiel anleitete.

Hinzu kam eine exquisite Sängerauswahl, die das vom Wiener Hofdichter Apostolo Zeno verfasste krause Libretto mit Leben erfüllte. Sei es der kraftvoll auftrumpfende Mezzo der Ann Hallenberg, der mit ihrer farbigen Prachtstimme diesmal im Lyrischen verschwenderischen Vivica Genaux, der apart gefärbte Alt von Romina Basso oder der klare Mezzosopran von Franziska Gottwald. Besonders virtuos konnte Julia Lezhneva mit geradezu vogelgleicher Geläufigkeit begeistern. Xavier Sabata stellte sich als ansprechender Countertenor vor, während Magnus Staveland mit seinem doch recht schmalen Tenor etwas abfiel. Nach einem etwas rezitativlastigen ersten Akt, kam der lange Abend immer mehr in Schwung und bot im dritten ein wahres Feuerwerk an Arienpracht. mus

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)

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