Wiener Staatsoper: Repertoire zum Einstand

Mit John Crankos "Onegin" und einer soliden Leistung startet das Wiener Staatsballett am Montag in die Ära des neuen Leiters Manuel Legris, der persönlich die Gesamtleitung der Proben übernommen hat.

(c) APA/Wiener Staatsoper GmbH/Micha (Wiener Staatsoper GmbH/Michael P)

Manuel Legris, der neue Leiter des Wiener Staatsballetts, hatte persönlich die Gesamtleitung der Proben übernommen, bevor John Crankos „Onegin“ am Montag zum bereits 26. Mal zur Aufführung kam. Viel Zeit hatte er noch nicht, um das Ballett ganz nach seinen Vorstellungen zu beeinflussen – gerade einmal zwei Wochen. Dazu ist Legris, der gemeinsam mit Dominique Meyer im Sommer nach Wien kam und erst am 1 .September offiziell sein Amt antrat, erst zu kurz an der Staatsoper. Es war eine Repertoire-Vorstellung – und doch ungewohnt umjubelt. Die von Legris 2010 zur Solistin ernannte Nina Poláková gab als unglücklich verliebte, tragische Figur der Tatjana ein glänzendes Rollendebüt und hatte die Sympathie des Publikums auf ihrer Seite.

Freilich ist Poláková wie alle anderen, die die dramatische Geschichte des hochmütigen Eugen Onegin zum Auftakt der neuen Ära auf die Bühne bringen, ein bekanntes Gesicht an der Wiener Staatsoper. Montag tanzte Roman Lazik den Onegin, Eno Peci dessen Freund Lenski, Vladimir Shishov gab sein Rollendebüt als Fürst Gremin – nicht zu vergessen die bezaubernde Erste Solotänzerin Maria Yakovleva, die kurzfristig die Rolle der Olga von Liudmila Konovalova übernommen hatte.

Konovalova – bis vor Kurzem Solistin beim Staatsballett Berlin und eben erst nach Wien übersiedelt – hätte eigentlich am Montag ihr Wien-Debüt geben sollen, konnte sich aber nicht so rasch einarbeiten. Legris entschied, die Rolle diesmal Yakovleva tanzen zu lassen. Eine gute Entscheidung – und keine gegen Konovalova, die ihre Chance als Olga noch bekommen wird: Sie tanzt die Partie am 9.Oktober zum ersten Mal.

Er habe, erzählte Legris vor seinem Start in einem Interview für das „Profil“, für die erste Saison Stücke gewählt, die für seine Karriere wichtig waren. John Crankos Ballettadaption von Puschkins Eugen Onegin zur packend dramatischen Musik von Tschaikowski hatte er selbst bei seinem Abschied als Etoile der Pariser Oper getanzt. Und er hat es schon immer geliebt. „Zuerst habe ich davon geträumt, mit diesem Stück meine Ausbildung abzuschließen, dann meine tänzerische Karriere.“ Jetzt hat er seine Ära als Ballettdirektor in Wien damit begonnen – und bot dem Publikum zwar keine neuen, tollen Stars, aber eine solide Leistung der Kompanie.

 

Erste Premiere am 24.Oktober

Die erste Premiere unter seiner Intendanz wird die in Staatsballett umgetaufte Kompanie am 24.Oktober tanzen – eine Auswahl von Werken von George Balanchine, Twyla Tharp, William Forsythe. Legris setzt im ersten Jahr auf Modernes – darunter Jiří Kylián, Jerome Robbins, Jorma Elo. Als einziges Handlungsballett kommt „Don Quixote“ zur Premiere.

BALLETT AN DER OPER

John Crankos Choreografie „Onegin“ nach Puschkins Roman „Eugen Onegin“; Musik: Peter I. Tschaikowski; 18., 20., 25., 29. September, 3., 7., 9., 13. Oktober.

Erste Premiere unter Manuel Legris: „Juwelen der neuen Welt“ mit Choreografien von George Balanchine, Twyla Tharp, William Forsythe; 24., 26.Oktober; 1., 5., 7., 10., 13., 18., 21.November.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2010)

Kommentar zu Artikel:

Wiener Staatsoper: Repertoire zum Einstand

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen