Opernkonsum abends, Kunstkauf untertags

Der ideale Salzburger-Festspiel-Besucher genießt nicht nur die abendlichen Theater und Konzertbesuche.

Opernkonsum abends Kunstkauf untertags
Opernkonsum abends Kunstkauf untertags
Opernkonsum abends Kunstkauf untertags – (c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Von unglaublich teurem Kitsch (der niederländische Auktions-Shootingstar Joseph Klibansky bei der „Galerie 2C for Art“) bis zu historischer Art Brut (Josef Karl Rädler bei Altnöder) bekommt man in so einem Salzburger Festspielsommer so ziemlich alles zu kaufen, was die unendlichen Weiten des Kunstmarkts anbieten. Natürlich sticht die 30-Jahr-Jubiläums-Schau von Thaddaeus Ropac qualitativ und preislich hervor, aus all den Jahren, von all den Künstlern hat man versucht, sich gewichtige Werke zurückzuleihen, die hier verkauft wurden. Ein praktisch monochrom schwarzes Bild von Gerhard Richter zum Beispiel aus einer ungenannt bleiben wollenden Wiener Sammlung, man staune.

Ebenfalls quer durch das Galerienprogramm haben die Galeristen Mauroner ihre Sommerausstellung aufgestellt, die Existenzielles von Jan Fabre (Gehirne aus Carrara-Marmor mit Insekten), Antoni Tapies (zur Schale umgedrehter Totenschädel) oder Paolo Grassino (schwarze, zu Gasmasken geschlungene Schläuche) umfasst. Heraus stechen die zarten Arbeiten von Carlos Aires, die so bunt, luftig und ornamental daherkommen und bei näherem Hinschauen aus Gewaltszenen bestehen, die aus bunten Geldscheinen geschnitten und dann aufs Papier geheftet wurden.

Wenn man will, kann man eine ebenfalls existenzielle Einsamkeit in den doch so leichtfüßig erscheinenden Bildern von Anselm Glück finden, die Salzburger Filiale der Galerie Frey zeigt neue Großformate des Literaten und Malers, in seinem typischen, aus weißen Oberflächen bunt herausbrechenden Figurenstil.

Dem Puls der Zeit am nächsten ist in diesem Festspielsommer aber die Galerie Altnöder, ausgerechnet mit einer historischen Position. Die man ebenso auf der aktuellen Biennale Venedig finden könnte, wo auf bisher ungekannte Weise die Frage gestellt wird: Was ist „normal“ in der Kunst? Sogenannte „Outsider“-Künstler, wie man sie in Amerika am politisch korrektesten nennt, hat Kurator Gioni auf Augenhöhe unter die Künstler gemischt, die ihre Welten in vollem Bewusstsein von Kunstgeschichte und Markt schaffen.

Österreich war neben Frankreich (Jean Dubuffet) immer schon ein Land, das bei der Verhandlung von „Normalität“ hervorstach. Doch auch vor Gugging gab es hier ungewöhnliche Talente, etwa den erfolgreichen Porzellanunternehmer Josef Karl Rädler (1844–1917), der von seiner Familie in die Irrenanstalt gesteckt wurde und dort einerseits folkloristisch-naive, andererseits hochdiffizile stundenbuchähnliche Bilder schuf. Mit auffällig modernen Inhalten, er war Pazifist, Umweltschützer und Feminist sogar. Altnöder bietet jetzt das wohl letzte große Konvolut von Rädler-Bildern an, die Hälfte der zwischen 5500 und 11.500 Euro teuren Bilder ist schon verkauft. Ebenfalls in durchaus auch für die Generation des Künstlers leistbaren Höhen bewegt sich die Malerei von Fabian Patzak in der kleinen Galerie Trapp, die erst heuer in der Salzburger Griesgasse eröffnet hat. 1983 in Wien geboren, malt der Sohn des Regisseurs (und ebenfalls Malers) ziemlich schöne, ziemlich menschenleere Architekturausschnitte, in denen viele Türen, Fenster und dekorative Baumschatten vorkommen. Sehr solide Malerei, die bei sich bleibt. Die Bezeichnung als Wiener Edward Hopper tut Patzak aber grob unrecht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2013)

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