Soundframe-Festival: Fragen über(s) Fragen

Eva Fischer und Gerald Moser überdenken beim Soundframe-Festival Reibungspunkte audiovisueller Kunst. Einige Antworten auf viele Fragen.

(c) Katharina Roßboth

Reflexionsprozesse stehen bei der bevorstehenden Ausgabe von Soundframe, dem Festival für audiovisuelle Ausdrucksformen, im Mittelpunkt. Der Titel lautet „A matter of . . .“, und das Programm umfasst Diskussionen, Ausstellungen, Live-Performances und Film-Screenings. Auch das „Schaufenster“ hatte Fragen: Festivalleiterin Eva Fischer und Gerald Moser, die gemeinsam die Ausstellung „If this is the answer, what is the question?“ im MAK kuratierten, antworteten.

Wenn die Ausstellung im MAK eine Antwort ist, was waren die wichtigen Fragen beim Kuratieren?
Gerald Moser: Das Spiel mit Antwort und Fragen ist als Endlosschleife gemeint. Das soll heißen, dass die Ausstellung weitere Fragen stellen möchte. Dass die Antwort nie etwas Fertiges ist, sondern weitere Fragen aufwirft.
Eva Fischer: Gerald war daran interessiert, die theoretische Ebene  audiovisueller Kunst in den Vordergrund zu holen. In der Theorie ist irrsinnig viel passiert und wird weiter passieren. Auch Daran sieht man, dass die audiovisuelle Szene immer wichtiger wird. Wir wollen mit der Ausstellung zeigen, dass es mittlerweile viele Genres gibt. Deswegen haben wir unterschiedliche Positionen herausgeschält, die mehrere Charakteristika audiovisueller Kunst zeigen – etwa projizierte Farbe, Narration, Bilderflut.

Hinterfragen und Diskutieren ist wichtig?
Moser: Audiovisuelle Kunst ist eine junge Kunstform. Die Ausstellung ist ein Produkt aus dem Prozesshaften und dem Dialog der Positionen. Es ist aber kein Lehrpfad über audiovisuelle Kunst, sondern ein Denkangebot, bei dem die Wahrnehmung der Besucher herausgefordert wird. Ich arbeite gern mit Soundframe zusammen, weil es Grundlagenforschung ist, sich die Frage dringlich stellt: Was zeige ich und wie? Wir sind im Alltag ständig von audiovisuellen Mini-Happenings umgeben, da hilft der Schritt in den kontemplativen Raum des Kunstmuseums.
Fischer: Wir haben auch viel über Ausstellungsräume lernen müssen. Es geht um Selbstreflexion. Vor acht Jahren sind wir ins kalte Wasser gesprungen. Durch die Auseinandersetzung wächst man. Es sind schon Antworten da, aber die schauen vielleicht in fünf Monaten anders aus.

Lassen die Rahmenbedingungen im Museum andere Fragen zu?
Moser: Es gibt Kritiker, die sagen, Visuals seien effekthascherisch. Durch eine Ausstellung im Museum zeige ich, dass es darum geht, wie ich mit Bild und Ton umgehe, mit Verantwortung gegenüber dem Medium an sich. Das erfordert künstlerische Arbeiten, die für sich sprechen und Fragen aufwerfen.
Fischer: Durch das Hinterfragen wird der Unterschied zwischen Kunst und Party klar. Für mich sind die Positionen am spannendsten, die an etwas forschen. Audiovisuelle Kunst funktioniert in so vielen Kontexten. Gute Künstler gehen immer auf die Rahmenbedingungen ein. Auch in einem Club kann Kunst stattfinden.

Sollen diese unterschiedlichen Kontexte thematisiert werden?
Fischer: Ja, das ist immer der ausschlaggebende Punkt. Ganz klar kommt Visualisierung aus dem Club, es gibt sie als Konzertvisualisierung, als Mapping auf einer Fassade. Der Performancecharakter ist da ganz wichtig, das Ephemere, präsent sein, eintauchen.

Dieses Jahr gibt es drei Ausstellungen, mehr als zuvor. Entwickelt sich audiovisuelle Kunst in Richtung Ausstellungsformat?
Fischer: Meine erste Idee war immer die Ausstellung, ich wollte immer die Kunstform zeigen. Der größte Teil findet aber nach wie vor nicht im installativen, festgefrorenen Ausstellungsbereich statt, sondern im Live-Kontext. Bei den Ausstellungen geht es darum, verschiedene Rahmen aufzumachen und zu fragen, wie die funktionieren. Im mo.ë contemporary sind Arbeiten von am Festival beteiligten Künstern ausgestellt. Wir wollen dabei auch den Galeriebereich thematisieren, denn das Performative lässt sich auf dem Kunstmarkt nicht vermitteln. Die Ausstellung „Vienna Visuals“ ist eine internationale Arbeit, die ein junges Wien-Bild präsentiert.

Die Wiener audiovisuelle Szene hat international einen hohen Stellenwert. Kann man sagen, warum?
Fischer: Christoph Thun-Hohenstein hat im letzten Festivalkatalog zum Thema „Von der Secession zum Soundframe“ geschrieben, dass sich aktuell Ähnliches abspielt wie vor hundert Jahren. Der Kunst ihre Freiheit – darum geht es im Prinzip auch bei uns. Wir kämpfen, dass das, was wir machen, zwischen Kunst und Spektakel, zwischen Alltag und Museum als eigenständige Kunstform gesehen wird. Als Gesamtkunstwerk. Offensichtlich ist Wien ein guter Platz für so etwas.

Was ist audiovisuelle Kunst als Überbegriff für all die interkreativen, unterschiedlichen Ansätze?
Fischer: Ich habe mich immer gefragt, wie man das abgrenzen kann, und für mich entdeckt, dass bei audiovisueller Kunst die gleichwertige Verbindung von Klang und Licht zu einem Ganzen das Wesentliche ist. Das ist der Unterschied zu Medienkunst oder etwa auch zu den Nachrichten im Fernsehen. Wenn mir der Nachrichtensprecher etwas vorliest, sieht man im Hintergrund ein Bild, das das Gesagte spektakulärer macht. Aber das ist nicht die Essenz des Ganzen, weil ich dieselbe Nachricht im Radio ohne Informationsverlust hören könnte. Und audiovisuelle Kunst funktioniert eben anders – die gibt es weder ohne das Bild, den Frame, noch ohne den Klang, den Sound: darum auch Soundframe.

Was sind wichtige offene Fragen für die Zukunft des Festivals und der audiovisuellen Kunst?
Fischer: Ich glaube, die größte Frage ist: Werden wir jemals aufhören zu fragen? Ich hoffe, die Antwort ist Nein.

Tipp

sound:frame 2014. Festival für audivisuelle Ausdrucksformen, dieses Jahr zum Thema „A Matter of . . .“ vom 25. 3. bis 13. 4. in Wien, 2014.soundframe.at

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