Campo Bahia: Kunst an der Bar für die Fußballer

Sieben brasilianische und sieben deutsche Künstler schaffen Karikaturen, Rezepte und Collagen im Lager der deutschen Mannschaft.

Historische und aktuelle WM-Bilder: auf den Bällen, die über der interaktiven WM-Bar am Pool im Campo Bahia hängen.
Historische und aktuelle WM-Bilder: auf den Bällen, die über der interaktiven WM-Bar am Pool im Campo Bahia hängen.
Historische und aktuelle WM-Bilder: auf den Bällen, die über der interaktiven WM-Bar am Pool im Campo Bahia hängen. – (c) Föttinger/Gursky

Fußball ist für viele Künstler ein Thema. Aber interessieren sich auch Fußballer für Kunst? In einem außergewöhnlichen Projekt in Brasilien wird das jetzt ausprobiert: Der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach initiierte eine Sport-Kunst-Begegnung im Campo Bahia, wo die deutsche Nationalelf untergebracht ist. Dieses in nicht einmal sechs Monaten errichtete Ressort in der Region Santo André, knapp 600 Kilometer von Salvador entfernt, soll später als Hotelanlage genutzt werden.

Dort schaffen nun sieben brasilianische und sieben deutsche Künstler, darunter Studenten in der Klasse Gursky, Werke für die 14 Häuser und den Außenraum. In Joachim Löws Villa hängen Diango Hernández' auf Textil gemalte Cocktailrezepte, im Zimmer für die Presse die Karikaturen des Brasilianers Loredano, in anderen Häusern die Collagen von Isabella Fürnkäs und Martin Denkers Fotoporträts der hier lebenden Pataxó-Indianer – die die deutschen Gäste freudig begrüßten und sich gleich wünschten, dass die früheren Kolonialherren Spanien und Portugal besiegt werden mögen . . .

Noch ist das Projekt nahezu geheim, denn kein Journalist wird in den Wohnbereich der Mannschaft eingelassen. Nur am Pool treffen die Gäste aufeinander. Dort steht auch das Herzstück des Projekts: die interaktive WM-Bar von Claus Föttinger und Andreas Gursky. „Die Bar stellt für die Spieler die Verbindung mit der Außenwelt dar“, erklärt Föttinger. Auf sechs Monitoren sind historische WM-Fotos und aktuelle Facebook-Fotos der deutschen Mannschaft vermischt. Täglich kommen neue Bilder hinzu. Darüber beleuchten Föttingers Barlampen den Tresen: Sie gefallen dem deutschen Trainer so gut, dass er gleich zwei für sich kaufen möchte. Eigentlich gehört noch ein riesiges Bodenbild von Andreas Gursky dazu, die Fotografie „Amsterdam, Arena“ (2003) auf Vinyl, die den Rollrasen des holländischen Stadions zeigt. Aber das Werk hängt wie die ebenfalls geplanten Leuchttische von Föttinger beim Zoll: 70 Prozent Einfuhrzoll verlangt Brasilien, deshalb sind auch die meisten Werke vor Ort entstanden.

Initiator in Untersuchungshaft

Nach dem Viertelfinale plant Föttinger einen Vortrag über Kunst für die Fußballer. Initiator Helge Achenbach, der von sich behauptet, die Kunstberatung erfunden zu haben, wird daran nicht teilnehmen können – er wurde vor drei Wochen gleich nach seiner Rückkehr aus Bahia in Untersuchungshaft genommen. Es besteht Verdacht auf Rechnungsfälschung und Betrug an Kunden, die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht spricht von 18 Millionen Euro Schaden, Dollarsummen seien in Euro umgeändert worden. Dem Versuch, die Fußballer für Kunst zu begeistern, wird das hoffentlich nicht schaden.

>> Link: Campo Bahia Resort

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2014)

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