Monet und seine Wiener Jünger

„Im Lichte Monets“ im Belvedere führt eindrucksvoll vor Augen, wie stark der Impressionismus des Franzosen die Malerei in Österreich befruchtete.

BELVEDERE-AUSSTELLUNG: OESTERREICHISCHE KUNST 'IM LICHTE MONETS'
BELVEDERE-AUSSTELLUNG: OESTERREICHISCHE KUNST 'IM LICHTE MONETS'
BELVEDERE-AUSSTELLUNG: OESTERREICHISCHE KUNST 'IM LICHTE MONETS' – APA/ALINA PARIGGER

„Schauen Sie nicht gleich auf die Beschriftung, prüfen Sie sich, ob Sie die richtige Zuordnung treffen.“ Vor diese Herausforderung stellte uns Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco auf der Pressekonferenz. Denn in der Orangerie sind 30 Werke von Claude Monet ausgestellt, vermischt mit 45 Bildern österreichischer Maler. Monet war wie kaum ein anderer Impressionist einflussreich in Wien. 1903 hatte er in der Impressionismus-Ausstellung in der Wiener Secession einen großen Auftritt, das als „Moderne Galerie“ gegründete, heute als „Belvedere“ bekannte Museum kaufte drei wichtige Werke des 1840 in Paris geborenen Meisters. Wie nah manche Maler dem französischen Vorbild kamen, vor allem aber, welche feinen Unterschiede an der Donau entwickelt wurden, das steht jetzt im Mittelpunkt der Ausstellung „Im Lichte Monets“ – und die hält Überraschungen parat.

Der Impressionismus bot eine ganz neue Möglichkeit, die Wirklichkeit zu malen. Denn als Motiv dienten nicht die Gegenstände in ihrer Objekthaftigkeit, sondern in ihrer Wahrnehmung. Die malerische Herausforderung bestand darin, das Licht, die Flüchtigkeit des Augenblicks, die Stimmungen – kurz: die Welt in ihrer ständigen Veränderung darzustellen. Damit hatten die französischen Maler eine Methode gefunden, das Lebensgefühl der Moderne optisch einzufangen. Dafür verließen sie die Ateliers und malten draußen. Von Monet ist überliefert, dass er auf der Jagd nach Motiven keine Situation scheute. So verlor er einmal seine gesamte Ausrüstung durch eine Welle, als er zu nah am Meer malte. Ein andermal holte er sich einen Sonnenstich.

 

Loslösung vom Gegenstand

Durch die Arbeit im Freien entwickelte Monet bald auch die bahnbrechende Idee, in Serien zu malen: Jedes Motiv veränderte sich von Minute zu Minute, in einem einzigen Bild war das nicht zu fassen, stattdessen malte er ein Ensemble von Bildern. Langsam löste sich die Malerei immer weiter von ihrem Gegenstand, wurde zur reinen Malerei und bereitete den Schritt in die Abstraktion vor.

Ende des 19. Jahrhunderts begannen österreichischen Maler, sich mit dieser Entwicklung zu beschäftigen. Sie griffen ähnliche Themen auf, experimentierten mit ungemischten Farben, die Farben wurden heller, die „erdige Tonalität der Stimmungsmaler wurde zurückgelassen“, erklärt Kurator Stephan Koja. So kommt Theodor von Hörmann, der 1886 nach Paris ging, diesem Stil vor allem in den Bildmotiven der Großstadt am nächsten und gilt als der Impressionist Österreichs. Ihn unterscheidet aber deutlich seine „Suche nach der Richtigkeit“ (Koja), seine akribische Genauigkeit der Details.

Auch Franz Jaschke (1862–1910) stand stark unter dem Einfluss der Impressionisten, im Pinselduktus und in der Wahl der hellen Farben, die bei ihm deutlich pastelliger sind. Besonders beeindruckend ist der Vergleich von Monets Seestücken und Klimts „Am Attersee“ (1900): Klimt imitiert Monets Pinselstrich, gibt dem Motiv aber ein anderes Kolorit. Einen „Rahmen voller Seewasser“ nennt Koja die radikale Komposition, die uns mitten ins Wasser platziert. Eine kleine Sektion hat Koja der Fotografie von Heinrich Kühn eingerichtet, der die Grobkörnigkeit als malerisches Mittel einsetzt und mit Vorsatzlinsen arbeitet, um weiche Verläufe zu erhalten.

 

Überraschungen: Boeckl, Weiler

Manchmal verliert man die Suche nach den Differenzen aus dem Auge, wenn sich die Motive von Bild zu Bild zu deutlich wiederholen, die Blumen, Berge und vor allem die Seen. Aber dann kommt die Überraschung: Das Belvedere hat es doch tatsächlich geschafft, auch hier wieder Werke von Herbert Boeckl (1894–1966) hineinzumischen – obwohl dessen Stil keineswegs von Monet, sondern hier deutlich von Paul Cezanne beeinflusst ist. Boeckl griff die Methode der Serienbilder auf, lautet die Erklärung. Die zweite Überraschung ist der letzte Raum mit vier großen Werken von Max Weiler (1910–2001). Er habe bei den Seerosenbildern das erste Mal an Weiler gedacht, erzählt der Kurator, und später auf einer Skizze einen Hinweis zur expliziten Auseinandersetzung gefunden. Hier hat der Einfluss eine deutlich neue Sprache gefunden, Verwechslung ausgeschlossen.

Im Lichte Monets. Österreichische Künstler und das Werk des großen Impressionisten. Unteres Belvedere, bis 8.2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2014)

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