Jim Rakete und die schwierigen Stars der Burg

Jim Rakete hat das Burg-Ensemble porträtiert. Und Schauspielstars zu fotografieren, das sei nicht einfach. Noch einmal würde er es nicht machen.

 Jim Rakete vor seinen Porträts des Burgtheaterensembles in Wien. Die Ausstellung „Jim Rakete. Die Burg. Innenleben“ ist bis Mitte Mai in der Leica-Galerie (Walfischgasse 1, Ecke Kärntner Straße) zu sehen.
 Jim Rakete vor seinen Porträts des Burgtheaterensembles in Wien. Die Ausstellung „Jim Rakete. Die Burg. Innenleben“ ist bis Mitte Mai in der Leica-Galerie (Walfischgasse 1, Ecke Kärntner Straße) zu sehen.
Jim Rakete vor seinen Porträts des Burgtheaterensembles in Wien. Die Ausstellung „Jim Rakete. Die Burg. Innenleben“ ist bis Mitte Mai in der Leica-Galerie (Walfischgasse 1, Ecke Kärntner Straße) zu sehen. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Dass Jim Rakete heute hier, in der Wiener Leica-Galerie, in der Ausstellung seiner Bilder sitzt, ist für ihn nach wie vor „ein großes Wunder“. War er doch lang unsicher, ob das Projekt „Burgtheater Innenleben“ klappen würde: das gesamte Ensemble in Schwarz-Weiß-Porträts, 77 Bilder, fotografiert im Akkord auf der Probebühne im April vorigen Jahres.

Schauspieler zu fotografieren, das sei nicht so leicht, wie man sich das denke, sagt der Berliner Kultfotograf. Gar sei es schwieriger, als „normale“ Menschen abzulichten. „Das Problem ist: Wenn du ihm sagst: ,Ich brauche nicht ein Foto von König Lear, sondern eines von dir‘, dann fangen sie an, darüber nachzudenken, wer sie innerhalb dieser Rollen die ganze Zeit waren, da kommen sie ins Schleudern“, sagt Rakete. „Außerdem ist das ein sehr realistisches Projekt, wir machen das ja nicht für L'Oréal. Ich bin ein Verfechter der Wirklichkeit, das hat es für die Schauspieler nicht leicht gemacht“, erzählt er von den Viertelstundensessions, die je für einen Schauspieler Zeit waren. „In so kurzer Zeit kann man nur gnadenlos offen aufeinander zugehen.“ Würde er es noch einmal machen? „Nein!“ – weil er nie zweimal dieselbe Sache mache.

Gereizt hatte ihn an der Arbeit – die Idee stammte von ihm, der damalige Burg-Chef Matthias Hartmann stimmte dem schnell entschlossen zu, als sich die beiden vor rund einem Jahr bei einer Premiere im Akademietheater trafen – „das Ensemble mit einem so reichen Schatz an Talenten, wie es das im deutschsprachigen Raum nirgends gibt“. Und der Mythos der Burg: „Die Geschichten, die in jeder Ritze lauern, die alle hinreißend sind. Man wünschte sich immer, man könnte die Bilder dazu wachrufen. Oder die wunderbaren Eigenschaften der Burg. Dass die Klimaanlage aus dem Volksgarten mit Luft gespeist wird, die unterirdischen Gänge usw.“ Und einen Teil der jüngsten Geschichte hat Rakete nun selbst gewissermaßen dokumentiert: Fotografierte er das Ensemble doch just wenige Wochen, nachdem Matthias Hartmann gehen musste, mitten in der Krisenstimmung.

Fotografie: Burgschauspieler in Schwarz-Weiß

Ob es ihm gelungen sei, die Menschen hinter ihren Rollen einzufangen? „Das weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass man, Minuten nachdem man ein Foto gemacht hat, sagen kann, ob das Bedeutung hat. Heute haben Fotos, die ich vor 30 Jahren gemacht habe, Bedeutung. Zum Beispiel ein gewisser Rio Reiser, 1968 in Kreuzberg mit einer gänzlich unbedeutenden Band namens Ton Steine Scherben. Damals war er einer von vielen, heute finden alle, das ist ein gutes Foto, obwohl es nur die Bedeutung ist.“ Ob ein Bild – oder der Porträtierte – einmal bedeutend werden könnte, da habe er aber ein Gespür. „Ohne diesen Instinkt könnte ich nicht arbeiten. Ich bin da auch nicht nett, ich setze auf Talent. Wenn ein Talent nicht da ist, warum sollte ich Film verschwenden? Wenn man Ablehnung scheut, wenn man versucht, auf einer Wellenlänge zu schwimmen, dann wird's nie interessant, dann ist da keine Spannung.“


Und so war der Druck während der Sessions mit den Burg-Stars groß, musste – oder sollte– doch von jedem ein brauchbares Bild entstehen. „Ja! Das ist mir sehr in den Knochen gesessen“, sagt er. Und trotzdem sei es dann mitunter locker, gelöst zugegangen. Das Bild von Klaus Maria Brandauer, lachend, mit den Beinen über die Lehne des Throns, auf dem er saß, etwa entstand, als die Session eigentlich vorbei, Brandauer, ein alter Freund Raketes, längst am Geschichtenerzählen war. Und damit vielleicht eines dieser Bilder, die irgendwann bedeutend, ikonenhaft sein könnte: „Von Brandauer gibt es drei Millionen Fotos, immer gleich. Interessant ist es, ihn von einer anderen Seite zu zeigen und damit die Geschichte weiterzutragen.“

ZUR PERSON

Jim Rakete, 1951 als Günther Rakete in Berlin geboren, begann während seiner Schulzeit, als Fotoreporter für Zeitungen und Agenturen zu arbeiten. Von 1977 bis 1986 führte er in Berlin das Kreativlabor Fabrik, in dem nicht nur viele Plattencovers entstanden, Jim Rakete übernahm auch das Management von Künstlern wie Nina Hagen, Spliff, Nena oder Die Ärzte. Seit 1986 konzentriert er sich auf die Fotografie – mit Fokus auf Musik, Film, Theater und bildende Kunst. Seine Bilder von Jimi Hendrix, Mick Jagger oder David Bowie wurden zu Ikonen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2015)

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