Neuer Disput über Josef Thorak, Hitlers Lieblingsbildhauer

Künstler fordern erklärende Tafeln für die Skulpturen und Umbenennung der Straße. Die FPÖ spricht von „linkem Gesinnungsterror“.

Paracelsus
Paracelsus
(c) Wikipedia - Luckyprof

Der in Wien geborene, in Salzburg aufgewachsene Josef Thorak (1889–1952) war neben Arno Breker der populärste Bildhauer der NS-Ära. Hitler schätzte ihn sehr, machte ihn zum Leiter einer Meisterklasse an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Thorak schuf etwa zwei Figurengruppen vor dem Deutschen Pavillon bei der Pariser Weltausstellung 1937, eine Siegesgöttin für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, mehrere Hitler-Büsten und riesige Pferdeskulpturen für die Neue Reichskanzlei in Berlin.

Diese Plastiken stehen nicht mehr, im Gegensatz zu Thorak-Skulpturen in Salzburg: die Grabstätte mit Pietà auf dem Friedhof von St. Peter (in der er selbst ruht), ein Kopernikus im Mirabellgarten und ein Paracelsus im Kurgarten. Diese Statue ist besonders umstritten, denn Thorak hat sie der Stadt Salzburg als Dank dafür geschenkt, dass sie ihm das „arisierte“ Schloss Prielau im Pinzgau 1943 überlassen hat.

Das Schloss durfte er nach 1945 nicht behalten, sonst überstand er die Entnazifizierung unbehelligt: Die Spruchkammer München sprach ihn 1948 als „nicht betroffen“ frei, er selbst sah sich als „unpolitischen Künstler“, als „Opfer der politischen Verhältnisse“. Schon 1950 galt ihm im Mirabellgarten eine große Ausstellung, zu der 22.000 Besucher kamen. Im selben Sommer lief eine Ausstellung von Fritz Wotruba in der Alten Residenz: Dorthin kamen nur 700. Unter dem Titel „Ein Salzburger Gipfeltreffen besonderer Art“ widmet sich derzeit die Salzburger Landesausstellung in der Neuen Residenz in einem Raum dieser Koinzidenz. Im Katalog heißt es, „die meisten Zeitungen in Salzburg“ hätten Thoraks Skulpturen „im hohen Maße gelobt“ und „mit Begeisterung berichtet“. In der Wiener „Presse“ freilich fand sich nur eine kühle Einschätzung als „monumentalistisch“ und später, just in der positiven Rezension der Wotruba-Schau, ein Seitenhieb auf die „handgreifliche Erinnerung an eine ,große‘ Zeit der Kunst“.

Kurz nach Eröffnung der Landesausstellung 2016 stellte der Tiroler Künstler Bernhard Gwiggner, der sich seit Langem mit Thorak befasst, für ein paar Tage dessen Paracelsus eine „Wothora“-Statue – in gleicher Körperhaltung, aber schwarz und in kubistischem Stil – gegenüber. Laut lokalen Medien gab es vereinzelt Kritik von Passanten („Was kann der Paracelsus dafür?“), aber keine größere Aufregung.

Nun fordern zwei andere Künstler, Wolfram Kastner und Daniel Toporis, wieder, dass erklärende Zusatztafeln bei den Thorak-Plastiken affichiert werden – und dass die – 1963 so benannte – Josef-Thorak-Straße im Salzburger Stadtteil Aigen umbenannt werde. Die Straßenschilder dort wurden vor einigen Wochen erst beschmiert, dann entwendet: Damit habe er nichts zu tun, versicherte Kastner. Er plädiere auch nicht für Entfernung der „NS-Großkitschskulpturen“, nur für Erklärungstafeln. 2017 soll eine Historikerkommission über eine etwaige Umbenennung der Thorak-Straße entscheiden: Die Malerin Konstanze Sailer hat vorgeschlagen, sie künftig nach der von den Nazis ermordeten Künstlerin Helene Taussig zu benennen.

Die Salzburger FPÖ reagiert auf all diese Ideen erregt: Gemeinderat Erwin Enzinger sieht „linken Gesinnungsterror“ und einen „Versuch der Linken, ideologisch motivierte Denkmalsstürmerei zu betreiben“, den Grünen gehe es um die „Auslöschung von Thorak in Salzburg“. „Das seit 1952 im Kurgarten aufgestellte, kulturhistorisch bedeutsame Werk muss so belassen werden“, eine Umbenennung der Straße komme für die FPÖ nicht infrage. (ag./tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2016)

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