Facebook sperrt User wegen Hand-Zeichnung aus 16. Jahrhundert

Ein Online-Kunstkurator postete auf Facebook eine Zeichnung von Hans Holbein und wurde dafür 30 Tage gesperrt. Seine Fans wehrten sich gegen die Aktion.

ERasmus' Hand, gezeichnet von Hans Holbein dem Jüngeren
ERasmus' Hand, gezeichnet von Hans Holbein dem Jüngeren
ERasmus' Hand, gezeichnet von Hans Holbein dem Jüngeren – (c) APA/Public Domain

Eine Facebook-Sperre sorgt für Aufregung in der Kunstwelt: Der Online-Kunstkurator Stephen Ellcock wurde gesperrt, weil er eine Zeichnung von Hans Holbein dem Jüngeren gepostet hatte, berichtet die Londoner „Times“. Das Bild entspreche nicht den Facebook-Richtlinien, darum werde Ellcock 30 Tage lang suspendiert, teilte ihm das Soziale Netzwerk mit. Das Bild stammt aus dem 16. Jahrhundert und zeigt die Hand von Theologen Desiderius Erasmus, besser bekannt als Erasmus von Rotterdam. Holbein porträtierte Erasmus mehrmals.

Doch Facebook hatte nicht mit der Unterstützung seiner Fans gerechnet. Denn Ellcock postet täglich Bilder von Kunstwerken und hat damit mehr als 110.000 Abonnenten gewonnen. Diese posten nun ihrerseits Fotos von Händen, die von Künstlern gemalt oder gezeichnet wurden – von Albrecht Dürer über Leonardo Da Vinci bis Man Ray.

Facebook spricht von „menschlichem Fehler“

Zwar hatte Facebook Ellcock mitgeteilt, dass er nicht gegen seine Sperre berufen könne, doch dann hob das Netzwerk die Sperre doch auf. Es habe einen „menschlichen Fehler“ gegeben. Bei dem Online-Riesen gehen täglich zigtausende Beschwerden über Postings, die den Richtlinien nicht entsprechen, ein. Diese werden nicht von einem Algorithmus überprüft, sondern von Menschen. „Manchmal kann es zu Fehlern kommen“, sagte eine Sprecherin von Facebook.

Ellcock selbst glaubt nicht an diese Erklärung. Es sei nicht das erste Mal, dass sein Account gesperrt wurde, sagte er der „Times“. „Ich hatte schon Todesdrohungen, Stalker. Und Drohschreiben von Fotoagenturen und amerikanischen akademischen Institutionen, die mich vor Konsequenzen gewarnt haben, falls ich nicht aufhöre, urheberrechtlich geschütztes Material zu posten.“

Der 59-Jährige denkt aber nicht daran aufzuhören: „Was ich versuche, ist ein Online-Museum zu kreieren – so wie Uber ein Taxiunternehmen ohne eigene Taxis ist“, sagte er.

>> Bericht in der „Times“

>> Bericht im „Guardian“

>> Ellcocks Facebook-Seite

 

(her)

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