Wien wird international

Die Neupositionierung im Vorjahr hat der Viennacontemporary gutgetan. Am 22. September eröffnet die Messe zum zweiten Mal in der Marx-Halle.

Paweł Kowalewskis „Europeans Only“ aus dem Jahr 2012 ist bei der polnischen Galerie Propaganda zu sehen.
Paweł Kowalewskis „Europeans Only“ aus dem Jahr 2012 ist bei der polnischen Galerie Propaganda zu sehen.
Paweł Kowalewskis „Europeans Only“ aus dem Jahr 2012 ist bei der polnischen Galerie Propaganda zu sehen. – (c) Propaganda

Manchmal sind von außen bedingte Veränderungen etwas sehr Positives. Zumindest der Kunstmesse Viennacontemporary (ehemals Viennafair) hat der Namens- und vor allem der Standortwechsel im Vorjahr sehr gutgetan. Beides hat zu einem Qualitätsschub geführt. Das Team rund um Christina Steinbrecher-Pfandt, künstlerische Leiterin, Renger van den Heuvel, Geschäftsführer, und Dmitry Aksenov, Vorsitzender und Mehrheitseigentümer, hat sich, nachdem eine Einigung mit der Reed Messe nicht möglich war, entschieden, die Messe auf neue Beine zu stellen, und übersiedelte in die Marx-Halle. Die neue Location bietet für das Messedesign optimale Voraussetzungen. Die hohen Hallen mit der Stahlkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert versprühen einen eigenen Charme und bieten das perfekte Ambiente für die Präsentation von zeitgenössischer Kunst. „Die Neupositionierung war notwendig und ist grundsätzlich gut gelaufen. Die Messe in der Marx-Halle wird als etwas Besonderes wahrgenommen. Ich finde, Wien wird als Kunststandort jetzt richtig gehört“, sagt Steinbrecher-Pfandt.

Fokus Osteuropa. 112 Galerien aus 28 Ländern werden heuer vom 22. bis 25. September auf der Messe vertreten sein. Inzwischen hat sie sich zu einer Veranstaltung gemausert, die dem Namen international gerecht wird. Der Fokus auf Osteuropa soll bleiben. 30 Prozent der Aussteller kommen aus dem Osten. „Ich setze mich damit intensiv auseinander, wer die neuen, interessanten Galerien und Künstler aus Osteuropa sind. Heuer haben wir beispielsweise eine neue Galerie aus Warschau dabei, Pola Magnetyczne. Das ist eine tolle, aufstrebende Galerie, die von einem Franzosen und einer Polin betrieben wird“, so die künstlerische Leiterin. Das seien die Argumente, mit denen internationales Publikum nach Wien gelockt werden sollen. So werde auch seitens internationaler Museen inzwischen mehr Kunst aus Osteuropa nachgefragt. „Wir stellen auch weiterhin ein Land oder eine Region aus dem Osten besonders heraus. Heuer sind das Ex-Jugoslawien und Albanien. Es ist wichtig für Kuratoren, Sammler und Museumsleute zu sehen, dass es in diesen Regionen nicht nur eine Galerie, sondern tatsächlich eine Szene gibt“, sagt Steinbrecher-Pfandt.

Die Sonderschau „Focus: Ex-Yugoslavia and Albania“ wurde von der albanischen Kuratorin und Schriftstellerin Adela Demetja kuratiert. Sie ist Mitbegründerin und Direktorin des Tirana Art Lab – Center for Contemporary Art und kuratierte eine Reihe internationaler Ausstellungen wie beispielsweise „Voices of Truth“ in der Villa Romana in Florenz.

Überhaupt seien die kuratierten Sonderausstellungen ein wesentlicher Bestandteil der Messe. So gibt es auch heuer wieder die „Zone 1“, bei der Einzelpräsentationen junger österreichischer Künstler zu sehen sein werden. Die Auswahl erfolgte durch Severin Dünser, Kurator für zeitgenössische Kunst im 21er-Haus. Unter den Künstlern sind etwa Ulrike Königshofer, vertreten von der Galerie Reinthaler, Constantin Luser, präsentiert von der Galerie Crone oder Sebastian Koch, zu sehen bei Krobath.

Mit der Sonderschau „Nordic Highlights“ erweitert die Messe ihre internationale Ausrichtung und zeigt zeitgenössische Kunstpositionen aus Finnland, Dänemark und Schweden. Schließlich sei noch die „Solo Expanded“ erwähnt, eine von Abaseh Mirvali kuratierte Schau von Einzel- und Kooperationsprojekten von alten Klassikern und jüngsten Arbeiten.

Die eigentliche Messe teilt sich in drei Hauptsektionen: „Established“, „Young“ und „Reflections“. Aus Österreich sind eigentlich alle relevanten Galerien vertreten von Martin Janda und Emanuel Layr über Krinzinger und nächst St. Stephan bis Steinek und Hubert Winter, um nur ein paar wenige herauszugreifen. Janda zeigt beispielsweise Arbeiten von Benjamin Butler, Adriana Czernin und Werner Feiersinger, die Galerie Steinek zeigt eine Soloshow von Renate Bertlmann, und Georg Kargl hat eine breite Auswahl seines Galerieprogramms mit, darunter Arbeiten von Muntean/Rosenblum, Gerwald Rockenschaub und Andreas Fogarasi. Allerdings fehlt Thaddaeus Ropac heuer wieder auf der Ausstellerliste. Im Vorjahr hieß es, er gebe der Messe nochmals eine Chance. Offensichtlich hat ihn das neue Konzept doch nicht überzeugt. Oder die Termine mit der Frieze in London, die nur eine Woche später stattfindet, sowie der FIAC in Paris Mitte Oktober liegen zu knapp beieinander.

Neben der Messe kann die Viennacontemporary auch heuer wieder mit umfangreichen Begleitveranstaltungen aufwarten, darunter dem von Olaf Stüber entwickelten und betreuten Programm Cinema, einer von Kate Sutton kuratierten Diskussions- und Veranstaltungsreihe zum Thema „Public Image“ sowie einer von Julian Robson organisierten Gesprächsreihe mit internationalen Sammlern im „Collectors Forum“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2016)

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