Die Lage macht die Messe

Die Art Karlsruhe ist dank des kaufkräftigen Publikums im Südwesten Deutschlands beliebt bei Galerien. Die Kunst reicht von hochwertig bis zweifelhaft.

„Sandgrube“ von Franz Grabmayr bei der Galerie Hilger
„Sandgrube“ von Franz Grabmayr bei der Galerie Hilger
„Sandgrube“ von Franz Grabmayr bei der Galerie Hilger – (c) Galerie Hilger

Die Art Karlsruhe, die vom 16. bis 19. Februar stattfindet, ist nicht der klingendste Name unter den Kunstmessen. Tatsächlich geht es ruhiger zu als auf einer Art Basel, ja selbst als auf einer Art Cologne, der größten Kunstmesse Deutschlands. Aber sie hat zweifellos ihre Stärken. Da wäre einmal die Lage. Karlsruhe liegt im Einzugsgebiet des Süddeutschen Raums sowie Frankreichs und der Schweiz. Hier sitzen statistisch gesehen auch die meisten Kunstsammler. Obwohl der Großteil der Aussteller aus Deutschland stammt, lockt die günstige Lage und die zahlungskräftige Klientel auch immer mehr ausländische Galerien an.

Auffallend ist, dass hier viele Österreicher ausstellen. Insgesamt elf heimische Galerien sind auf der Art Karlsruhe vertreten und darunter auch kleinere, die sonst kaum auf internationalen Messen sind. Da findet man aus Wien etwa die Artmark Galerie und Kunsthandel Czaak, aus Feldkirch bekommt die Galerie Günter Feuerstein Raum für aktuelle Kunst und aus Nassereith die Galerie Hosp. Aus Graz sind zwei Aussteller dabei: die Galerie Leonhard und die internationalere Galerie Zimmermann Kratochwill. Auch der Wiener Galerist Ernst Hilger setzt zum dritten Mal auf diese Messe. „Es ist eine attraktive Region mit vielen Sammlungen. Hier lebt der gehobene Mittelstand“, sagt der Galerist.

Die Messe bietet vergleichsweise attraktive Standpreise und das bei mehr als 50.000 Besuchern: Unter 200 Euro pro Quadratmeter ist auf größeren Messen heutzutage eine Seltenheit. Zudem hat die Messe einen interessanten Mix aus Klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst. Gerade die Klassische Moderne ist das solide Fundament dieser Leistungsschau, während dieses Segment auf anderen, weit elitäreren Messen seinen Stellenwert verloren hat. Doch muss auch offen gesagt werden, dass die Messe nicht durchgehend mit Qualität punkten kann. Neben renommierten Galerien mit qualitativ hochwertiger Ware finden sich lokaler agierende Galerien mit gefälliger, bunter Dekokunst, die hier aber auf viele Käufer trifft.

Insgesamt vier Hallen umfasst die Messe, die heuer unter dem Titel „Entdecken. Lieben. Sammeln“ steht. Die Halle 1 ist der Fotografie und Editionen gewidmet. Hier findet man beispielsweise den Münchner Stephen Hoffman oder Remy Bucciali aus Colmar. Erstmals widmet die Messe den Editionen eine eigene Sonderschau. So kommen insgesamt 119 druckgrafische Werke zusammen, die auf einer 200 Quadratmeter großen Sonderfläche gezeigt werden. Die Preisspanne der Werke liegt zwischen 150 und 80.000 Euro.

Ebenfalls in Halle 1 ist auch die Sonderausstellung „Tomi Ungerer – Zeichnungen, Collagen und Objektkunst aus der Sammlung Würth“. Rund 120 Werke des französischen Illustrators werden hier gezeigt. Das nahegelegene Unternehmen Würth hat eine sehenswerte Kunstsammlung, die beinahe 17.000 Werke umfasst.

Fundament der Messe. Die Hallen 2 und 3 sind der wichtige Kern der Messe. Hier reicht das Angebot von der Moderne bis zur Gegenwartskunst. Erstmals versucht sich hier die Galerie Bernheimer Contemporary von Isabel Bernheimer, Tochter des internationalen Altmeisterschwergewichts Konrad O. Bernheimer. Sie setzt auf das Zusammenspiel von gegenständlicher und konzeptueller Kunst mit großformatiger, realistischer Malerei von Johannes Vetter und abstrakten Gemälden von Milana Schoeller. Ergänzt wird der Stand mit Steinskulpturen von Andreas Blank.

Die Grazer Galerie Leonhard hat einen Schwerpunkt zu Op-Art und Widder aus Wien, die zum ersten Mal dabei sind; sie setzen auf Kunst der Zwischenkriegszeit in Österreich und der deutschen Moderne. Angeboten werden unter anderem Arbeiten von Willy Eisenschitz, Alfred Kubin und Max Oppenheimer.

Das Kunsthaus Wiesinger aus Wels, eigentlich spezialisiert auf altes Mobiliar, mixt seit ein paar Jahren zeitgenössische Kunst in sein Programm. Die Diversifizierung ist aufgrund des immer schwerer zu verkaufenden Antiquitätensegments notwendig geworden. In Karlsruhe präsentiert die Kunsthändlerin Petra Popp-Wiesinger Arbeiten von Oskar Höfinger, Hannes Mlenek und Lucia Riccelli.

Galerist Ernst Hilger widmet seinen Stand vor allem der österreichischen Abstraktion mit Werken von Gunter Damisch, Hans Staudacher und Franz Grabmayr. Die Grazer Galerie Zimmermann Kratochwill kommt mit den Künstlern Stefan Glettler und Klaus Wanker auf die Messe.

Im Bereich Klassische Moderne findet man im Katalog klingende Namen wie Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann oder George Grosz.

In der Halle 4, in der die jüngsten Positionen präsentiert werden, finden sich hingegen, gelinde gesagt, reichlich Skurrilitäten. Da wäre beispielsweise die Galerie Franzis Engels, die den holländischen Künstler Kees de Vries mit Blüten aus Salz zeigt oder die Galerie Smudajescheck, die sich auf, wie sie selbst schreibt, „Entdeckungen und junge Begabungen“, zum Teil aus der Münchner Kunstakademie, konzentriert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2017)

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