Ermordet und vergessen: Maler Fritz Schwarz-Waldegg

Das jüdische Museum zeigt den Wiener Expressionisten Fritz Schwarz-Waldegg, der im KZ Minsk ermordet wurde. Für die Schau "Maler-Reisen durchs Ich und die Welt" musste man seine Bilder erst aufspüren.

Fritz Schwarz-Waldegg
Fritz Schwarz-Waldegg
(c) APA/FRITZ SCHWARZ-WALDEGG/J†DISC (FRITZ SCHWARZ-WALDEGG/J†DISCHES)

Der Expressionist Fritz Schwarz-Waldegg ist ein Vertreter der "verlorenen Generation". Der zum Katholizismus konvertierte Jude wurde von den Nazis 1942 nach Minsk deportiert und ermordet. Sein Werk, das er in den 20er und 30er Jahren in Wien geschaffen hatte, blieb im Besitz seiner Schwester. In weiterer Folge verstreuten sich die Arbeiten in Sammlungen auf der ganzen Welt. Mit der Ausstellung "Maler-Reisen durchs Ich und die Welt" widmet das Jüdische Museum Wien dem weitgehend vergessenen Maler von Mittwoch, dem 4. November bis zum 25. April 2010 eine umfassende Retrospektive.

Dass diese Schau überhaupt zustande kam, verdankt Direktor Karl Albrecht-Weinberger "der Beharrlichkeit einiger Dokumentaristen" und der Arbeit des Kurators Matthias Boeckl: Lediglich zehn bis 15 Bilder habe man gekannt, als die Idee zu einer Ausstellung aufkam. Mittlerweile sind es Dank zahlreicher Leihgaben rund 120 Werke, die ein umfassendes Bild über die künstlerische Entwicklung Schwarz-Waldeggs ermöglichen.

Einfluss von Kokoschka und Oppenheimer

Der 1989 geborene Friedrich Schwarz war Mitglied der Künstlervereinigung "Hagenbund", die als wichtigstes Forum für expressive und neusachliche Kunst der Zwischenkriegszeit galt. Die Werke, die im ersten Ausstellungsraum gezeigt werden, sind vom Stimmungs-Impressionismus geprägt. Ein Teil davon entstand vor dem ersten Weltkrieg. Während des Krieges malte Schwarz-Waldegg vor allem Soldatenporträts.

Fritz Schwarz-Waldegg
Fritz Schwarz-Waldegg
(c) APA/FRITZ SCHWARZ-WALDEGG/J†DISC (FRITZ SCHWARZ-WALDEGG/J†DISCHES)

Unter starkem Einfluss von Oskar Kokoschka und Max Oppenheimer wandte sich Schwarz-Waldegg nach dem Ersten Weltkrieg, einer Serie von großformatigen Allegorien zu, die die existenziellen Aufwühlungen des Jahres 1918 widerspiegeln. Als bekanntestes Werk dieser Phase gilt das Ölbild "Bekenntnis" (1920), das im Besitz des Belvedere ist.

Nach "Anschluss": Porträts

Nach diesen Reisen zum "Ich" unternahm der Künstler Reisen in die "Welt", wie auch der Ausstellungstitel vermittelt. In diesem Schaffen finden sich zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen, die in Kopenhagen, am Gardasee oder in Paris entstanden sind. Ende der 20er Jahre verschlug es ihn nach Spanien, 1933 nach Bosnien.

Das Ende der Schau ist jenen Porträts gewidmet, mit deren Anfertigung sich Schwarz-Waldegg nach dem "Anschluss" 1938 - vom offiziellen Kunstbetrieb ausgeschlossen - über Wasser hielt. Ein eigener Raum ist der Aufarbeitung der Deportation des Künstlers gewidmet, wo sich auch jene Liste befindet, die seinen Transport dokumentiert.

"Wieso nicht emigriert?"

"Warum ist Schwarz-Waldegg nicht emigriert?", fragte Elisabeth Klamper, die für die Aufarbeitung der Deportation des Künstlers verantwortlich zeichnet, bei der Vorstellung der Schau. Einerseits habe er sich "anfangs wahrscheinlich sicher gefühlt, weil er schon in den 10er Jahren zum Katholizismus übergetreten ist". Zudem gebe es Belege, dass genau dieser Übertritt ihm zum Verhängnis wurde, als er sich um eine Emigration bemühte. Trotz zahlreicher Hilfsorganisationen für sogenannte "nichtmosaische Juden" gelang es dem damals 50-Jährigen nicht, das Land zu verlassen. Im August 1942 wurde Fritz Schwarz-Waldegg nach Minsk deportiert und ermordet.

Die Ausstellung

"Maler-Reisen durchs Ich und die Welt"
Werkschau zu Fritz Schwarz-Waldegg
4. November bis 25. April 2010


Jüdisches Museum Wien
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11 1010 Wien

Öffungszeiten:
Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr
Samstag geschlossen

(APA)

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