Wien ist Contemporary

Rund um die Viennacontemporary hat sich eine Messewoche samt Kunstprogramm von Institutionen und der Satellitenmesse Parallel entwickelt.

Die Messe lockt viel Publikum an. Gleich beim Stand der Galerie Krinzinger kann man sich stärken und pausieren.
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Die Messe lockt viel Publikum an. Gleich beim Stand der Galerie Krinzinger kann man sich stärken und pausieren.
Die Messe lockt viel Publikum an. Gleich beim Stand der Galerie Krinzinger kann man sich stärken und pausieren. – (c) Alexander Murashkin/ viennacontemporary

Ganz im Zeichen zeitgenössischer Kunst stand Wien diese Woche. Die Viennacontemporary, die heuer zum dritten Mal in der Marx-Halle stattfindet und noch bis heute Abend läuft, hat es endlich geschafft, dass auch Museen, Institutionen und Galerien mitziehen, um Wien als attraktive Kulturstadt für Gegenwartskunst ins rechte Licht zu rücken. Zudem etabliert sich auch die Satellitenmesse Parallel, die nach zwei Jahren in der Alten Post heuer in die ehemalige Sigmund-Freud-Universität umgezogen ist.

Dmitry Aksenov, Vorstandsvorsitzender der Viennacontemporary, will jedenfalls die internationale Bedeutung der Messe weiter ausbauen. Man sei bereits unter den Top-20-Anbietern weltweit, betonte er bei der Eröffnung. Die Entwicklung der vergangenen Jahre sei „ein Momentum, das wir nutzen möchten“, betonte Aksenov. Das Ziel sei, in fünf Jahren zu den Top-fünf-Messen weltweit zu gehören. Das ist wohl als sehr ambitioniertes Ziel zu bewerten.

Ungarn im Fokus. Gastland ist heuer Ungarn mit Fokus auf konzeptuelle Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre. Kuratiert hat die Focuszone der ungarische Kunsthistoriker und Kritiker József Mélyi, umgesetzt wurde sie von den drei Budapester Galerien ACB Gallery, Kisterem und Vintage Gallery. Diese drei Galerien hatten 2013 die Gruppenausstellung Bookmarks organisiert, bei der sie erstmals einen Überblick über die Künstler dieser Zeit zeigten. 2015 wurde Bookmarks bei der Art Cologne wiederholt. Inzwischen haben sich auch mehr westliche Galerien der ungarischen Kunst angenommen. So zeigte die Londoner Mayor Gallery im Vorjahr Werke von György Jovanovics, und White Cube widmete die Sommerausstellung der Konzeptkunst von Dora Maurer, die auch bei der Viennacontemporary vertreten ist. ACB war auch unter den Ausstellern bei der Frieze New York mit der Performancekünstlerin Katalin Ladik, die ihrerseits wiederum im Sommer bei der Documenta dabei war.

Die Zone 1 wurde von der MAK-Kuratorin Marlies Wirth kuratiert und zeigt Einzelpräsentationen österreichischer Künstler, darunter eine Installation eines sich zu Sound verschiebenden Steins von Samuel Schaab und eine Installation mit im Raum hängenden Boxsäcken von Kay Walkowiak. Letztere kostet übrigens 5500 Euro.

Unter den österreichischen Galerien sticht Thaddaeus Ropac ins Auge, der sich groß dem Thema Skulptur widmet und Arbeiten der Bildhauer Richard Deacon, Antony Gormley, Anish Kapoor und Tony Cragg zeigt. Von Letzterem hat er beispielsweise die große Onyxfigur „Sail“ von Tony Cragg nach Wien gebracht. Die Galerie Charim überzeugt wiederum mit einem sehr reduzierten Stand und Arbeiten von Dorit Margreiter. Philipp Konzett hat sein Programm heuer ausschließlich den Frauen verschrieben: mit Werken von Valie Export, Helen Chadwick und Carolee Schneemann. Galerist Georg Kargl, der jetzt unter dem Namen Gesellschaft für projektive Ästhetik ausstellt, hat von Mark Dion eine Kiste samt ausgestopftem Dachs mit haufenweise kleinen Objekten zur Schau gestellt. Der Name des Werks lautet „The Collector at Rest“.

Preislich ist die Bandbreite sehr groß. Kunst aus Osteuropa gibt es zum Teil sehr günstig, beispielsweise kostet eine Fotografie von Anu Vahtra in der ungarischen Gallerey Chimera 1200 Euro, Liliane Tomasko ist bei der Wiener Galerie Bechter Kastowsky um 49.000Euro im Angebot, und wer einen Gerhard Richter will, muss mit einem siebenstelligen Betrag rechnen.

Der Satellit. Zum fünften Mal findet heuer die Kunstmesse Parallel Vienna statt. Örtlich ist sie mit dem Wechsel in die Sigmund-Freud-Universität näher an die Viennacontemporary herangerückt, was sicherlich so mancher Messebesucher begrüßt. Auf zehn Stockwerken zeigen 30 Galerien und 40 Offspaces rund 300 Kunstpositionen. Das lose Grundthema widmet sich dem „Verschwinden“, was für den Standort sehr treffend ist, wird doch das Gebäude einem Immobilienprojekt weichen. Bei der Parallel findet man viele Aussteller, die auch bei der Viennacontemporary vertreten sind. Die meisten zeigen hier Einzelpositionen oder sehr junge, noch nicht etablierte Künstler, mit denen sie hier auf der weit günstigeren Messe kein Risiko eingehen. So ist etwa Bechter Kastowsky auf der Parallel mit Arbeiten von Aurelia Gratzer vertreten, die Galerie Senn zeigt eine Installation von Marko Lulics. Im Projektraum von Parallel & Konkordant steht die „Bildmaschine 06“ aus Teilen einer Rennautobahn von Clemens Fürtler. Es finden sich bei der Parallel aber auch Arbeiten von etablierten Künstlern wie Erwin Wurm oder Hermann Nitsch.

Zusammengefunden haben sich indes im neunten Stock die Künstler Bernadette Anzengruber, Robert Bodnar, Daniela Grabosch und Amelie Zadeh, die im Malz.space gemeinsam ausstellen. Im obersten Stock findet man schließlich die „Artist Statements“.

Fixpunkt ist die Opening Party, die die ganze Dienstagnacht gedauert hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2017)

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