Münchner Kunstherbst

Drei Messen gibt es dieser Tage in München. Das Angebot reicht von jung über kurios bis hochkarätig. Österreich ist mit zahlreichen Ausstellern dabei.

Die Wiener Wienerroither & Kohlbacher bringen Erich Heckels „Weg durch Büsche“ zu den Munich Highlights mit.
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Die Wiener Wienerroither & Kohlbacher bringen Erich Heckels „Weg durch Büsche“ zu den Munich Highlights mit.
Die Wiener Wienerroither & Kohlbacher bringen Erich Heckels „Weg durch Büsche“ zu den Munich Highlights mit. – (c) W&K - Wienerroither & Kohlbecher

Österreichs Kunsthandel trifft man dieser Tage in München, der reichsten Stadt Deutschlands. Entsprechend begehrt ist der Standort für Kunst- und Antiquitätenmessen. So buhlen auch heuer wieder mehrere Messen um die Gunst der Sammler.

Für Netzwerker. Den Auftakt macht dabei seit Donnerstag bis 22. Oktober die ArtMuc, eine junge Messe, sowohl, was ihre Existenz an sich angeht, sie wurde 2014 aus der Taufe gehoben, als auch, was die gezeigte Kunst betrifft. Die Veranstalter sehen die ArtMuc mehr als Festival denn als Messe im herkömmlichen Sinn. Auf vier große Hallen auf der Praterinsel verteilen sich Einzelkünstler, Kollektive, Galeristen und Plattformen. Das Besondere an diesem Format ist, dass die Künstler nicht von Galerien oder Kunsthändlern vertreten werden, sondern ihre Kunst selbst präsentieren.

Die ArtMuc positioniert sich dabei aber nicht nur als Marktplatz, sondern vor allem als Networking-Plattform, um Kontakte und Gruppen innerhalb der internationalen Kunstszene aufzubauen. Es präsentieren sich über 90 Einzelkünstler mit Kunstwerken der Street- und Urban Art, über digitale Kunst und Fotografie bis hin zu klassischer Malerei und Skulpturen. Zum ersten Mal dieses Jahr werden Kunstwerke von Günther Uecker aus seiner Schaffensphase der 1970er-Jahre bis heute ausgestellt – sowie Lichtskulpturen des 1990 verstorbenen Künstlers Adolf Luther. Die junge Selfie-Generation holt dann die Sonderausstellung „re:ciety“ mit Multimediakunst ab. Nicht nur audiovisuelle Traumlandschaften oder den Körper als Projektionsfläche für Eitelkeiten beinhaltet diese Schau, sondern eben auch eine Art dreidimensionales Selfie und Software-Kunstinstallationen. Mit dem Salzburger Bernhard Skok, nominiert für den diesjährigen Strabag Artaward, ist übrigens auch ein österreichischer Künstler vertreten.

In der kommenden Woche geht es dann vom 21. bis 29. Oktober mit der Kunst & Antiquitäten München im Postpalast weiter, die angeblich älteste regionale Messe Süddeutschlands. Zumindest behauptet sie das von sich selbst. Sie bietet eine bunte Mischung aus Antiquitäten, bayerischer Volkskunst und historischen Kuriositäten. Gleich zehn Händler aus Österreich sind vertreten, drei aus der Steiermark, zwei aus Oberösterreich, einer aus Innsbruck, einer aus Vorarlberg und drei aus Wien. So hat etwa Kunst und Antiquitäten Ludwig E. Wimberger aus Linz „Berggehöf“ von Oskar Mulley oder eine Singvogelspieldose aus Sankt Petersburg um 1880 im Angebot. Kunsthandel Strassner aus Schärding offeriert unter anderem historisches Reisegepäck von Louis Vuitton aus den 1920er-Jahren und für Gartenbesitzer mit Hang zum Altertümlichen eine Serie von fünf musizierenden Zwergen aus Sandstein aus dem 18. Jahrhundert. Neuerem Datums ist hingegen das Angebot von der Innsbrucker Galerie Augustin, die mit dem Münchner Fotografen Alex Crieger digitale Kunst auf Leinwand druckt. Zu den ungewöhnlichen Dingen zählt wohl auch ein „Tigerteppich“ aus Tibet, laut Messeangaben das derzeit einzig bekannte Exemplar auf dem Markt, zu finden am Stand von Max Lerch.

Die Elegante. Die Munich Highlights schließlich, die ab 25. Oktober in der Residenz München einzieht, wird ihrem Namen gerecht. Diese Veranstaltung bedient das Segment der qualitativ hochwertigen Ware. Viele der Aussteller sind auch auf der Tefaf in Maastricht vertreten, der weltweit bedeutendsten Kunst- und Antiquitätenmesse. Auch auf dieser Messe ist Österreich mit acht Händlern gut vertreten: Fotospezialist Johannes Faber, Kunsthandel Giese & Schweiger, die Galerie Konzett, Kovacek Spiegelgasse, Galerie Ruberl, Thomas Salis, Galerie bei der Albertina und Wienerroither & Kohlbacher reisen aus Österreich an. Letztere werden etwa das 1907 entstandene Gemälde „Weg durch die Büsche“ von Erich Heckel anbieten. Heckel gehörte zu den Mitbegründern der Dresdner Künstlergemeinschaft „Brücke“. Das Werk ist eines der wenigen verfügbaren Beispiele aus der Frühzeit der „Brücke“ und stammt aus der renommierten Sammlung von Irmtraut Werner.

Mehrere Aussteller der Messe zeigen Werke von Karl Schmidt-Rottluff oder Emil Nolde. Eine expressionistische Postkarte offeriert Thole Rotermund mit Max Pechsteins Gruß an seine Verlobte, Lotte Kaprolat, der er 1910 zugleich die Kreidezeichnung eines Inders mitschickte. Oft nehmen diese kleinen, spontanen Kunstwerke Bezug zu größeren entstehenden Arbeiten. Pechstein etwa hat in dieser Zeit einige Bilder mit Lotte Kaprolat als weiblichen Akt gemalt, so Rotermund, Spezialist für Papierarbeiten des deutschen Expressionismus.

Die großen Namen der Fotografie hat Johannes Faber im Angebot, darunter etwa Bill Brandts 1952 entstandenes Foto „Nude with Ellbow“. Brandt gilt als Erneuerer der Aktfotografie. Irritierend, verführerisch sowie unverkennbar von den Kunstströmungen seiner Zeit inspiriert, ist es ein gutes Beispiel für den Stil des Fotografen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2017)

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