Traditionsmesse für heimische Kunstgeschichte

Auf der Art&Antique in der Hofburg leisten einige Aussteller Pionierarbeit, präsentieren Werke von vergessenen oder bisher kaum präsenten Künstlern.

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Jan Brueghel d. J. – APA

Was den Münchnern die Highlights, den Maastrichtern die Tefaf, ist den Wienern die Art&Antique Hofburg Vienna. Natürlich ist sie weniger groß und noch viel weniger international. Was die drei aber teilen, ist ihre Bandbreite von der Antike über Alte Meister, Antiquitäten, Teppiche, Ikonen, Schmuck, Uhren bis zur Klassischen Moderne und Gegenwart. 47 Aussteller haben sich zur 49. Ausgabe der Traditionsmesse in Wien eingefunden. Die Leistung der Veranstaltung liegt in ihrem Fokus auf österreichische Kunstgeschichte. Die Art&Antique bringt in ihren besten Momenten Dinge zutage, die noch nicht kanonisiert sind. Ein eindrucksvolles Beispiel liefern Kolhammer & Mahringer, die die Hälfte ihrer Koje dem Werk von Leontine von Littrow (1856–1925) widmen. Seit zwei Jahren beschäftigt sich die Galerie mit der Aufarbeitung des Nachlasses der in Vergessenheit geratenen Stimmungsrealistin. 17 Gemälde werden präsentiert, darunter die irrlichternde Impression „Garten in Abbazia“ von 1907 (98.000 €).

Ein weiteres Stück Pionierarbeit leistet die Galerie Richard Ruberl, die ihr Portfolio österreichischer Kunst nach 1950 um Werke des bisher auf dem Kunstmarkt kaum präsenten Kurt Hüpfner erweitert hat. Die Assemblagen dieses Einzelgängers der neueren österreichischen Kunst weisen formale Verwandtschaft zu Fluxus und Pop-Art auf (28.000–30.000 €). Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst lassen Giese & Schweiger aufeinandertreffen. Mit einer Einzelpräsentation von Otto Muehl versucht man, jüngeres Publikum anzusprechen. Die entscheidenden Verkaufserfolge wurden bei der Vernissage aber mit Klassikern erzielt: Wisinger-Florian, Schindler sowie Hans Canons verrücktem Affenbild „Afrikanische Jury-Sitzung“ von 1870.


Aphrodite und Brueghel. Heimische Kunst der klassischen Moderne und des 19. Jahrhunderts sind die Zugpferde der Art&Antique. Magnet präsentiert Kolig, Wacker, Wiegele, Music, Berg, Boeckl. Freller punktet mit Alfons Waldes „Sonntag in Tirol“ (485.000 €) und Rudolf Wackers „Varieté Sonderschau um 1923“ (185.000 €). Im Angebot der zeitgenössischen Anbieter von Thomann bis Artemons dominieren Maler wie Prachensky, Grabmayr, Damisch, Nitsch. Reinisch zeigt schöne Arbeiten von Herbert Brandl, darunter eine sechs Meter lange rote Farborgie (164.000 €), die er in Dialog setzt mit einem absolut modern anmutenden anatolischen Tülü-Teppich aus dem späten 19. Jh. Geballte Museumsreife findet sich in der Koje des Archäologiespezialisten Christoph Bacher. An Raritäten bereit hält er eine Aphrodite mit Schild auf dem Fragment eines römischen Säulensarkophags (2. Jh. n. Chr., 72.000 €) sowie das Holzmodell einer Rundbarke, eine Grabbeigabe aus dem mittleren Reich (24.000 €). Alte Meister versammelt Kunsthandel Werner Zöchling mit Schwerpunkt auf Jan Brueghel d. J.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2017)

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