Gemäldegalerie neu: Großer Auftritt für Wiener Bosch

Ab Dienstag hat Wiens großer Hieronymus-Bosch-Altar ein neues, zentrales Zuhause: Die Gemäldegalerie der Akademie zog für drei Jahre ins Theatermuseum.

Regietheater für Alte Meister sozusagen: Zum Auftakt im Theatermuseum wird Boschs Weltgericht mit einem Monumentalformat des Berliner Malers Jonas Burgert konfrontiert.
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Regietheater für Alte Meister sozusagen: Zum Auftakt im Theatermuseum wird Boschs Weltgericht mit einem Monumentalformat des Berliner Malers Jonas Burgert konfrontiert.
Regietheater für Alte Meister sozusagen: Zum Auftakt im Theatermuseum wird Boschs Weltgericht mit einem Monumentalformat des Berliner Malers Jonas Burgert konfrontiert. – (c) Lisa Rastl

Alle Leihgesuche der großen Ausstellungen zum 500. Todestag von Hieronymus Bosch 2015/16 wurden abgeschmettert – der „Wiener Bosch“, das Weltgerichtstriptychon, darf nicht reisen, zu sensibel. Jetzt mussten die drei Holztafeln aus ganz profanem Grund doch ausgerahmt werden, wenn die Reise auch nur einmal über den Ring und ein paar hundert Meter weiter ging: Doch die Kunstakademie am Schillerplatz, in deren ersten Stock die Gemäldegalerie als ewiger Geheimtipp schlummert, wird generalsaniert. Also darf diese unbekannteste öffentlich zugängliche Altmeistersammlung der Stadt (1200 Werke) auf Reisen gehen – direkt ins Zentrum. Aber dennoch ins nächste Hideaway, ins Theatermuseum im Palais Lobkowitz, vis à vis der Albertina.

Diesen auf drei Jahre anberaumten Kuraufenthalt sponsert der Gemäldegalerie die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die sich um ein Ausweichquartier zu sorgen hatte – man darf tatsächlich froh sein, dass Boschs Weltgericht jetzt nicht in einem ehemaligen Seminarzimmer der alten WU tagen muss, wohin der Lehrbetrieb der Kunstakademie abgewandert ist (sozusagen ins abgefuckte ehemalige Zentrum dessen, was für viele der Kunststudierenden wohl mit „Neoliberalismus“ assoziiert wird, das hat Humor). Nein, die BIG hat sich für die Gemäldegalerie mit dem Kunsthistorischen Museum geeinigt, zu dessen Verband das Theatermuseum gehört, und zahlt für ein Drittel der Fläche dort jetzt Miete.

 

Intimer Charakter

Ein räumlich gar nicht uninteressanter Tausch für die Gemäldegalerie, es ist dichter gehängt (84 statt wie sonst 110 Werke) und intimer; bespielt wird eine verschachtelte Flucht von sieben Räumen. Der einst private Charakter der Sammlung, die Graf Lamberg-Sprinzenstein 1822 der Akademie hinterließ und die einen wesentlichen Teil des Bestands bildet, wird so wieder spürbar. Auch das Kupferstichkabinett hat hier wieder einen Gang gefunden, übrigens die einzige Ausstellung, die hier wechseln wird, sonst soll die chronologische Hängung vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert die drei Jahre bestehen bleiben. Wechselvoll umrahmt von zeitgenössischer Kunst nur das Glanzstück des Hauses, der Bosch-Altar, der hier endlich einmal einen großen, intensiven Auftritt hat: Wartet er sonst im letzten Raum, prangt er hier gleich im ersten Raum, dem größten und sozusagen spektakulärsten, weil halbrund.

Erstmals kann der Besucher jetzt rund um den Altar gehen, bequem auch die Grisaille-Malerei auf den Außenseiten der Flügel sehen, die heute immer offen stehen – im Gegenteil zum Mittelalter, als sie nur zu Sonn- und Feiertagen geöffnet wurden. Im Zuge der Zerlegung des Altars für den Umbau bekam auch ein internationales Forscherteam vom Bosch Research Center die Möglichkeit, neue Untersuchungen bzw. Röntgenbilder der Bildtafeln anzufertigen. Erste Ergebnisse untermauern eine These, die sich auf den unbekannten Auftraggeber des Altars bezieht: Farbreste auf einem ausgekratzten Wappen unter einem der beiden mächtigen Heiligen der Flügeltüren legen nahe, dass es sich erstens um den Heiligen Hippolyt handelt. Und daher zweitens um Hippolyte de Berthoz als Auftraggeber, der um 1500 so etwas wie der Finanzminister am burgundischen Hof war und einer der großen Kunden von Bosch.

Anfang 2018 wird die Gemäldegalerie eine Konferenz rund um den Altar veranstalten. In seiner Theatralik des Schreckens jedenfalls ein würdiger Gast des Theatermuseums. Eine „Koexistenz“, die man durchaus auch begehen und feiern möchte, etwa durch ein eigenes Theaterstück, das ab 22. 11. in direkter Nachbarschaft des Altars, im Eroica-Saal, aufgeführt werden soll: „Bosch on Stage“ heißt das von Jérôme Junod geschriebene Werk, eine Koproduktion mit Salon5.

Theatermuseum, Lobkowitzplatz 2, Wien 1, täglich außer Dienstag, 10 bis 18 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2017)

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