Kulturhauptstadt Ruhr.2010: Menschenmassen zur Eröffnung

Als erste der drei Kulturhauptstädte 2010 öffnet Essen seine Pforten und wird fast überrannt: Allein am Samstag stürmten 100.000 Besucher die Veranstaltung.

(c) AP (Frank Augstein)

Mit einer gelungenen Eröffnungsfeier und großem Besucherandrang auf der verschneiten Essener Zeche Zollverein hat am Samstag das Kulturhauptstadtprogramm 2010 im Ruhrgebiet begonnen. Ein Jahr lang sind rund 2500 Veranstaltungen aus Kunst, Musik und Theater in der einstigen Kohle- und Stahlregion geplant.

Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen will vor allem die Rolle der Kultur für den Strukturwandel eines Industriegebietes herausstellen. "Wir wurden lange unterschätzt. Das soll sich ändern", sagte er. Das Ruhrgebiet mit seinen 53 Kommunen teilt sich die Kulturhauptstadtwürde mit Pécs in Ungarn und dem türkischen Istanbul, wo die Eröffnung erst am 16. Jänner geplant ist.

"Essen stürmt Zollverein"

Schon am ersten Tag wurde das Kulturfest auf der Zeche im Ruhrgebiet von Besuchern fast überrannt: "Essen stürmt Zollverein", schrieb ein Gast im Internetdienst Twitter. Rund 100.000 Besucher zählten die Veranstalter allein bis zum späten Samstagabend.

"Unsere Rechnung ist aufgegangen", sagte Pleitgen.  Knapp zwei Millionen Menschen verfolgten im ZDF und WDR Fernsehen die Eröffnungsfeier vor der Kulisse der stillgelegten Kokerei Zollverein.

Köhler kam zu spät

"Früher qualmten in dieser Region die Schlote. Statt der Kohle von unter Tage werden nun die Ideen gefördert, die in den Köpfen und Herzen der Menschen schlummern", sagte der deutsche Bundespräsident Horst Köhler.

Er kam verspätet, weil sein Flugzeug wegen des Schneefalls nicht pünktlich auf dem Düsseldorfer Flughafen landen konnte. Tief "Daisy" hatte den Organisatoren bis zur letzten Minute Kopfzerbrechen bereitet. "Es hat geklappt, aber es war knapp", sagte Pleitgen.

Vereiste Bühne: Sprünge gestrichen

Bei einer vereisten Bühne hätte die Eröffnungsshow mit zum Teil akrobatischen Tanzeinladungen abgesagt werden müssen. Letztlich reichte aber ständiges Nachstreuen und Wischen, besonders gewagte Sprünge wurden gestrichen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso lobte das Ruhrgebiet mit seinen rund 170 verschiedenen Nationalitäten als "Meltingpot (Schmelztiegel) der Völker und Kulturen". Das Ruhrgebiet gestalte den Wandel mit Mut und Kreativität, auch wenn er gelegentlich unbequem sei.

"Heute geht ein Traum in Erfüllung", sagte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) beim Festakt. Auch nach dem Kulturhauptstadtjahr sollten die Projekte mit Leben gefüllt werden. Deshalb werde das Land nach 2010 zunächst 15 Millionen Euro für das Projekt "Kreativ.Quartiere" freimachen.

Kultur auf der Autobahn

Für den rein künstlerischen Etat stehen der Kulturhauptstadt 2010 gut 62 Millionen Euro zur Verfügung. Zu den 300 Projekten in diesem Jahr zählt Spitzenkultur wie eine Reise durch sechs Theater der Region, die unter dem Motto "Odyssee" den Homer-Stoff neu inszenieren oder ein großer Zyklus mit Werken des zeitgenössischen Komponisten Hans Werner Henze.

Daneben gibt es breitenwirksame Veranstaltungen wie die Sperrung der Ruhrgebietsautobahn A 40 zu einem "Kulturtag" im Sommer oder den revierweiten "Day of song".

 

(Ag.)