Lassnigs Blick auf New York

Im Kinsky kommen bei den Auktionstagen zwei Arbeiten von Maria Lassnig zum Aufruf. Das Dorotheum reüssierte am Mittwoch mit einer Arbeit der Künstlerin.

Das Porträt einer Freundin mit Blick auf New York von Maria Lassnig ist das teuerste Los in der Auktion Zeitgenössischer Kunst im Auktionshaus im Kinsky. Die Schätzung liegt bei 120.000 bis 240.000 Euro.
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Das Porträt einer Freundin mit Blick auf New York von Maria Lassnig ist das teuerste Los in der Auktion Zeitgenössischer Kunst im Auktionshaus im Kinsky. Die Schätzung liegt bei 120.000 bis 240.000 Euro.
Das Porträt einer Freundin mit Blick auf New York von Maria Lassnig ist das teuerste Los in der Auktion Zeitgenössischer Kunst im Auktionshaus im Kinsky. Die Schätzung liegt bei 120.000 bis 240.000 Euro. – (c) Auktionshaus im Kinsky

Seit der Stern für Maria Lassnig am Kunstmarktfirmament immer höher steigt, gibt es kaum noch Auktionen, in denen sie nicht vertreten ist. So versteigerte das Wiener Dorotheum in der Auktion für Zeitgenössische Kunst am Mittwoch aus der Body-Serie der 1980er-Jahre „Innerhalb und Außerhalb der Leinwand I“ für 295.800 Euro. Der Schätzwert lag bei 180.000 bis 320.000 Euro. Das Werk fand im Vorfeld sogar Beachtung im renommierten „The Art Newspaper“. Den bisher höchsten Preis von 491.000 Euro (mit Aufschlägen) erzielte übrigens auch das Dorotheum für „Der Wald“ im Jahr 2014.

Am 6. Dezember wartet nun das Auktionshaus im Kinsky bei seiner Auktion für Zeitgenössische Kunst ebenfalls mit zwei Arbeiten von Lassnig auf. Da wäre einmal das Doppelbildnis des „Ehepaares Resch“ aus dem Jahr 1999. Die Eheleute Christian und Lisa Resch waren Mesner in Feistritz, mit denen Lassnig über Jahre freundschaftlich verbunden war und die ihr als Modelle für mehrere Arbeiten dienten. „Das Doppelporträt zählt zu den wichtigen Porträts aus ihrem Spätwerk, wo sie zu einer neuen Gegenständlichkeit findet, die sie subtil mit emotionalen Gesten zu verbinden weiß“, schreibt das Auktionshaus. Der Schätzpreis liegt bei 80.000 bis 150.000 Euro.

Das zweite Bild ist das Porträt einer guten Freundin vor dem Fenster mit Blick auf New York. Lassnig lebte von 1968 bis 1980 in New York. Zu den zahlreichen neuen Erfahrungen in der Stadt gehören für sie die Wolkenkratzer, die sie in einem Brief an ihre Klagenfurter Freunde begeistert als „innen und außen sehenswert“ schilderte. In einigen Aquarellen und nur wenigen Ölbildern hielt Lassnig diese urbane Landschaft fest. Das berühmteste darunter ist ihr Gemälde „Woman Power“ von 1979, auf dem sie sich selbst als eine Mischung aus Superwoman und King Kong darstellt, die durch die miniaturhaften Schluchten der Metropole schreitet. Es ist eines der Hauptwerke aus Lassnigs New Yorker Zeit und gehört zur Sammlung Essl, die sich derzeit als Dauerleihgabe in der Albertina befindet. Bei der zur Auktion gelangenden Arbeit hat sie Karin Rudolph porträtiert. Dabei verbindet Lassnig die Porträtierte, das Häusermeer, den Hudson und den Himmel zu einer Einheit. Es dominieren helle Blau- und Grüntöne, nur das Patchwork-Mieder des Kleides in der typischen Mode der 1970er-Jahre hebt sich von der luftigen Umgebung ab. Das Auktionshaus erwartet sich für diese Arbeit aus dem Jahr 1976 zwischen 120.000 und 240.000 Euro. Dieses Porträt ist auch gleichzeitig das teuerste Los der Auktion für Gegenwartskunst. Neben Lassnig ist noch eine Sammlung von „Bild-Dichtungen“ von Günther Brus erwähnenswert, darunter der Zehnerzyklus „Nabelstromdelta“ von 1997.


Frau aus Marmor. Skulpturen werden diesmal im Kinsky stärker ins Rampenlicht gerückt. Das Spitzenlos ist hier die Marmorskulptur einer sitzenden Frau des spanischen Bildhauers Baltasar Lobo. Lobo ist einer der großen spanischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts, musste jedoch wegen seines politischen Engagements nach dem Spanischen Bürgerkrieg nach Paris auswandern und war als Zeitgenosse und Freund von Jean Arp, Constantin Brancusi, aber auch von Pablo Picasso und Joan Miró inspiriert. „Unter dem Eindruck seines ersten Urlaubs 1946 entwickelte Lobo eine besondere Affinität zu weiblichen Aktfiguren und Mutter-Kind-Darstellungen, die seitdem einen Großteil seines Œuvres umfassen und deren Ausführungen sich im Laufe der Jahre immer mehr der Abstraktion nähern“, heißt es im Katalog dazu. Der Schätzpreis liegt bei 50.000 bis 100.000 Euro. Vergangene Woche wurde übrigens bei den New Yorker Auktionen für Gegenwartskunst von Christie's für die Bronze „Grande jeune fille à genoux“ mit 500.000 Dollar ein neuer Rekord für Lobo erzielt.

Österreichische Skulptur wird in der Auktion unter anderem von Bruno Gironcoli vertreten. Wie eine „fliegende Untertasse“ erscheint eine der letzten Skulpturen in Aluminiumguss, die der Kärntner Künstler angefertigt hat. Der Schätzwert für diese Arbeit ohne Titel beträgt 25.000 bis 50.000 Euro.

Am Tag vor der Zeitgenossenauktion steht im Kinsky Klassische Moderne und Jugendstil auf dem Programm. Hier gehören zwei Zeichnungen – eine von Oskar Kokoschka, eine von Egon Schiele – zu den Höhepunkten der Auktion. Aus dem Jahr 1907 stammt die aquarellierte Zeichnung eines Mädchens von Oskar Kokoschka: In „Mädchenakt mit umgehängtem Mantel“ ging er mit seiner künstlerischen Ausdrucksweise bereits weg von der damals üblichen starren naturalistischen Wiedergabe des menschlichen Körpers in Richtung expressionistische Kunst, so die Experten. Der Schätzwert liegt bei 100.000 bis 200.000 Euro.

Von Egon Schiele wiederum ist die Porträtzeichnung des Kunsthändlers Paul Wengraf erwähnenswert, die 1917 in einer Ausstellung in der Liljevalche Konsthall in Stockholm ausgestellt war. Wengraf, der mit seinem Bruder Fritz das Antiquitätengeschäft seiner Mutter in der Singerstraße in Wien übernommen hatte, lernte Schiele 1917 kennen und trat sehr bald in geschäftlichen Kontakt zu ihm. „Überliefert wird Wengrafs Begeisterung für Schieles Gouachen von Porträts des Oberleutnant Grünwald, die in der berühmten Buchhandlung von Richard Lányi in der Kärntnerstraße 1917 zu sehen waren. Kurz danach ließ er sich selbst porträtieren, insgesamt dreimal in Gouache, Kohle und Kreide“, geht aus dem Katalog hervor. Das vorliegende und vielleicht letzte Blatt dieser Porträtserie erbat sich Josef Hoffmann im Jahr 1917 für die von ihm kuratierte Wanderausstellung österreichischer Kunst nach Holland und Skandinavien. Taxiert ist das Blatt mit 100.000 bis 200.000 Euro.


Wasser und Farbe. Schließlich sei noch auf das von Emil Nolde in den 1930er-Jahren auf Japanpapier gemalte Blatt „Mohn und Sonnenhut“ hingewiesen. Es sei exemplarisch für Noldes „neuartige Handhabung des Malens mit Wasser und Farbe“. Die Schätzung liegt bei 70.000 bis 140.000 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2017)

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