Fachleute verraten ihre Kunstreisen 2018

Heuer wartet keine Documenta, keine Biennale Venedig. Dafür geht es nach London, Berlin und Palermo.

Ausstellung in der Royal Academy of Arts.
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Ausstellung in der Royal Academy of Arts.
Ausstellung in der Royal Academy of Arts (Archivbild). – EPA

Sabine Haag, Generaldirektorin KHM: „Natürlich muss man heuer die Ausstellung zur Sammlung von Charles I. in der Royal Academy sehen! Der englische König war einer der bedeutendsten Sammler Europas, aus dessen Besitz unter anderem einige wundervolle Highlights in die Wiener Gemäldegalerie kamen, Erzherzog Leopold Wilhelm hat bei der Versteigerung nach dem Tod des Königs kenntnisreich „zugeschlagen“. Charles I: King and Collector, London, 27. Jänner bis 15. April.

Karola Kraus, Mumok-Direktorin: „2008 verursachte eine Skulptur mit dem Titel ,Zuerst die Füße‘, ein aus Holz geschnitzter Frosch am Kreuz von Martin Kippenberger, im neu eröffneten Museion in Bozen einen Skandal, der international für Schlagzeilen sorgte. Zehn Jahre später werden seine Werke zusammen mit Bildern von Maria Lassnig im gleichen Haus präsentiert, zwei Seelenverwandte treten in einen spannenden Dialog.“ Body Check, Museion Bozen, 3. Februar bis 6. Mai.

Christina Steinbrecher-Pfandt, Leiterin Vienna Contemporary: „Besonders freue ich mich auf die Berlin Biennale von Kuratorin Gabi Ngcobo und die Eröffnung des Photography Centers im Victoria & Albert Museum im Herbst.“ Berlin Biennale, 9. Juni bis 9. September.

Nicolaus Schafhausen, Direktor Kunsthalle Wien:
„Vor dem Hintergrund bahnbrechender politischer, sozialer, ökonomischer Veränderungen werden sich viele Großausstellungen zur Gegenwartskunst neuen Bewertungsmaßstäben stellen müssen. Wie reagieren Künstler auf die neue Zeit, in der wir uns befinden? Werden Besucher auf Kunst stoßen, die ein Gefühl der Dringlichkeit vermittelt, insbesondere in Bezug auf persönliche Identität und soziale Veränderung, sowie auf Arbeiten, die uns dazu bringen, uns neue Zukunftsperspektiven vorzustellen? Insofern bin ich in Europa auf drei Großevents gespannt: Festival Glasgow International, Berlin Biennale, Liverpool Biennale.“ Glasgow, 20. April bis 7. Mai; Liverpool, 14. Juli bis 28. Oktober.

Christoph Thun-Hohenstein, Direktor MAK:
„Besonders gespannt bin ich auf die Manifesta 12. Ein Muss im Architekturbereich ist die Architekturbiennale in Venedig zum Thema ,Freespace‘. Im Österreich-Pavillon werden auch Sagmeister & Walsh präsentiert, die gerade fürs MAK ihre große Ausstellung ,Beauty‘ vorbereiten.“Architekturbiennale Venedig, 26. Mai bis 25. November.

Stella Rollig, Direktorin Belvedere: „Die erste Retrospektive seit 23 Jahren von Bruce Nauman. 1995 im MoMA: ein Augenöffner, eine Goldmine, alles, was die Kunst seit den Sechzigerjahren zu leisten vermochte, wach und mutig. Alles Kühne, alles Bewegende war vorhanden in diesem unvergleichlich vielfältigen Werk, politisch und poetisch, persönlich und universell. Nun Neugier und Spannung auf die (Wieder-)Begegnung mit einem Lebenswerk, das heute als das einflussreichste eines zeitgenössischen Künstlers gilt.“ Nauman. Schaulager Basel, 17. März bis 28. August, und MoMA ab 16. Oktober.

Hildegund Amanshauser, Leiterin Sbg. Sommerakademie: „Der Dhaka Art Summit in Bangladesch, der sich mit den Kunstszenen Südostasiens beschäftigt. Chefkuratorin ist Diana Campbell Betancourt, die seit Jahren in Südostasien arbeitet und zu den profundesten Kennern dieser extrem spannenden Szene zählt (und heuer an der Sommerakademie Salzburg lehrt).“ Dhaka Art Summit, 2. bis 10. Februar.

Max Hollein, Direktor Museums of Fine Art, San Francisco:
„Ein erstes Highlight findet gleich im Jänner in Basel statt, wenn aus Anlass des 80. Geburtstags eine große Retrospektive von Georg Baselitz gezeigt wird. Nicht weil Baselitz-Ausstellungen so selten sind, sondern weil seine Werke, von den 1960ern bis heute, beispiellos unorthodoxe Haltung manifestieren und malerische Kraft behalten haben. Für mich ist das jedes Mal ungemein beeindruckend – ein echtes Ereignis.“ Georg Baselitz, Fondation Beyeler, 21. Jänner bis 29. April.

Bettina Leidl, Direktorin Kunst-Haus Wien: „In Arles eröffnet im Juli 2018 die Luma Foundation ihr neues Museum mit hochkarätigem Beraterteam. Stararchitekt Frank Gehry hat für Maya Hofmann, eine der größten Kunstmäzeninnen der Gegenwart, diesen nicht ganz unumstrittenen Museumsneubau gestaltet. Wir sind gespannt!“ Luma Foundation, ab Juli 2018.

Hemma Schmutz, Direktorin Lentos:
„Bin sehr gespannt auf die Manifesta 12 in Palermo: Angekündigt ist eine intensive Zusammenarbeit mit lokalen Gruppen zu aktuellen Themen und Problemen der Stadt, unter a der Situation der Migranten. Sizilien ist geprägt von einem produktiven Zusammenspiel unterschiedlicher Kulturen. Wie dieses Potenzial mit Mitteln der Gegenwartskunst neu belebt wird, scheint mir ein interessanter Ansatz zu sein.“Manifesta, Palermo, 6. Juni bis 4. November.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2018)

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