Klimt als Schweigegeld: Verschollenes Bild aufgetaucht

Eine pensionierte Sekretärin hatte die Zeichnung in ihrem Schrank versteckt, sie bekam es als Schweigegeld. Aber wem gehört das Bild heute?

Das verschollene Bild.
Das verschollene Bild.
Das verschollene Bild. – (c) APA/REINHARD HAIDER (REINHARD HAIDER)

Die Geschichte um das verschollene und nun aufgetauchte Klimt-Bild "Zwei Liegende" in Linz klingt wie der Stoff für ein Hollywood-Drehbuch: Weil sie seinerzeit Missstände in der Dokumentation der Neuen Galerie entdeckt hatte, erhielt eine Sekretärin den Klimt als "Schweigegeld" von ihrem Chef. Nach ihrem Tod Ende 2017 überbrachte ihr Anwalt das laut Gericht 66.000 Euro teure Werk der Stadt.

"Es ist wie ein Krimi", sagte Bürgermeister Klaus Luger am Dienstag in Linz und fügte erfreut hinzu: "Wir werden das Bild ab Freitag im Lentos ausstellen können." Derzeit sei es im Kunstmuseum in einem Grafikschrank verwahrt. Ein hauseigener Experte habe seine Echtheit zu 100 Prozent bestätigt, teilte Kulturdirektor Julius Stieber mit. Das Werk kam wie die noch immer verschwundenen Schiele-Bilder "Junger Mann", "Tote Stadt" und "Paar" 1951 als Leihgabe der Künstlerin Olga Jäger an die Neue Galerie der Stadt Linz (heute Lentos). Als ihre Erben 2006 den Leihschein aus dem Nachlass einlösen wollten, waren die Bilder nicht mehr auffindbar. Daher klagten sie die Stadt auf Schadenersatz.

Vor dem Hintergrund des nun aufgetauchten Werkes hat auch die Staatsanwaltschaft Linz die Polizei wieder mit Ermittlungen beauftragt. "Wer auch immer noch ein verschwundenes Bild hat, wird sich spätestens jetzt die Frage gefallen lassen müssen, ob er ein Hehler ist oder soll so vernünftig sein, den rechtmäßigen Erwerb darzulegen", sagte Behördensprecher Philip Christl.

Die 1977 pensionierte Sekretärin wude wohl zu den fehlenden Werken befragt, sie habe aber angegeben von nichts zu wissen. In ihrer letztwilligen Verfügung erklärte sie jedoch, sie habe damals bemerkt, dass drei Leihgaben in der Neuen Galerie nicht entsprechend dokumentiert waren und den damaligen Leiter, Walter Kasten, darauf aufmerksam gemacht. Er habe von ihr verlangt zu schweigen und ihr dafür den Klimt geschenkt. In den 1960er-Jahren sei der Wert des Klimt-Bildes anlässlich einer Leihe an die Albertina übrigens mit etwa 20.000 Schilling (1.453,46 Euro) angegeben worden, erklärte Stieber.

Als sie von den Nachforschungen der Stadt erfuhr, versteckte die Frau das Bild im Kasten und verfügte, es solle nach ihrem Tod der Stadt zurückgegeben werden. Laut Binder gibt es "keine ernst zu nehmenden Hinweise", dass sich noch mehr verschollene Bilder im Besitz der Sekretärin befanden. Es gebe auch "keine Hinweise, dass ein schwunghafter Handel mit den Bildern der Stadt Linz betrieben wurde".

Wem gehört das Bild?

Aber wer ist nun der rechtmäßige Eigentümer der "Zwei Liegenden"? "Wir haben schon bezahlt, wir glauben, wir sind es", sagte der Rechtsvertreter der Stadt Linz. Die Erben könnten die Zeichnung gegen Rückzahlung des Schadenersatzbetrags bekommen. "Leider ist es das günstigste der verschollenen Werke", merkte Binder an.

Die "Tote Stadt" von Schiele kostete der Stadt 7,5 Millionen Euro - weil das Gericht der so hohen Wertung des Wiener Kunsthistorikers Herbert Giese folgte. Die von der Stadt bemühte New Yorker Schiele-Expertin Jane Kallir schätzte den Wert nur auf 200.000 (163.092,23 Euro) bis 800.000 (652.368,92 Euro) US-Dollar, je nachdem ob es früher oder später im Oeuvre des Malers entstanden sei. Das Auftauchen der "Zwei Liegenden" gibt der Stadt Linz Hoffnung, dass auch die drei Schieles noch gefunden werden - die Auslobung von 5.000 Euro für Hinweise, die zu den Bildern führen, bleibt aufrecht.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Klimt als Schweigegeld: Verschollenes Bild aufgetaucht

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.