18 Jahre später: Macherin des Mahnmals am Judenplatz über ihr Werk

Nach der Enthüllung ihres Holocaustmahnmals blieb die englische Bildhauerin Rachel Whiteread fast 20 Jahre Wien fern. Mit ambivalenten Erinnerungen und einer Retrospektive kehrt sie zurück.

„Es war eine politisch sehr sensible Zeit“: Rachel Whiteread, geboren 1963 in London, hat das Holocaustmahnmal auf dem Judenplatz, eine inverse Bibliothek, gestaltet. Hier steht sie im Belvedere 21, in der Retrospektive auf ihr Werk, die davor in der Tate Britain in London zu sehen war.
„Es war eine politisch sehr sensible Zeit“: Rachel Whiteread, geboren 1963 in London, hat das Holocaustmahnmal auf dem Judenplatz, eine inverse Bibliothek, gestaltet. Hier steht sie im Belvedere 21, in der Retrospektive auf ihr Werk, die davor in der Tate Britain in London zu sehen war.
„Es war eine politisch sehr sensible Zeit“: Rachel Whiteread, geboren 1963 in London, hat das Holocaustmahnmal auf dem Judenplatz, eine inverse Bibliothek, gestaltet. Hier steht sie im Belvedere 21, in der Retrospektive auf ihr Werk, die davor in der Tate Britain in London zu sehen war. – (c) Michele Pauty

Rachel Whiteread ist ungefähr das Gegenteil von der Künstlerin, die man sich vorstellt, betrachtet man ihre minimalistischen Abgüsse aus Beton, Gips, Harz von historisch aufgeladenen oder ganz persönlichen Räumen und Gegenständen – „mumifizierte Luft“, wie sie sagt. Whiteread aber ist quirlig, fröhlich, herzlich. Wir treffen sie, eine der berühmtesten Künstlerinnen Englands, eine der berühmtesten Bildhauerinnen der Gegenwart, inmitten ihrer ersten Retrospektive in Österreich, im Belvedere 21. Wien beheimatet eines ihrer Hauptwerke, das Holocaustmahnmal auf dem Judenplatz. 1996 hatte eine Jury unter Vorsitz von Hans Hollein den Entwurf der damals 32-jährigen Turner-Preisträgerin ausgesucht. Die Eröffnung war für dasselbe Jahr anberaumt. Doch es sollte dann vier Jahre voller Diskussionen und Kritik dauern, bis die inverse Bibliothek schließlich eröffnet wurde – im Herbst 2000, als die erste schwarz-blaue Koalition an der Regierung war.

Die Presse: Die helle Halle des 20er-Hauses ist nicht wiederzuerkennen, völlig abgedunkelt. Fast kommt es einem vor, als befände man sich innerhalb einer Verschalung für einen Ihrer Raumabgüsse, und gleich kommt der Beton hereingeflossen. Wollen Sie Österreich lebend begraben?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2018)

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