Festspiele für die Kunst

Im Fahrwasser der Salzburger Festspiele versuchen auch zwei Kunstmessen, Geld zu machen. Beide setzen auf Klasse statt Masse.

Kolhammer & Mahringer bieten auf der Art & Antique unter anderem „Petrified Fores“ von Karel Appel an.
Kolhammer & Mahringer bieten auf der Art & Antique unter anderem „Petrified Fores“ von Karel Appel an.
Kolhammer & Mahringer bieten auf der Art & Antique unter anderem „Petrified Fores“ von Karel Appel an. – (c) Kolhammer Mahringer

Im Sommer ist Salzburg mit seinen Festspielen Anziehungspunkt für betuchtes internationales Publikum. Das nützt nicht nur die Kulturszene, sondern auch die Kunstszene, die sonst in der Ferienzeit mit dem berühmten Sommerloch zu kämpfen hat. Seit ein paar Jahren buhlen daher zwei kleine, feine Messen um die Gunst der Besucher.

Schon 2007 fand die erste Sommermesse mit Kunst und Antiquitäten parallel zu den Festspielen statt. Doch im Gegensatz zu den Osterfestspielen ist eine Messe im Sommer aufgrund von Urlaubszeit und höheren Temperaturen deutlich schwieriger zu veranstalten. So hat es bereits mehrere Veranstalterwechsel gegeben. Zuletzt hat Alexandra Graski-Hoffmann von MAC Hoffmann, Veranstalterin der Art & Antique zu Ostern sowie der Messe in der Hofburg in Wien, die Messe übernommen und als Art & Antique Residenzhof neu aufgestellt. Ein kluger Schritt war es, die Messe von den zwar prunkvollen, aber nicht klimatisierten Räumen der Residenz in ein gekühltes Zelt im Residenzhof zu verlegen. Das ermöglicht selbst bei den heißen Temperaturen des heurigen Rekordsommers einen entspannten Rundgang. Zehn Händler bieten heuer vom 11. bis 19. August eine breite Palette an Kunst und Antiquitäten, die von alten Ikonen über Kunst der Antike, Möbel, Gemälde der Klassischen Moderne und der Gegenwart bis hin zu Silber und Uhren reicht.

So findet man am Stand von Stefan Brenske beispielsweise eine veneto-kretische Ikone aus dem frühen 16. Jahrhundert, die die Gottesmutter zeigt, flankiert von Johannes dem Täufer und der Heiligen Katharina. Der Preis beträgt 22.000 Euro. Auf Kunst der Antike ist Christoph Bacher Archäologie Ancient Art spezialisiert und bringt unter anderem einen monumentalen römischen Marmorkopf eines Republikaners um 50 v. Chr., der 68.000 Euro kostet, sowie einen griechischen Bronze-Helm des chalkidischen Typs, wie er in der gesamten griechischen Welt von etwa 500 v. Chr. bis in die Zeit Alexander des Großen in Verwendung war. Angeschrieben ist er mit 38.000 Euro.

Kunsthandel Runge kombiniert Bauernmöbel mit sakralen Skulpturen, Gemälden und einem gotischen Altarsockel, der die heilige Elisabeth gemeinsam mit ihren Kolleginnen Magdalena und Afra zeigt und mit 28.000 Euro bepreist ist. Die heilige Elisabeth hat in Form einer Skulptur aus Lindenholz noch einen zweiten Auftritt bei Runge. Kostenpunkt für die Statue aus dem 15. Jahrhundert ist 85.000 Euro.

Klassische Moderne ist auf der Art & Antique quasi ein Pflichtprogramm. Zu finden ist sie auf mehreren Ständen, darunter etwa bei Kolhammer & Mahringer Fine Arts, beim Kunsthandel Freller und bei der Galerie Française. So ist bei Kolhammer & Mahringer etwa eine Arbeit von CoBra-Mitbegründer Karel Appel zu finden. „Petrified Fores“ aus dem Jahr 1961 bieten sie für 80.000 Euro an. Ebenfalls auf dem Stand ist eine Arbeit von Hans Makart für 38.000 Euro, während bei Freller Werke von Alfons Walde und Carl Moll zu finden sind.

Eine originelle alte Skulpturenuhr in Form eines Segelschiffs aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts steht am Stand von Lilly's Contemporary Art Exclusive Antiques. Die „Fregatte“ ist für 28.000 Euro zu haben. Gegenüber hängt eine Arbeit von Markus Prachensky aus dem Jahr 2008. „Korsika Bebop“ ist mit 60.000 Euro angeschrieben.

Kunstsalon. Die zweite Messe, die die Festspielzeit nützt und vom 4. bis 26. August stattfindet, ist die Art Salzburg. Sie ist 2015 auf Initiative einer Gruppe von Händlern entstanden. Thomas Salis, Wienerroither & Kohlbacher (W&K), Johannes Faber, Galerie Ruberl und Beck & Eggeling bekamen damals die prunkvolle Sala Terrena in der Universität als Ausstellungsräumlichkeit und riefen die Messe ins Leben. Später gesellte sich noch Philipp Konzett dazu, sodass nun sechs Händler ausstellen. Oberstes Kriterium dieses Formats ist Qualität. Lieber Klasse statt Masse ist das Credo, und das ziehen die Händler auch heuer wieder durch. Gezeigt wird eine Auswahl an Malereien, Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen. Die Art Salzburg versteht sich als Kunstsalon, bei dem die Stände nicht abgegrenzt sind, sondern die Arbeiten in Kontext gesetzt werden. Zusätzlich gibt es im angrenzenden Hof Dietrichsruh einen Skulpturengarten. Die Platzierung der Skulpturen orientiert sich an der ursprünglichen Gartenanlage, sodass die Werke in Dialog mit der historischen Architektur treten.

Zu den Höhepunkten bei Beck & Eggeling gehört heuer eine bedeutende große Nagel-Arbeit von Günther Uecker aus dem Jahre 1972. Wiener Aktionisten wie Otto Muehl und Günter Brus bietet Philipp Konzett, und Ruberl zeigt Arnulf Rainer neben Joseph Beuys und Oskar Kokoschka. W&K haben eine kleine Auswahl aus dem Galerieprogramm mit Schiele, Klimt, Kokoschka und Kubin sowie den hochpreisigen Pablo Picasso „Deux Musicien“, den sie in Kommission übernommen haben, mitgebracht. Thomas Salis hat unter anderem einen Max Ernst von 1957 und „Rythme et couleur“ von Sonia Delaunay ausgewählt. Abgerundet wird das Programm vom Fotospezialisten Johannes Faber mit Arbeiten von Rudolf Koppitz, Henri Cartier-Bresson und Bill Brandt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2018)

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