Wo Amerikas "Strahlen-Flüchtlinge" leben

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Eine Landschaft im Nirgendwo Amerikas, ohne Handys, ohne Mikrowelle, dafür mit riesigen Radioteleskopen: in Green Bank im US-Bundesstaat West Virginia gibt es keinen Mobilfunk- und WiFi-Empfang. Denn hier hat das Green-Bank-Observatorium seinen Sitz. Paul Kranzler und Andrew Phelps haben den Ort porträtiert. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist unter dem Titel "The Drake Equation" in der Landesgalerie Linz zu sehen.

Im Bild: 140 ft. Teleskop, Green Bank, West Virginia, 2015

 

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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Die amerikanische Regierung hat im Bundesstaat West Virginia Ende der 1950er-Jahre die 30.000 Quadratkilometer große "National Radio Quiet Zone" eingerichtet, damit keine elektromagnetischen Wellen die Arbeit der Observatorien stören. Seither leben dort Astrophysiker neben Einheimischen, die seit Generation dort Land besitzen. Und der Ort hat auch viele "Strahlen-Flüchtlinge" angezogen: Menschen, die unter "Elektrohypersensibilität" leiden.

Frank, ein Astrophysiker, starrt im Kontrollraum des Teleskops auf einen Monitor, auf dem die Daten zu sehen sind, Green Bank, West Virginia, 2015

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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Kranzler und Phelps sind 2015 für insgesamt fünf Wochen - aufgeteilt auf Frühjahr und Herbst - in die Gegend ohne elektromagnetische Strahlen gereist, um ihre erste gemeinsame Fotoarbeit zu realisieren. Herausgekommen sind beeindruckende Aufnahmen, intensive Porträts und die erste Videoarbeit der beiden Fotografen, in der die Menschen aus der außergewöhnlichen Gegend erzählen.

Zeichnung einer strahlenfreien Stadt von Architektin Jennifer Woods, Green Bank, West Virginia, 2015

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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Der 1979 in Linz geborene Kranzler stellt Menschen in den Vordergrund, das Hauptinteresse des aus Arizona kommenden Wahl-Salzburger Phelps gilt der zivilisatorischen Landschaft. Die strahlenfreie Umgebung um das Green Bank Teleskop bietet beides.

G.B.T. (Green Bank Telescope) ist mit 100 × 110m Durchmesser das größte vollbewegliche Radioteleskop der Welt, 2015

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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Die Drake-Equation, die der Ausstellung den Namen gibt, ist eine Gleichung, die zur Abschätzung der Anzahl der technischen, intelligenten Zivilisationen in der Milchstraße, dient. Sie wurde vom US-Atomphysiker Frank Drake entwickelt und 1961 in Green Bank vorgestellt.

140 ft Teleskop, Green Bank, West Virginia, 2015

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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"Überall, wo man Teleskope sieht, darf man nur analog arbeiten", erklärte Phelps. Daran hielten sich die beiden mit einer alten Hasselblad-Kamera - auch Belichtungsmesser waren tabu, für Nachteinstellungen musste es ein Feuerzeug tun. Je weiter die Teleskope weg sind, desto weniger streng das Verbot.

Hauptempfangsstelle, Green Bank Teleskop, West Virginia, 2015

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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Aufnahmen in den Häusern der Menschen und in den Büros der Wissenschafter etwa sind digital - sie arbeiten in mit Kupfer abgeschirmten Räumen.

Eingang Bürotrakt, Faraday-Käfig schützt gegen Elektrosmog, 2015

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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In Green Bank existieren Wissenschaft und Spirituelles nebeneinander - das ist vor allem in den Porträts sichtbar.

Diane Schou, Elektromagnetik-Hypersensitive, Green Bank, West Virginia, 2015

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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Wie etwa das Porträt der elfjährigen Mischa. Sie ist aufgrund "Elektromagnetischer Hypersensitivität" mit Vater und Oma hierhergekommen. Ob es sich dabei überhaupt um eine reale Krankheit handelt, ist unter Experten umstritten.

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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Mischa lebt in einer Waldhütte gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Großmutter.

"The Drake Equation": Ausstellung in der Landesgalerie Linz, 7. November bis 24. Februar

(c) Andrew Phelps & Paul Kranzler
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