"Sauna-Prinzip" fürs Museum der Moderne

Thorsten Sadowsky, neuer Direktor in Salzburg, will eine „richtige Mischung aus Akzeptanz und Verschreckung“.

Der Deutsche Thomas Sadowsky (56) ist neuer Direktor am Mönchsberg. Zuvor leitete er das Kirchner-Museum in Davos.
Der Deutsche Thomas Sadowsky (56) ist neuer Direktor am Mönchsberg. Zuvor leitete er das Kirchner-Museum in Davos.
Der Deutsche Thomas Sadowsky (56) ist neuer Direktor am Mönchsberg. Zuvor leitete er das Kirchner-Museum in Davos. – (c) APA/BARBARA GINDL

Antrittspressekonferenz, das ist nicht nur ein Unwort, sondern auch eine Unart. Es werden Mottos ausgegeben, die klingen müssen, als wären sie neu. Und dadurch immer klingen, als konterkarierten sie den Vorgänger. Der neue Direktor des Museums der Moderne (MdM) in Salzburg, Thorsten Sadowsky (56), gab am Mittwoch aus: Er wolle eine „geschichtsbewusste Vision für das Museum des 21. Jahrhunderts“ entwickeln. Ja, kann es denn ein geschichtsunbewusstes Museum überhaupt geben?

Natürlich, so Sadowsky zur „Presse“, wisse er, dass es im MdM immer auch historische Ausstellungen gegeben habe. Überhaupt schätze er die „hochqualitative“ Arbeit seiner Vorgängerin, Sabine Breitwieser, sehr. Mit dem Geschichtsbewusstsein meine er speziell die klassische Moderne, die er verstärkt zeigen wolle. Ein Übermaß an dieser kann man Vorgängerin Breitwieser tatsächlich nicht vorwerfen – sie positionierte das Museum mehr in Richtung performativer, konzeptueller, feministischer Kunst.

Mit der klassischen Moderne möchte sich Sadowsky auf die Gründungssammlung des Hauses beziehen, an die Schenkung des Galeristen Friedrich Welz, die vorwiegend aus Expressionismus und figurativer Kunst bestanden hat. Und aus Grafik. Seine erste Ausstellung ist daher programmatisch: Sie ist dem aus 1500 Glasnegativen bestehenden Fotowerk Ernst Ludwig Kirchners gewidmet, das Sadowsky am Kirchner-Museum in Davos aufarbeiten ließ, das er davor geleitet hat.

Werden jetzt viele kostengünstigere Grafikausstellungen der klassischen Moderne folgen? Nach Kirchner steht 2019 in Salzburg nämlich noch das Grafikwerk von Asger Jorn an. Nicht nur Grafik, meint Sadowsky, aber ein „derartiges Großprojekt kann man nicht innerhalb eines halben Jahres stemmen“. Prinzipiell folge sein Programm jedenfalls dem vom Gründer des Louisiana-Museums Knus Jensen formulierten „Sauna-Prinzip“: Warm stehe für publikumsträchtige, kalt für konzeptuell wichtige Ausstellungen. „Es geht um die richtige Mischung aus Akzeptanz und Verschreckung“, so Sadowsky.

 

Prädikat warm: 50 Jahre Mondlandung

„Warm“ sei wohl „Fly Me to the Moon. 50 Jahre Mondlandung“, die aus dem Kunsthaus Zürich übernommen wird und im Festspielsommer läuft. Gegen „kalt“ für die gleichzeitige Einzelschau der Israelin Sigalit Landau verwehrt Sadowsky sich allerdings ausdrücklich. Dass Landau 2016 die Ausstellung zu den Wiener Festwochen des heutigen Salzburger-Festspiele-Intendanten Markus Hinterhäuser beigesteuert hat, sei „lucky coincidence“, so Sadowsky, nicht abgesprochen. Man sei aber schon in guten Gesprächen für zukünftige Festspiel-Kooperationen. Ebenfalls eingebunden sei er in die Machbarkeitsstudie zu einem Fotomuseum des Bundes, schließlich beherbergt man wesentliche Fotosammlungen. Seine Einstellung zur Standortfrage folge seinem Stellenprofil: „Ich soll die Bedeutung des Museums mehren. Und Wachstum ist da immer gut.“

Apropos: Der Standort des Museums am Berg (100.000 Besucher) scheint ihm, der einmal ein Museum auf der Nordseeinsel Föhr eröffnet hat, kein besonders schwieriger: „700.000 Menschen im Jahr benutzen den Mönchsberglift. Wir haben also weniger ein Publikumsproblem als ein Abzweigungsproblem. Vielleicht muss das Kunsterlebnis schon früher anfangen, nicht erst hinter der Museumskassa.“ Vermittlung sei ihm ohnedies sehr wichtig, auch an Kinder und Jugendliche, was er zuletzt nicht so gegeben sah. Vermittlung habe am Haus schließlich Tradition: „Hier war die erste Kunstvermittlerin an einem österreichischen Museum fix angestellt“, erzählt er.

Er scheint sich schon gut in der Geschichte des Museums eingefunden zu haben. Auch in der Stadt selbst? „Ich weiß um den schwierigen Ruf Salzburgs. Aber ich habe auch Ethnologie studiert, ich sehe das auch als Feldforschung.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2018)

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