Leopold-Museum: Wieder offen mit Klimt und Gerstl

Ein turbulentes Jahr hat man hier hinter sich: Nach dem Ansturm der Besucher und einen Monat Schließung später eröffnet man jetzt wieder drei Geschoße.

Warten auf einen, der den Kopf wieder aufsetzt bzw. dafür zahlt: Powolny-Hermenvase, um 1906.
Warten auf einen, der den Kopf wieder aufsetzt bzw. dafür zahlt: Powolny-Hermenvase, um 1906.
Warten auf einen, der den Kopf wieder aufsetzt bzw. dafür zahlt: Powolny-Hermenvase, um 1906. – (c) Leopold Museum

Noch sieht man von außen nicht viel von der gläsernen „Libelle“, die auf dem Dach des Leopold-Museums Platz nehmen wird. Nur ein hoher Kran ragt schütter in den Nebelhimmel. Die Bauarbeiten für den Veranstaltungsraum und die Aussichtsterrasse haben aber schon begonnen, das Haus musste deshalb einen Monat lang schließen. Jetzt ist wieder offen, zumindest sind es drei von fünf Geschoßen. Auf diesen findet man immerhin vier Sonderausstellungen, bis auf die Jubiläumsausstellung zu Schieles 100. Todestag sind alle neu. Aber selbst den Schiele lohnt es sich noch einmal anzusehen, er wurde „reloaded“, wie man jetzt sagt: Die thematisch gegliederte Schau wurde mit zeitgenössischer Kunst neu aufgeladen, was großteils großartig gelang!

Allein Schieles ambivalente Mutter-Abarbeitungen mit den ebenso ambivalenten Mutter-Selbstbefragungen von Louise Bourgeois zu kontrastieren, ist ein Genuss. Oder die Fotos von Jürgen Klaukes performativen Geschlechterüberschreitungen im Raum von Schieles genderspielerischen Posen. Im Untergeschoß ist eine recht akademische, ein wenig aus der Not entstanden wirkende Ausstellung der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts gewidmet. Bei den vielen kleineren Formaten merkt man, was in diesen Sälen oft auffällt: Sie wirken in ihrer opulenten Breite oft wahnsinnig leer, die „Flachware“ an den Wänden wie aufgefädelt. Hier braucht man eine dichte Ausstellungsarchitektur wie zuletzt bei „Madame d'Ora“. Zum Titel, „Wege ins Freie“, passt diese Leere ja vielleicht aber auch. Am liebsten würde man mitten im Raum eine Staffelei aufstellen.

Nebenan eine weitere neue Ausstellung, im Grafikkabinett, gewidmet den „Verborgenen Schätzen“ der Sammlung, also Werken, die restauriert werden sollen und hier um finanzielle Unterstützung werben. Bei einigen möchte man sagen, zu Recht verborgen. Andere möchte man augenblicklich adoptieren. Gesucht werden aber nur „Paten“, etwa für Kolo Mosers silbernen Tafelaufsatz, den man um 740 Euro polieren lassen kann. Zu Mosers 100. Todesjahr heuer sollte sich das unbedingt jemand noch leisten.

 

2019 herrscht Expressionismus

Moser ist auch einer der drei neuen Künstlerräume im prominenten Erdgeschoß gewidmet, sozusagen die Tröstung über zwei geschlossene Sammlungsgeschoße. Hier wird ganz konzentriert ein Best-of dreier Größen des Museums geboten, Moser, Gustav Klimt, Richard Gerstl. Letzterer wird uns 2019 endlich umfassender begegnen. Nachdem die Retrospektive aus der Frankfurter Schirn es zwar nach New York, nicht aber nach Wien geschafft hat, legt das Haus mit der größten Gerstl-Sammlung jetzt selbst nach, kuratiert von Direktor Hans-Peter Wipplinger und Diethard Leopold (ab 27. 9.).

Das deutet bereits den Schwerpunkt für 2019 an: Expressionismus. Highlight ist ab 6. April die große Kokoschka-Retrospektive, deren erste Station nächste Woche im Kunsthaus Zürich eröffnet („Die Presse“ berichtete). Spannend in dem Zusammenhang auch die längst überfällige Aufarbeitung von Olga Wisinger-Florian, weit mehr als nur „Stimmungsimpressionistin“ oder „nur“ Schülerin von Landschaftsmaler Emil Jakob Schindler (ab 24. Mai). Am Ende weist auch ihr Werk bereits in Richtung Expressionismus, wie ein winziges Ölbild, fast eine Landschaftsminiatur Wisinger-Florians in der Ausstellung „Wege ins Freie“ schon jetzt andeutet.

Auch zwei Privatsammlungen werden wieder im Leopold-Museum gastieren, 130 Werke des deutschen Expressionismus aus der Schweizer Sammlung Braglia und der deutschen Sammlung Johenning. Der Kurator Ivan Ristic hofft auch bei diesen auf den „Wow!“-Effekt, viel Glück. Gemeint sind damit die langen Schlangen, die heuer schon vor dem Leopold-Museum standen, um die Erstpräsentation der Sammlung von Heidi Horten zu bestaunen. Dieses interessante Phänomen, eine seltsame Mischung aus Glamour- und Klassische-Moderne-Sehnsucht, bescherte dem Haus einen neuen Besucherrekord, erstmals wird man über eine halbe Million kommen, verkündete Direktor Wipplinger. Auch die Einnahmen waren höher denn je, was eine Steigerung von 1,5 auf 6,5 Mio. Euro bedeutet. Das habe vor allem mit dem Ausbau der Sponsoringaktivitäten und dem Patrons-Circle zu tun, so Wipplinger. Woran wohl die ehemalige Belvedere-Direktorin Agnes Husslein, die jetzt im Leopold-Vorstand sitzt, nicht ganz unschuldig sein wird. „Es läuft jedenfalls mehr als rund“, ist Wipplingers Resümee.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2018)

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