Neuer Museumsbeirat wurde personell gestrafft

Nach der Aufregung um die Neubesetzung des Filmbeirats hat Kulturminister Blümel jetzt den Museumsbeirat erneuert: inhaltlich weniger provokant, dafür formal gestrafft mit vier statt sechs Mitgliedern.

Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien.
Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien.
Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien. – (c) Clemens Fabry

Wie als Antwort auf den diese Woche über den „Kurier“ publik gewordenen Brief des Präsidenten des österreichischen Museumsbunds, Wolfgang Muchitsch, an Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP), in dem dringend die Neubesetzung des Museumsbeirats eingemahnt wurde, gab das Ministerbüro gestern, Mittwoch, die neuen Namen bekannt. Und gleich vorab: Über diesen Beirat kann man sich zur Abwechslung nicht erregen, er scheint ideologisch unverdächtig und fachlich kompetent.

Angetreten, bis 2021 über die Aufteilung des Subventionstopfs von insgesamt 700.000 Euro an kleinere und mittlere Museen in Österreich zu entscheiden, sind: Andreas Rudigier, Direktor des Vorarlberg-Museums, Michael Weese, Direktor des Salzburger Freilichtmuseums, Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, und die im Museumsmanagement Niederösterreich aktive Kulturvermittlerin Helga Steinacher. Abgelöst wurden Doris Prenn, Helmut Lackner, Christina Leitner, Bettina Habsburg-Lothringen, Peter Keller und Gabriele Rath. Auffällig also vor allem: Die neuen Beiräte stammen im Gegensatz zu den alten fast durchwegs aus größeren Landesinstitutionen. Und es sind nur noch vier, nicht sechs. Keine große Sache, so Blümel-Sprecherin Anna Edlinger, laut Geschäftsordnung könne ein Beirat auch nur drei Mitglieder haben.

 

3300 Unterschriften gegen Filmbeirat

Die letzte Nachbesetzung im Bundeskanzleramt hatte für viel Kritik gesorgt: In den Beirat zur Förderung des innovativen Films wurden drei Männer berufen, an deren Qualifikation Brancheninsider, gelinde gesagt, Zweifel hegen: Der Spielfilm-Produzent Alexander Glehr und der TV-Produzent Oliver Auspitz (der Mann etwa hinter den „Vorstadtweibern“ und Blümels Austro-Lieblingsfilm „Maximilian“) würden sich zwar mit kommerziellem Film auskennen, hätten aber keine Erfahrung im Avantgarde- und Experimentalfilm-Bereich, dessen Florieren sie mit ihren Förderempfehlungen – 2,2 Mio. Euro fasst der Topf der „kleinen Filmförderung“ – sicherstellen sollten. Als Dritter wurde der weitgehend unbekannte Schauspieler Hannes Fretzer bestellt; die vierte, Kerstin Parth, Wissenschaftlerin an der Filmakademie, soll angesichts dieser Auswahl ihre Bestellung gar nicht erst angenommen haben.

Kritisiert wurden auch die beiden Neuzugänge im Festivalbeirat: In diesen bestellte Blümel den Schauspieler Serge Falck, der Sebastian Kurz im Nationalratswahlkampf unterstützt hatte, und den TV-Produzenten und Metropol-Chef Peter Hofbauer, dessen Frau, Vera Russwurm, u. a. dem Gesundheitsministerium ihr Gesicht leiht. Expertise im Filmfestivalbereich können beide nicht vorweisen. „Unsere Erfolge haben sich nicht automatisch eingestellt; sie sind das Ergebnis langjähriger und weitsichtiger Zusammenarbeit von hoch qualifizierten Beamtinnen und Beiratsmitgliedern“, schreiben Filmschaffende in einem Appell an den Kulturminister: Er möge die Neubestellungen überdenken. Gut 3300 Unterschriften hat die Petition der neu gegründeten IG Filmkultur bisher. Blümel wies die Kritik zurück, die neuen Beiratsmitglieder sind seiner Meinung nach „hoch qualifiziert“. (sp/kanu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2019)

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