Streit unter Österreichs Galeristen

Werden heimische Galerien gezielt von der Wiener Kunstmesse ausgeschlossen?

Konflikte unter Galeristen werden gewöhnlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen. Jetzt hat eine Galerie dieses stillschweigende Übereinkommen gebrochen. In einer offenen Email-Aussendung beschweren sich die in Innsbruck und Wien ansässigen Galeristen Elisabeth und Klaus Thoman, dass „aus persönlichem Konkurrenzdenken potente österreichische Galerien von der Teilnahme an der viennacontemporary“ ausgeschlossen würden – namentlich ihre eigene Galerie. Was ist passiert?

Oft melden sich mehr Bewerber für die Teilnahme an Kunstmessen, als es der Platz zulässt, weswegen fast jede Kunstmesse mit einem Expertenkomitee aus Galeristen über die Zulassung entscheidet. Auch die Wiener Kunstmesse viennacontemporary, die heuer wieder im September in den Marxhallen stattfindet. Ihr Komitee versuche „unsere Teilnahme an der viennacontemporary einzuschränken bzw. zu verhindern“, schreiben Thoman.

Als Absagegrund wird „Platzmangel“ genannt – ein überraschendes Argument, gehört die 1977 in Innsbruck gegründete Galerie Thoman doch zu den bekanntesten Kunsthändlern Österreichs. Auf Nachfrage will keines der Komitee-Mitglieder (Ursula Krinzinger, Emanuel Layr, Nikolaus Oberhuber, Margit Valko) die Entscheidung näher erklären – denn die Messe hat ihnen Schweigen verordnet. Umgekehrt verweist Messe-Geschäftsführer Renger van den Heuvel auf das Komitee: „Das Reglement der Messe sieht vor, dass ein Komitee über die Zulassung der Galerien entscheidet. Diese Entscheidung ist sowohl für uns, die viennacontemporary, bindend, als auch für die betroffenen Galerien.“

 

Was möglicherweise dahinter steckt

Aber natürlich wird in Wien bereits viel über die Gründe spekuliert. Liegt es an dem Lagerverkauf, zu dem Thoman vor einiger Zeit Kunstwerke mit einem Rabatt von 50 Prozent anboten? Oder an ihrer Entscheidung, eine Beteiligung an den Ressler Kunst Auktionen zu kaufen? Die 11. Auktion fand in ihren Wiener Räumen statt, unter den Hammer kamen 31 Werke der Galerie „zu äußerst günstigen Konditionen“, wie es in der Presseaussendung vorab hieß. Versteigert wurden u. a. Werke von Franz West, Herbert Brandl, Hermann Nitsch – Künstler, die auch von anderen Galerien vertreten werden und schon wieder wie in einer Schnäppchen-Aktion zur Hälfte des gängigen Marktwertes ausgerufen wurden.

Ihre Beteiligung am Auktionshaus sehen sie als „neues Geschäftsfeld“, wie Klaus Thoman im Gespräch erklärt, „alle Galerien müssen sich neue Verkaufswege überlegen“. Er erklärt sich den Ausschluss mit „alten Rivalitäten“. Schon zum dritten Mal werde ihre Teilnahme behindert. Mit dem Brief hätten sie jetzt ihren Unmut gezeigt, „und das reicht“. Die Messe sei für sie nie wirklich lukrativ gewesen, rechtliche Schritte planten sie nicht – „die Teilnahme ist für uns zu unbedeutend“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2019)

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