Kunst aus dem Rechner

Am Computer generierte Kunst, Virtual-Reality-Arbeiten und sogar Künstliche Intelligenz erobern die Kunstwelt.

KI-generiert: „Memories of Passersby I“ ist derzeit im Kunstverein Hannover.
KI-generiert: „Memories of Passersby I“ ist derzeit im Kunstverein Hannover.
KI-generiert: „Memories of Passersby I“ ist derzeit im Kunstverein Hannover. – (c) Courtesy: of Onkaos

AI: More than Human“ im Londoner Barbican Center, „Entangled Realities“ im Haus der elektronischen Künste in Basel und „Artistic Intelligence“ im Kunstverein Hannover sind drei Ausstellungen, die sich allein dieses Jahr schon mit digitaler Kunst beschäftigt haben. Aber auch Museen wie die Londoner Tate, das Centre Pompidou oder das MoMA in New York haben der Kunst, die am Computer entsteht, Ausstellungen gewidmet. Neue Technologien bieten Künstlerinnen und Künstlern neue Möglichkeiten: Die CNC-Fräse, die ein Objekt aus verschiedenen Materialien schält, die Skulptur, die aus dem 3D-Drucker kommt, digital programmierte Kunstwerke, die auf Screens zu sehen sind, bis hin zur gänzlichen Virtualisierung, bei der Betrachter über VR-Brillen und Headsets in eine virtuelle Welt eintauchen. Und dann gibt es noch Kunst, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz entsteht. Oder anders ausgedrückt, die Computer werden selbst schöpferisch.

KI-Szene. Es mag viele überraschen, dass es seit längerem eine Kunstszene gibt, die mit Algorithmen arbeitet. Die Ars Electronica bietet seit Jahren solchen Künstlern eine prominente Plattform. Einem breiteren Publikum ist KI-Kunst erst seit den beiden Auktionen bei Christie's und Sotheby's ein Begriff. Christie's sorgte 2018 für Schlagzeilen, als das vom französischen Künstlerkollektiv Obvious stammende Porträt „Edmond de Belamy“ einen Zuschlag von 350.000 Dollar erzielte. Das übertraf alle Erwartungen. Der obere Schätzpreis lag bei nur 10.000 Dollar. Die Franzosen arbeiten mit GAN, das steht für „generative adversarial network“ und ist in der KI-Kunstszene der gängige Algorithmus. Sie haben die KI mit 15.000 Porträts vom 14. bis zum 20. Jahrhundert gefüttert und diese generiert eigene, neue Bilder daraus.

Zu den bekannteren Stars unter den KI-Künstlern zählt der Deutsche Mario Klingemann. Er kann bereits auf zahlreiche Preise und Ausstellungen verweisen und ist auch in den aktuellen Schauen zu sehen. Seine Installation „Memories of Passersby I“ war das zweite KI-Werk, das zu einer Auktion gelangte. Es besteht aus zwei digitalen Bilderrahmen, die mit Kabeln an ein darunter stehendes Kästchen angeschlossen sind. In diesem befindet sich der Computer, der die Bilder erzeugt. Eine Kamera nimmt die Person, die vor der Installation steht, auf, und die KI generiert in Echtzeit daraus ein Bild, das sich an Porträts aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert orientiert. Jedes Porträt gibt es nur ein einziges Mal. Sotheby's versteigerte die Arbeit im Februar in London für 30.000 Pfund. Verglichen mit dem Zuschlag für „Edmond de Belamy“ ist das wenig, doch hatte Christie's den Vorteil, das erste KI-Werk versteigert zu haben.

Tatsächlich gewinnt die Szene an Bedeutung. Seit 2018 haben mehr Galerien solche Werke im Programm und es gibt die ersten Sammler, die Auftragsarbeiten bestellen, wie die Londoner Zabludowicz Collection. Zu den Stars der Szene zählen neben Klingemann die Deutsche Anna Ridler, der Neuseeländer Tom White und der Brite Jake Elwes.

VR-Kunst. Während KI-Kunst eigene Künstler hervorbringt, ist Virtual Reality ein Medium, das auch von Künstlern und Künstlerinnen wie Anish Kapoor oder Marina Abramović verwendet wird. Umgesetzt werden die Werke von eigenen VR-Produktionsfirmen. VR-Kunst ist schon mehr Mainstream als KI-Kunst. So taucht sie bereits regelmäßig auf Kunstmessen auf, wie auf der Art Basel Hong Kong im März, der Frieze New York im Mai, und auch auf der aktuellen Art Basel hat Hauser & Wirth VR-Kunst auf ihrem Stand.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2019)

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