Trude Waehner: Ein Wiener Malerinnenschicksal

Kunsthandel Widder stellt eine vergessene Wiener Malerin vor: Trude Waehner.

Trude Waehner Wiener Malerinnenschicksal
Trude Waehner Wiener Malerinnenschicksal
(c) Bilderbox

In einer Seitengasse der Josefstädter Straße hatte Trude Waehner in den 20er-Jahren ihr Atelier in Wien, im elterlichen Bürohaus, eingerichtet mit heute kostbaren Möbeln und Stoffen von Josef Frank. Hier trafen sich Mitglieder des Wiener Kreises wie der Mathematiker Karl Menger, der Philosoph Karl Popper, der Soziologe Otto Neurath. Als Waehner 1938 wegen ihres antifaschistischen Engagements und ihres zweiten, jüdischen Ehemanns emigrieren musste, zogen hier Heimito von Doderer und Albert Paris Gütersloh ein. Erst 1948, nach langwierigen Verfahren, bekam die Malerin ihre Räume wieder zurück, nachdem sie Doderer ein Zimmer in einer anderen Wohnung des Hauses zur Verfügung stellen konnte. Waehners Sohn (88) hat dafür gesorgt, dass das Atelier seit dem Tod der Mutter 1979 erhalten blieb – und bleiben wird. Es ist bereits im Besitz der Stadt Wien.

Ausstellung bei „Art Austria“. Den künstlerischen Nachlass Trude Waehners hat vor zwei Jahren der Wiener Kunsthandel Widder erworben; in der Galerie Szaal gab es bereits 2004 eine Vorstellung von Waehners Werk. Seither aber war Pause. Erst bei der am 27.Mai startenden Kunstmesse „Art Austria“ im Museumsquartier wird Roland Widder wieder eine Auswahl der 50, 60 Ölbilder, 100 Aquarelle und hunderten Zeichnungen zeigen. Und zwar mit Fokus auf die New Yorker Jahre der zwischen Fauves und Neuer Sachlichkeit einzuordnenden Malerin. Zwischen 1938 und 1947 hat sie in den USA neben ihrer freien künstlerischen Tätigkeit auch unterrichtet, privat und an zwei Colleges. Sie beschäftigte sich mit Psychoanalyse und der therapeutischen Kinderzeichnung, malte ihre Schüler, das Alltagsleben, den Blick von ihrem Atelier auf die Stadt.

Diese Ölbilder kosten durchschnittlich zwischen 3000 und 10.000 Euro, Widder ist aber bewusst, sagt er, dass er mit einigen besonders dekorativen Ausreißern, etwa den „Hyazinthen im New Yorker Atelier“ (22.000 Euro), „das ganze Projekt der Nachlassaufarbeitung“ wird finanzieren müssen.

Leider verschollen sind die Werke, die Waehner in ihrer Zeit als Schülerin von Paul Klee und Wassily Kandinsky am Bauhaus Dessau schuf – „keine andere österreichische Künstlerin dieser Zeit hat solch unbestritten avantgardistische Lehrer gehabt“, so der Katalog. Dafür blieb Waehner auffällig konservativ – ja, sie trat eher in stilistischen Widerstand zu den am Bauhaus vertretenen abstrakten Strömungen. Dafür entstanden unter Einfluss der Neuen Sachlichen wie Otto Dix starke antifaschistische Holzschnitte. Kurz vor einer Ausstellung bei Galerist Cassirer, die den Durchbruch versprach, aber wurde Waehners Atelier in Berlin devastiert. Sie floh 1933 zurück nach Wien, wo sie sich im Werkbund engagierte. Einige Jahre lang. Dann ging die Flucht weiter.

Ausstellung Trude Waehner, Amerika, Kunsthandel Widder bei der „Art Austria“ (27.bis 30.Mai, MQ) und danach bis Ende Juni in der Galerie, Johannesgasse 9–13, Wien 1.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2010)

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