Die Schätze von Chatsworth House

Verkaufsausstellung. Zu den bedeutendsten Familiensammlungen Englands gehört die des Herzogs von Devonshire. Ein kleiner Teil der Sammlung wird jetzt bei Sotheby's in New York verkauft, begleitet von einer umfangreichen Ausstellung.

Neben einigen Alten Meistern sind aus der Sammlung Chatsworth auch die Arbeiten von Pippin Drysdale aus der „Devil's Marbles Series“ zu kaufen.
Neben einigen Alten Meistern sind aus der Sammlung Chatsworth auch die Arbeiten von Pippin Drysdale aus der „Devil's Marbles Series“ zu kaufen.
Neben einigen Alten Meistern sind aus der Sammlung Chatsworth auch die Arbeiten von Pippin Drysdale aus der „Devil's Marbles Series“ zu kaufen. – (c) Julian Cassady Photography LTD.

Chatsworth House, mehr Schloss denn Haus, ist eines der geschichtsträchtigsten Bauwerke Großbritanniens. Das Schloss auf einem Grundstück von fast fünf Hektar ist seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Adelsfamilie Cavendish, die Dukes und Duchesses of Devonshire. 1549 gab Bess of Hardwick, Gattin des ersten Herzogs von Devonshire, den Auftrag für den Bau. Sie sparte nicht an protziger Architektur, Einrichtung und Kunst und legte damit den Grundstein für eine über 500 Jahre bestehende Familiensammlung mit bedeutender Kunst, die von Alten Meistern wie Renoir, Rembrandt oder Tintoretto bis zur Gegenwart reicht mit Künstlern wie Lucian Freud, der die Devonshire-Porträts gemalt hat.

Peregrine Cavendish, der 12. Herzog von Devonshire, ist auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Auktionshauses Sotheby's. Anlässlich des 275. Jubiläums des Hauses sowie der Eröffnung der neuen Ausstellungsräumlichkeiten von Sotheby's in Manhattan hat das Auktionshaus einige der herausragendsten Kunstwerke und Schätze aus dem Chatsworth House nach New York gebracht, wo die Ausstellung bis 18. September zu sehen ist. Knapp 90 Objekte aus der Sammlung Chatsworth stehen zudem zum Verkauf.

Inszenierte Geschichte. Um den Besuchern nicht nur die Kunstwerke, sondern auch das Ambiente und die Stimmung von Chatsworth näherzubringen, wurde der Bühnenbildner David Korins, der unter anderem das Bühnenbild für das Broadway-Musical „Hamilton“ schuf, mit der Gestaltung der Ausstellung beauftragt. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit von Korins mit Sotheby's. 2017 versteigerte das Auktionshaus in New York historische Briefe von Alexander Hamilton, einem der Gründerväter der USA und Held des Musicals. Anlässlich dieser Auktion inszenierte Korins die Preview dieser Briefe.

Die Ausstellung umfasst Kunstwerke, Mobiliar und Schmuck ebenso wie persönliche Gegenstände der Familie. Gleich beim Eingang glitzert etwa die Davenshire-Tiara, man findet das Krönungskleid aus Hermelin, Samt und Seide, das die Herzogin Deborah 1953 zur Krönung von Elizabeth II. trug ebenso wie zwei Porträts von Peregrine Cavendishs Mutter und Vater, gemalt von Lucian Freud. Auch zu sehen ist ein psychedelisches, digitales Porträt der Schwiegertochter Laura von Installationskünstler Michael Craig-Martin.

Zu den Höhepunkten von „Treasures from Chatsworth“ zählt „Leda mit dem Schwan“, eine frühe Zeichnung von Leonardo da Vinci, die das letzte Mal 2003 in New York im Rahmen der Ausstellung „Leonardo da Vinci, Master Draftsman“ im Metropolitan Museum of Art ausgestellt war. Die wird aber nicht verkauft.

Überhaupt ist Chatsworth für seine Sammlung von Altmeistergemälden und -zeichnungen bekannt. Einige davon stehen zum Verkauf, wie etwa ein Porträt von Heinrich VIII. von Hans Holbein, das für mehr als 1,5 Millionen Dollar angeboten wird. Die Familie trennt sich zudem von einem „Porträt eines Mannes“ von Frans Hals − Preis auf Anfrage. Sotheby's versteigerte das Werk 2013 in London für 2,6 Millionen Pfund. Zwei weitere Spitzenwerke sind eine Ansicht von Rom von Giovanni Paolo Panini, die mit 1,95 Millionen Dollar angeschrieben ist, sowie von Canaletto ein „Architektonisches Capriccio mit Ruine“.

Im Bereich zeitgenössische Kunst können ein paar Arbeiten von Lucian Freud erworben werden, wie beispielsweise eine Zeichnung eines sitzenden Mädchens von 1985 für 65.000 Dollar oder ein Männerporträt in Öl von 1955 für 1,3 Millionen Dollar. Zeitgenössische Skulpturen gibt es von Pippin Drysdale. „Stormclouds“ von 2018 kostet 82.000 Dollar, „Constellation VII“ aus demselben Jahr 50.000 Dollar.

Wer nach Günstigerem sucht, ist bei Porzellan, Silber und Keramik besser aufgehoben. Da starten die Preise bei 14.000 Dollar, beispielsweise für „Still Life of Nine Vases“ von Andrew Wicks. Allerdings gibt es auch teure Stücke, wie zwei seltene Meissen-Figuren von 1735 für 900.000 Dollar.

Es ist nicht das erste Mal, dass aus der Sammlung von Chatsworth House etwas verkauft wird. So kam etwa 2012 eine Zeichnung von Raffael auf den Markt, die bei Sotheby's einen neuen Rekordpreis für Altmeisterzeichnungen von 29,7 Millionen Pfund erzielte.

Eröffnung

Umbau. Das Auktionshaus Sotheby's hat seine Ausstellungsräume in New York erweitert. Die erste Ausstellung zur Wiedereröffnung widmet sie der Sammlung von Chatsworth House, die bis 18. September in der Niederlassung in Manhattan zu sehen ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Die Schätze von Chatsworth House

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.