Einkauf in der Wunderkammer Bamberg

Während die Branche Sommerpause macht, lädt der Handel in Bamberg zu den Antiquitätenwochen. Die Wagner-Festspiele in Bayreuth sorgen für Gäste.

Das Triptychon „Maria mit Kind“ stammt aus Südtirol um 1475 und wird dem Umkreis von Friedrich und Michael Pacher zugeschrieben. Zu finden ist es beim Kunsthandel Senger.
Das Triptychon „Maria mit Kind“ stammt aus Südtirol um 1475 und wird dem Umkreis von Friedrich und Michael Pacher zugeschrieben. Zu finden ist es beim Kunsthandel Senger.
Das Triptychon „Maria mit Kind“ stammt aus Südtirol um 1475 und wird dem Umkreis von Friedrich und Michael Pacher zugeschrieben. Zu finden ist es beim Kunsthandel Senger. – (c) beigestellt

Die barocke Domstadt Bamberg mit ihrem Residenzschloss hoch über der Altstadt bietet den geeigneten Rahmen für edle Möbel, Kunsthandwerk, Skulpturen und alte Meister. Im Sommer hat man dank des benachbarten Bayreuth mit seinen weltbekannten Wagner-Festspielen internationale Klientel in der Region. Sie kommen gerne ins nahe gelegene Bamberg für einen Rundgang durch die pittoreske mittelalterliche Stadt, die immerhin seit 1993 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

Um das sonst sehr ruhige Sommergeschäft anzukurbeln, haben sich die Kunst- und Antiquitätenhändler zusammengeschlossen und veranstalten mittlerweile schon zum 24. Mal die Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen, die heuer vom 23. Juli bis 23. August laufen. Ergänzt wird das Programm von Ausstellungen im Diözesanmuseum, Vorträgen und auch Konzerten. Die Antiquitätenhändler befinden sich allesamt in denkmalgeschützten Altstadthäusern und sind in der Altstadt unterhalb des Doms in Gehweite voneinander entfernt.

Lange Tradition. Bamberg hat erstaunlich viele Kunst- und Antiquitätengeschäfte. Das ist historisch begründet. Die Stadt blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont, daher gab es hier noch viel Ware. Gleichzeitig gab es eine starke Kaufkraft durch den amerikanischen Stützpunkt, und Amerikaner hatten Freude an Antiquitäten. Heute bündeln die Händler beim Marketing ihre Kräfte. Gerade diese Sparten können mehr Sichtbarkeit brauchen, denn Mobiliar und altes Kunsthandwerk wird immer schwerer zu verkaufen. Die Preise fallen, außer es handelt sich um ganz außergewöhnliche Raritäten. Die Zeiten, in denen sich Sammler ganze Häuser oder Wohnungen mit Antiquitäten eingerichtet haben, sind vorbei. Auch den Alten Meistern hat die zeitgenössische Kunst längst den Rang abgelaufen. Solche Initiativen für gemeinsame Vermarktungsaktivitäten finden sich daher auch international immer öfter.

Das Angebot umfasst sieben Jahrhunderte und ist, von ein paar Kuriositäten abgesehen, überwiegend von guter Qualität. Das liegt an international anerkannten Händlern wie Walter Senger. Er ist langjähriger Aussteller bei der Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht, ebenso auf der Masterpiece in London und der Cologne Fine Art. Bei den Kunst- und Antiquitätenwochen zeigt er in seinem Gewölbekeller gotische Skulpturen, wie etwa eine Heilige Barbara aus Lindenhaus, entstanden um 1480 in Franken, oder eine Heilige Katharina aus Kärnten um 1520. Bei Senger findet man angeblich auch das kostbarste Exponat. Es handelt sich um ein Gemälde der Malerin Barbara Rosina de Gasc. Sie malte eine höfische Gesellschaft im Park. In der Mitte Leopoldine Marie von Anhalt-Dessau mit ihrem Gemahl Markgraf Friedrich Heinrich von Brandenburg-Schwedt umgeben von Mitgliedern des Hofstaates, einer tanzenden Barbarina und einem Selbstporträt der Malerin. Sie war eine der wenigen Alten Meisterinnen, die professionell arbeitete. Das Bild befand sich im 19. Jahrhundert im Besitz des Hauses Hohenzollern. Bei den Gemälden kann Senger das Triptychon „Maria mit Kind“, entstanden um 1475 im Umkreis der Südtiroler Künstler Friedrich und Michael Pacher, anbieten, das früher wohl als Hausaltar gedient hat.

Der Schwerpunkt des Angebots von Christian Eduard Franke sind Möbel aus sechs Jahrhunderten. Zu den Besonderheiten gehören die seltenen Arbeiten der Familie Roentgen, darunter ein Aufsatzsekretär aus der Werkstatt von David Roentgen.

Das Haus Wenzel ist eigenen Angaben zufolge die älteste Kunsthandlung in Bamberg. Matthias Wenzel bietet Möbel des 17. bis 19. Jahrhundert sowie Gemälde alter Meister. Im Segment Kunsthandwerk findet man bei Silberkontor Heiss vorrangig skandinavisches Silber aus der Zeit des Jugendstils bis heute. Julia Heiss hat eine besondere Vorliebe für Silber des dänischen Silberschmieds Georg Jensen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2019)

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