Drei Frauen und 300 m2

Eine rein weibliche Truppe, die das auch selbstbewusst zeigt: Das ist die Rip Off Crew. Beim Calle Libre bemalen sie eine Wand in Wien-Margareten.

Die Rip Off Crew am Donaukanal: Katharina Löffelmann, Mariella Lehner und Linda Steiner (von links). Die Frau im Hintergrund ist von Steiner.
Die Rip Off Crew am Donaukanal: Katharina Löffelmann, Mariella Lehner und Linda Steiner (von links). Die Frau im Hintergrund ist von Steiner.
Die Rip Off Crew am Donaukanal: Katharina Löffelmann, Mariella Lehner und Linda Steiner (von links). Die Frau im Hintergrund ist von Steiner. – (c) Clemens Fabry

Wer von der Franzensbrücke den Donaukanal hinaufspaziert, dem könnten an den bunten Mauern vielleicht einige starke Bilder auffallen: ein grün verschlungenes „Rage“, eine füllige Frau, die sich gegen Bewertungen wehrt („My only cage is your opinion“) oder ein Frauengesicht mit einem prominenten Schriftzug: „Smash the Patriarchy!“

Feminismus ist ein Thema für die drei Frauen, die hinter den Kunstwerken stehen – nicht das einzige, aber eines, das sie durchaus beschäftigt. Auch, weil sie in einer eher männerdominierten Szene tätig sind. „Allein die Tatsache, dass wir in dem Umfeld existieren als weibliche Crew, könnte man schon als politischen Akt sehen“, sagt Katharina Löffelmann (25). Mit Mariella Lehner (26) und Linda Steiner (26) bildet sie die Rip Off Crew – eine der Künstlergruppen, die im Rahmen des Calle-Libre-Festivals in Wien ab heute im öffentlichen Raum malen.

Die 30 Meter hohe Feuermauer in der Mauthausgasse im fünften Bezirk, die die drei Frauen in ein Kunstwerk verwandeln werden, ist mit 300 Quadratmetern ihr größtes Projekt. Gerade haben sie in Osttirol 160 Quadratmeter bemalt, das war bis dahin ihr Rekord, davor eine Wand im Wien-Museum. Es geht gerade rasant nach oben. „So, wie es sein sollte“, sagt Lehner.

Dabei sind die drei eigentlich noch nicht sehr lang in der Szene: Als Trio gibt es sie seit ziemlich genau einem Jahr. Und während Löffelmann schon seit einigen Jahren Street-Art macht, sind Lehner und Steiner in dem Bereich noch vergleichsweise neu. Wobei sie – alle drei haben die Grafische in Wien absolviert, Lehner und Löffelmann studieren aktuell Zeichnung – schon länger künstlerisch tätig sind.

„Ich male schon lang auf Leinwand, auch großformatig“, sagt Steiner, die freischaffende Künstlerin ist. Und obwohl man sich für die Arbeit auf den großen Wänden ein paar neue Techniken aneignen müsse – das Sprayen etwa, das je nach Motiv eingesetzt wird –, sei der Unterschied dann auch wieder nicht so gewaltig. Während sie hauptsächlich auf menschliche – häufig weibliche – Figuren setzt, ist Lehners Zugang eher zeichnerisch, der von Löffelmann typografisch.

Dass sie sich als Trio Rip Off Crew nennen, kommt von einer Idee, die sie kurzzeitig einmal zusammen wälzten, als sie glaubten, sie würden nie zum ersehnten Isolation Camp eingeladen werden, bei dem sich Künstler auf eine Alm zurückziehen. „Wir haben uns gedacht, dann machen wir halt unser eigenes Camp“, sagt Löffelmann: ein Rip-off, einen Abklatsch. Dazu kam es freilich nie – zum echten Camp wurden sie inzwischen auch eingeladen.

„Da malt eine Mädelsgruppe“

Ein bisschen habe sich die männerdominierte Street-Art-Szene schon aufgelockert, sagen die drei – wieder zurück beim Thema Frauen und Feminismus. Mitunter werde man als Frau aber immer noch nicht ganz ernst genommen, manche Künstlerinnen würden daher auch eher darauf verzichten, sich stark als Frau zu positionieren. Bei allen Schwierigkeiten wie der Gefahr, wieder nur über das Geschlecht definiert zu werden, sei es aber schon wichtig, dass das jemand tue – damit sichtbar wird, dass es eben schon einige Frauen gibt.

Eine selbstbewusst weibliche Crew wie die von Lehner, Löffelmann und Steiner zieht auch von selbst schon einige Aufmerksamkeit auf sich. „Dass wir als drei Frauen zusammenarbeiten, ist schon ein großes Ding“, sagt Steiner. Und Lehner erzählt, wie ein Bekannter aus der Szene ihr schilderte, dass die Crew schon Gesprächsthema in der Stadt war, als sie noch nicht einmal sehr viel gemalt hatten: Da habe sich schon rumgesprochen, „dass da jetzt so eine Mädelsgruppe malt“.

Mit der Feuermauer in der Mauthausgasse wird ihre Präsenz jedenfalls noch einmal deutlich: Bei dem Motiv handelt es sich um drei Frauen. Es zeige, dass Frauen ganz unterschiedlich sein könnten. Und irgendwie natürlich auch sie drei. Oder, wie Steiner sagt: „Wir zeigen damit auch, dass wir ein vernünftiges Ego haben.“[PO63Q]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2019)

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